Energieversorgung

Russlands Kraftstoffkrise schlägt auf die Mongolei durch - Moskau verspricht Lieferungen

Die Mongolei bezieht ihre Mineralölprodukte fast vollständig aus Russland, eine eigene Raffinerie fehlt. Zuletzt haben sich die Spritpreise fast verdoppelt.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Eine Tankstelle an der Straße zwischen Ulan Bator und Karakorum in der Mongolei

Eine Tankstelle an der Straße zwischen Ulan Bator und Karakorum in der Mongolei

© Wolfgang Kaehler/imago

Russland will die Kraftstofflieferungen an die Mongolei trotz eigener Versorgungsengpässe stabil halten. Das teilte die mongolische Regierung am Donnerstag nach einem Treffen von Ministerpräsident Nyam-Osoryn Uchral mit dem russischen Energieminister Sergej Ziwiljow am Rande des Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok mit. Zugleich bekommt das Nachbarland die russische Treibstoffkrise bereits deutlich zu spüren.

Preise fast verdoppelt

Die Preise für Benzin und Diesel seien auf 1,50 bis zwei US-Dollar je Liter gestiegen, sagte Bolortschuluun Tsendgombo, Direktor der Planungsabteilung im mongolischen Ernährungsministerium, der Nachrichtenagentur Reuters. Im Frühjahr hätten sie noch bei rund einem Dollar gelegen.

An Tankstellen im ganzen Land bildeten sich Schlangen, berichteten Reuters-Reporter und lokale Medien. Im August habe die Regierung den Kraftstoffverkauf beschränkt.

Die Mongolei ist bei Kraftstoffen fast vollständig auf Russland angewiesen. Rund 97 Prozent ihrer Mineralölprodukte importiert sie nach Regierungsangaben aus dem Nachbarland. Eine eigene Raffinerie hat das Land bislang nicht, die erste Anlage in Dornogobi soll 2028 in Betrieb gehen. Um die Abhängigkeit zu verringern, will Ulan Bator den Anteil chinesischer Kraftstoffimporte auf bis zu 30 Prozent des Inlandsverbrauchs erhöhen.

Zusagen aus Moskau

Ziwiljow erklärte laut der Mitteilung aus Ulan Bator, Moskau habe trotz der bestehenden russischen Ausfuhrbeschränkungen für Kraftstoffe besonderen Wert darauf gelegt, die Versorgung des Nachbarlands nicht zu unterbrechen. Von dem Ausfuhrverbot sind Staaten wie die Mongolei ausgenommen, mit denen Russland zwischenstaatliche Lieferabkommen geschlossen hat.

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Im Juli weitete Moskau den Stopp für Diesel, Schiffskraftstoff und Gasöl zudem auf die Kraftstoffproduzenten aus, nachdem er zuvor nur für Zwischenhändler galt. Der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak begründete den Schritt mit der angespannten Lage auf dem heimischen Markt. Auch die Konzerne Rosneft und Gazprom sagten der mongolischen Regierung fortgesetzte Lieferungen zu.

Zuspitzung auch in Russland

Auch in Russland selbst hat sich die Lage zugespitzt. In Moskau und im Umland bildeten sich im August lange Warteschlangen vor Tankstellen, viele Stationen waren geschlossen oder boten nur Diesel an, wie Reuters-Reporter beobachteten.

Anfang Juli entsprach die russische Benzinproduktion nach Branchendaten und Reuters-Berechnungen nur noch rund 65 Prozent des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchs. Beim Diesel reichte die Produktion nur noch etwa zur Deckung des heimischen Bedarfs, der frühere Exportüberschuss war damit nahezu verschwunden. Russland lockerte inzwischen die Qualitätsvorgaben für Benzin und bezieht Lieferungen unter anderem aus Indien, Belarus, Kasachstan und Marokko.

Ausfuhren zuletzt rückläufig

Nach Angaben von Händlern, die Reuters zitiert, stiegen die russischen Dieselausfuhren in die Mongolei von Januar bis Juli um sieben Prozent auf 1,05 Millionen Tonnen. Die Benzinlieferungen erhöhten sich auf 515.000 Tonnen, die Ausfuhren von Kerosin fielen um 40 Prozent auf 32.000 Tonnen. Im Juli sanken die gesamten Kraftstoffausfuhren gegenüber dem Vormonat von 186.400 auf 173.000 Tonnen.

Auch insgesamt gingen Russlands Seeexporte von Diesel und Gasöl bereits im Juni um 39 Prozent auf rund 1,8 Millionen Tonnen zurück, Hauptabnehmer waren die Türkei und Brasilien. Hintergrund der Engpässe sind laut Reuters ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und eine hohe saisonale Nachfrage.

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