Mitarbeiter wehren sich gegen die Schließung des Filmtheaters

Das Kosmos zieht vor Gericht

Claudia Fuchs
3 Min

FRIEDRICHSHAIN. Die beabsichtigte Schließung des Kino Kosmos an der Karl-Marx-Allee wird ein Fall fürs Arbeitsgericht: Per einstweiliger Verfügung fordert der Anwalt des Betriebsrates den Insolvenzverwalter des Kinos auf, vorerst keinen Mietvertrag mit einem neuen Nutzer zu unterschreiben. Außerdem sollen die Beschäftigen des Filmtheaters besser informiert werden über die Bemühungen des Insolvenzverwalters, einen neuen Nutzer für das Kino zu finden. Über den Antrag des Betriebsrates wird am 8. März entschieden. Am 22. Februar waren die 27 Beschäftigten des Kinos vom Insolvenzverwalter der Ufa Theater AG in Kenntnis gesetzt worden, dass ihr Kino am 31. Juli den Spielbetrieb einstellt. Dann werde es von Olaf Ponesky übernommen, Betreiber eine Großraumdisko am A10-Center bei Wildau südöstlich von Berlin. Ponesky plant anstelle des Kinos ein "multikulturelles Gebäude". Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, lässt er offen. Klar ist nur: Die Mitarbeiter die Kinos will er nicht übernehmen - ihnen soll zu Ende Juli gekündigt werden. Das wollen die Beschäftigten nicht akzeptieren. "Sie fühlen sich hinters Licht geführt", sagt der Anwalt des Betriebsrates, Thomas Ebinger. Bei seinem Antrag auf einstweilige Verfügung stützt sich Ebinger auf das Betriebsverfassungsgesetz, das die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber regelt - in diesem Fall also mit dem Insolvenzverwalter. Demnach müssten die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Das, so Ebinger, geschehe in diesem Fall nicht. Unterschriften von BesuchernDie Mitarbeiter zeigten sich nach der Mitteilung des Insolvenzverwalters "geschockt" über das Ende. "Es ist unfassbar, dass ein Kino, das schwarze Zahlen schreibt, geschlossen werden soll", sagte eine Frau. Sie wisse ganz sicher, dass es Interessenten gab, die das Filmtheater als Kino weiter betreiben wollten - darunter auch große Ketten. Unverständnis herrscht auch unter den Kinobesuchern. Unter dem Motto "Das Kosmos muss ein Kino bleiben" hat sich eine Initiative gegründet. Im Aufruf heißt es: "Anscheinend könnte nur noch ein Einwirken auf das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg diese traurige Entwicklung verhindern." 60 Unterschriften gegen eine Schließung wurden dem Bezirk bereits übergeben. Doch ob der das Kino retten kann, ist zweifelhaft. Im Bezirk bedauert man zwar die Entscheidung des Insolvenzverwalters - Einfluss nehmen kann dort aber niemand. "Natürlich würden wir es favorisieren, wenn das Kino an diesem traditionellen Standort erhalten bliebe", sagt der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne). Falls das Kino geschlossen würde, sei dem Bezirk viel daran gelegen, dass das Gebäude weiter genutzt wird. Kulturstadtrat Lorenz Postler (SPD) zumindest steht einer Nutzung des Kosmos als ein "multikulturelles Gebäude" aufgeschlossen gegenüber. "Ich erhoffe mir davon eine Belebung der Karl-Marx-Allee", sagt Postler. Wegen der zumeist älteren Anwohner werde die Straße schon "Krückstockallee" genannt. Zumindest will der Bezirk versuchen, eine Weiterbeschäftigung der Kosmos-Mitarbeiter zu erreichen. "Wir werden deshalb Herrn Ponesky zur nächsten Bezirksamtssitzung am Dienstag einladen", kündigt Baustadtrat Schulz an.

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