Gewaltverbrechen

Mordprozess Fabian: Staatsanwalt leitet Verfahren gegen Vater ein

Es geht um mögliche Falschaussagen: Am vierten Tag im Prozess zum Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow gab der Oberstaatsanwalt eine Erklärung ab.

5 Min
Das Landgericht Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.

Das Landgericht Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.

© Katja Frick

Auch der vierte Prozesstag im Mordfall Fabian am Landgericht in Rostock hatte es in sich. „Das ist schwer auszuhalten“, sagte eine Zuschauerin in einer Sitzungspause, nachdem unzählige Sprachnachrichten der Angeklagten Gina H. und von Fabians Vater Matthias R. vorgespielt worden waren. Sie stammten alle aus wenigen Tagen im August 2025, nachdem sich Fabians Vater von der Angeklagten getrennt hatte. In den meisten flehte die 30-Jährige Matthias R. unter zumeist tränenerstickter Stimme an, wieder zu ihr zurückzukehren. Wie sich herausstellte, unternahm sie innerhalb weniger Tage zwei Suizidversuche. Vorher informierte sie Personen aus ihrem Umfeld, sodass sie gefunden wurde.

Hilfenummern

Ihre Gedanken hören nicht auf zu kreisen? Sie befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation und spielen mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen? Wenn Sie sich nicht im Familien- oder Freundeskreis Hilfe suchen können oder möchten – hier finden Sie anonyme Beratungs- und Seelsorgeangebote:

Telefonseelsorge: Unter 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 erreichen Sie rund um die Uhr Mitarbeiter, mit denen Sie Ihre Sorgen und Ängste teilen können. Auch ein Gespräch via Chat ist bei der Telefonseelsorge möglich.          Kinder- und Jugendtelefon: Das Angebot des Vereins Nummer gegen Kummer richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, die in einer schwierigen Situation stecken. Erreichbar montags bis sonnabends von 14 bis 20 Uhr unter 11 6 111 oder 0800 – 111 0 333. Am Sonnabend nehmen die jungen Berater des Teams Jugendliche beraten Jugendliche die Gespräche an.
Muslimisches Seelsorge-Telefon: Die Mitarbeiter von MuTeS sind 24 Stunden unter 030 – 44 35 09 821 zu erreichen. Ein Teil von ihnen spricht auch Türkisch.
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: Eine Übersicht aller telefonischen, regionalen, Online- und Mail-Beratungsangebote in Deutschland gibt es unter suizidprophylaxe.de.

Offenbar spielten aber für die junge Frau nicht nur emotionale, sondern auch handfeste wirtschaftliche Gründe eine Rolle, Matthias R. zur Wiederaufnahme der Beziehung zu bewegen. Denn er hatte auch die zur Versorgung ihrer Pferde notwendige Technik wie einen Trecker zum Heutransport von ihrem Hof abgezogen. Nach der Verhaftung von Gina H. im November 2025 wurde bekannt, dass Matthias R. ihre Pferde weiter versorgte.

Oberstaatsanwalt: Angeklagte hat ihre Ziele erreicht

Zuvor hatte jedoch Oberstaatsanwalt Harald Nowack eine Erklärung zu den Ergebnissen der Befragung von Fabians Vater am 5. Mai abgegeben. Dabei hatte Matthias R. erklärt, seit Januar 2026 wieder eine Beziehung mit Gina H. zu führen, und Aussagen, die er bei den Ermittlungen der Polizei kurz nach der Tat angegeben hatte, wieder zurückgenommen. Matthias R. sei fest von der Unschuld der Angeklagten überzeugt, stellte Harald Nowack fest, „der Zeuge ist offenbar nicht an einer objektiven Wahrheitsfindung interessiert.“ Er habe weder als Nebenkläger auftreten noch Akteneinsicht haben wollen.

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Es sei wenig nachvollziehbar, wie der  Zeuge seine Aussagen derart ändern könne. „Wir wissen nicht, welche Beweggründe der Zeuge hat, wieder eine Beziehung mit der Angeklagten einzugehen. Aber wir wissen, dass die Angeklagte am 10. Oktober in unmittelbarer Nähe der Wohnung von Fabian war und dann in unmittelbarer Nähe seines Auffinde-Ortes. Wir wissen, dass die Angeklagte ein Motiv hatte, nämlich wieder eine Beziehung zu Matthias R. aufzubauen.“ In etwa 90 Sprachnachrichten zwischen dem 10. und 13. Oktober habe sie Fabians Vater aufgefordert, zu ihr zu kommen und Trost zu suchen.

Nach den Zeugenaussagen am 5. Mai sei die Erkenntnis der Staatsanwaltschaft, dass die Angeklagte ihre Ziele erreicht habe: Sie führe wieder eine Beziehung mit dem Vater und es gebe durch den Tod des Jungen keinen Kontakt mehr zu Fabians Mutter. Diese beiden Ziele hatte die Staatsanwaltschaft in der Anklage als Mordmotiv genannt. „Wir haben ein Verfahren wegen Verdachts der Falschaussagen gegen Matthias R. eingeleitet“, beendete Harald Nowack seine Erklärung.

Gina H. und ihre beiden Anwälte. Die im Mordfall Fabian Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen, seit November 2026 ist sie in Untersuchungshaft.

Gina H. und ihre beiden Anwälte. Die im Mordfall Fabian Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen, seit November 2026 ist sie in Untersuchungshaft.

© Katja Frick

Urteil im Prozess fällt frühestens im September

Kurz nach Beginn der Verhandlung hatte Richter Holger Schütt erklärt, dass der Mann, der das Messer gefunden hat, welches die Mordwaffe gewesen sein könnte, als Zeuge vernommen wird. Das Messer wird untersucht. Außerdem gebe es ein neues DNA‑Gutachten. Zudem wird es zehn weitere Verhandlungstermine geben. Damit wird das Urteil in diesem Mordprozess frühestens im September 2026 gesprochen. Bis dahin gilt für die Angeklagte, die bisher zu den Vorwürfen schweigt, die Unschuldsvermutung.

Am Mittwoch wurde auch die Lehrerin von Fabian vernommen, sein bester Freund und dessen Mutter, sein Freund aus der Nachbarschaft sowie ein Zeuge, der am Nachmittags des 9. Oktober den auffälligen orangen Pick-up von Gina H. in unmittelbarer Nähe von  Fabians Wohnung gesehen hat.

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