Molkenmarkt

Wie sieht der Berliner Stadtkern der Zukunft aus? Mitte-Fest eröffnet

Die Gegend rund um den Molkenmarkt soll neu gestaltet werden. In der Parochialkirche können Besucher bis Sonntag in die Vergangenheit und mögliche Zukunft der Stadtmitte reisen.

Anika Schlünz
4 Min
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey mit Benedikt Giebel in der Parochialkirche

Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey mit Benedikt Giebel in der Parochialkirche

© Markus Wächter/Berliner Zeitung

In der Parochialkirche in Berlin-Mitte sieht es am Freitag anders aus als sonst. Eine Leinwand ist unter dem Kreuz aufgebaut, daneben steht ein Podium mit Mikrofon, es spielt Musik. Die Kirche wird an diesem Tag nicht nur von Gottesfürchtigen besucht, sondern von Menschen, die vor allem eines interessiert: die Zukunft der Berliner Stadtmitte. In der Parochialkirche findet von Freitagnachmittag bis Sonntagabend das Mitte-Fest statt, das am Freitag offiziell eröffnet wird. Veranstalter ist die Stiftung Mitte Berlin, die sich mit der geplanten Neugestaltung der Berliner Mitte rund um den Molkenmarkt auseinandersetzt.

Zu sehen gibt es vieles. So etwa ein Panorama, das Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt. Viele Bauwerke der Berliner Mitte, die den Krieg überlebten, wurden in den folgenden Jahren abgerissen. Besonders zwischen den Jahren 1965 und 1975 folgte ein autogerechter Umbau der Stadtmitte durch die DDR-Regierung. Dafür wurden „weitere Verluste von Baudenkmalen in Kauf genommen“, wie ein Plakat in der Kirche informiert. Erst danach folgte auch in der DDR ein Umdenken. Seitdem gibt es immer wieder Diskussionen darüber, wie genau die Stadtmitte gestaltet werden soll.

In der Parochialkirche gibt es verschiedene Vorschläge zu sehen, so etwa mehrere Entwürfe für eine mögliche Neugestaltung des Gymnasiums zum Grauen Kloster, das 1574 gegründet und im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört wurde. Derzeit gibt es Überlegungen, dass an dem historischen Standort wieder eine Schule entstehen soll. Die Entwürfe wurden von Architekturstudenten der Fachhochschule Potsdam entwickelt. Zusätzlich können Besucher auf einem großen Banner eine Visualisierung des Gymnasiums sehen, hätte es bis in die Gegenwart überdauert. Auf dem Banner ist das Gymnasium neben Radwegen, einer einspurigen Straße, Bäumen und Sitzgelegenheiten abgebildet.

Berlins Geschichte „ein Reichtum“: Franziska Giffey besucht das Mitte-Fest

Die Veranstaltung wird musikalisch begleitet, außerdem gibt es kostenlose Führungen durch die Stadtmitte. Am Freitag wird die Führung von Detlef Hilbrecht durchgeführt, der lange Zeit Busfahrer bei der BVG war. Er erzählt den Besuchern von der Geschichte Berlins, von der ältesten Mauer in der Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert oder der Zeit, als die U2 gebaut wurde und die Berliner in der damals gestauten Spree baden gingen. Die Zuhörer merken schnell: Eine Stunde Führung reicht bei weitem nicht aus – es gäbe noch viel mehr zu erzählen.

Am Abend wird die Veranstaltung offiziell eröffnet. Zuerst kommt Pfarrerin Corrina Zisselsberger zu Wort, zu deren Gemeinde die Parochialkirche gehört. Auch Marie-Luise Schwarz-Schilling, Gründerin der Stiftung Mitte Berlin, spricht an dem Abend. Das Ziel der Stiftung sei es, aus der Mitte Berlins „wieder ein lebenswertes Stadtzentrum zu machen“, sagt die Gründerin.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist am Freitag ebenfalls vor Ort. In einer Rede betont sie, dass die Denkmale der Stadt „sehr wohl“ mit modernen Bedürfnissen harmonieren können. Die Geschichte Berlins sei ein „Reichtum“, die „Schauplätze der Geschichte“ in der Mitte Berlins hätten eine große Anziehungskraft für Besucher. Das Neben- und Übereinander der historischen Entwicklung Berlins sei aber eine Herausforderung, deshalb sei die Senatorin froh, dass „eine Diskussion angestoßen wird“. Die Ideen, die von der Stiftung Mitte entwickelt werden, seien „ein großer Gewinn“ für die Stadt.

Als Letztes spricht Dr. Benedikt Goebel, Stiftungsvorstand von Mitte Berlin. Er setzt sich ein für eine „schöne Mitte“, sagt er in seiner Rede, „das hat Berlin auch verdient“. Um etwa 18.15 Uhr verkündet er offiziell die Eröffnung des Festes. Interessierte können sich noch am Samstag und Sonntag in der Parochialkirche über die Vergangenheit und Zukunft der Berliner Mitte informieren.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner