Der „Talkessel“ hat einmal mehr bewiesen, warum er zu den traditionsreichsten und stimmungsvollsten Austragungsorten der Motocross-Weltmeisterschaft zählt. Beim „LIQUI MOLY MXGP of Germany“ strömten am Wochenende 31.068 Motorsport-Fans nach Teutschenthal, was neuer Zuschauerrekord bedeutete.
Das fachkundige Publikum erlebte an beiden Tagen hochklassigen Motorsport, packende Duelle und eine Nachricht, die weit über das Renngeschehen hinausreicht: „Der MSC Teutschenthal und WM-Promoter „Infront Moto Racing“ verlängerten ihre Zusammenarbeit vorzeitig ab 2028 um weitere zehn Jahre“, verkündet der Geschäftsführer des MSC Teutschenthal, Andreas Kosbahn.
Im Jubiläumsjahr des Vereins, der sein 60-jähriges Bestehen feiert, setzten zudem der Belgier Lucas Coenen in der MXGP-Klasse und der Franzose Mathis Valin in der MX2-Kategorie die sportlichen Glanzlichter. Und auch sonst hielt die Ausgabe 2026 des deutschen WM-Laufs, was sie versprach. Der traditionsreiche Kurs im Süden Sachsen-Anhalts bot erstklassige Rennaction und trotz wechselhafter Bedingungen insgesamt gute Motocross-Verhältnisse. Nach einem intensiven Trainings- und Qualifikationstag am Sonnabend folgte am Sonntag ein Rennprogramm, das die Fans bis zur letzten Zielflagge fesselte.
Lucas Coenen dominiert die MXGP
In der Königsklasse MXGP war Lucas Coenen das Maß aller Dinge. Der Belgier vom Team Red Bull KTM Factory Racing gewann den ersten Lauf vor Tim Gajser aus Slowenien (Honda HRC) und dem Spanier Ruben Fernandez (Honda HRC). Die Mitfavoriten Jeffrey Herlings und Romain Febvre wurden dagegen von technischen Problemen zurückgeworfen und konnten nicht entscheidend ins Geschehen eingreifen.
MXGP von Deutschland: Der MSC Teutschenthal verzeichnete am Motocross-Wochenende 2026 einen Zuschauerrekord.
© Thorsten Horn
Auch im zweiten Lauf ließ Coenen keine Zweifel an seiner Stärke aufkommen. Während Gajser nach einem frühen Sturz das Feld von hinten aufrollen musste und nur noch Rang 19 erreichte, fuhr der WM-Spitzenreiter einen souveränen Start-Ziel-Sieg heraus. Der Niederländer Herlings rehabilitierte sich mit Platz zwei, der Italiener Andrea Adamo wurde Dritter.
In der Tageswertung sicherte sich Coenen damit seinen dritten Grand-Prix-Sieg der Saison und baute seine Führung in der Weltmeisterschaft aus. Adamo durfte sich über Rang zwei in der Gesamtwertung freuen, Fernandez komplettierte das Podium.
Deutsche Fahrer begeistern das Publikum
Zur Vertragsverlängerung zwischen „Infront Moto Racing“ und dem MSC Teutschenthal sagte Coenen: „Das sind natürlich großartige Neuigkeiten. Wie wir an diesem Wochenende wieder gesehen haben, hat der Club mit der neu aufgebrachten Erde einen guten Job gemacht. Das ist ein gutes Zeichen für viele weitere gute Rennen hier.“
Besonders laut wurde es auf den Rängen, wenn die deutschen Fahrer auf die Strecke gingen. Von elf gestarteten Wildcard-Piloten qualifizierten sich zehn für die Wertungsläufe. Bester Deutscher war erneut Tom Koch vom KTM Sarholz Racing Team.
Der Thüringer kämpfte sich im ersten Lauf von Platz 18 auf Rang zwölf nach vorn und wurde im zweiten Rennen 17. Damit sammelte er in beiden Läufen WM-Punkte. „Mein Plan war, zweimal in die Top 15 zu fahren. Das hat zwar nicht ganz geklappt, aber es war wieder ein guter Tag“, sagte Koch. Trotz der durch Regen erschwerten Bedingungen habe der Veranstalter die Strecke „dank des neuen Bodens gut im Griff“ gehabt.
Mathis Valin entscheidet MX2-Krimi für sich
Besonders beeindruckt zeigte sich Koch erneut von der Atmosphäre: „Ich weiß nicht, ob ich das nur als Deutscher so wahrnehme, aber es gibt nur wenige Grand Prix, bei denen die Stimmung so gut ist wie in Teutschenthal.“
Auch Noah Ludwig und Maximilian Spies punkteten in beiden Läufen. Gemeinsam mit weiteren deutschen Fahrern ließen sie sich anschließend vor dem legendären „Hang der Nationen“, dem Herzstück der Teutschenthaler Fankultur, feiern.
In der MX2-Klasse lieferten sich Mathis Valin und Sasha Coenen ein Duell auf Augenhöhe. Während Coenen den ersten Lauf vor Valin gewann, drehte der Franzose im zweiten Rennen den Spieß um und siegte seinerseits vor dem Belgier.
Frauen-Weltmeisterschaft WMX: Die Spanierin Daniele Giullen siegte vor vor der Italienerin Kiara Fontanesi.
© Thorsten Horn
Daniela Guillen setzt sich bei den Frauen durch
Da beide Fahrer punktgleich abschlossen, entschied gemäß Reglement das Ergebnis des zweiten Laufs über den Grand-Prix-Sieg. Valin durfte somit den Siegerpokal in Empfang nehmen, während Coenen Rang zwei belegte. Dritter wurde der Südafrikaner Camden Mc Lellan. Für Simon Längenfelder verlief das Wochenende weniger glücklich. Nach Platz acht im ersten Lauf gelang ihm mit Rang drei im zweiten Rennen zwar Schadensbegrenzung, die Tabellenführung musste er jedoch an Coenen abgeben.
Den Auftakt des Rennsonntags bestritten die Fahrerinnen der Frauen-Weltmeisterschaft WMX. Bereits kurz nach dem Start fiel eine Vorentscheidung: Titelverteidigerin Lotte van Drunen stürzte in der Anfangsphase und verlor jede Chance auf eine Spitzenplatzierung.
Davon profitierte Daniela Guillen. Die Spanierin übernahm früh die Führung und setzte sich kontinuierlich ab. Mit mehr als acht Sekunden Vorsprung gewann sie vor der Italienerin Kiara Fontanesi. Da beide bereits am Samstag die Plätze eins und zwei belegt hatten, standen sie auch in der Gesamtwertung ganz oben. Das Podium komplettierte die Niederländerin Shana van der Vlist. Beste Deutsche wurde erneut Larissa Papenmeier auf Rang sieben.
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Veranstalter spricht von gelungenem Renn-Wochenende
Für die Teilnehmer der EMX250 verwandelte ein heftiger Regenschauer die Strecke kurz vor dem zweiten Lauf in eine anspruchsvolle Schlammpiste. Der Spanier Francisco Garcia kam mit den Bedingungen zwar am besten zurecht und gewann das Rennen, spielte nach seinem Ausfall am Sonnabend jedoch keine Rolle mehr im Kampf um den Gesamtsieg. Diesen sicherte sich der Australier Jake Cannon. Gemeinsam mit dem Niederländer Gyan Doensen und dem Italiener Nicolo Alvisi stand er bei der Siegerehrung auf dem Podium.
Mit spektakulären Rennen, einer Rekordkulisse und der langfristigen Sicherung des Grand Prix in Teutschenthal endete ein Wochenende, das dem 60-jährigen MSC Teutschenthal kaum hätte besser gelingen können. Der „Talkessel“ bleibt damit auch in Zukunft ein fester und gefeierter Bestandteil des WM-Kalenders.
„Besonders haben wir uns über den neuen Zuschauerrekord gefreut, der uns zeigt, dass das Interesse an Motorsport weiter steigt“, meint Andreas Kosbahn. „Durch das steigende Zuschauerinteresse müssen wir für der nächsten Ausgaben aber mehr Platz unter anderem fürs Parken und Camping schaffen. Aber dank der weiteren Zusammenarbeit mit dem WM-Promotor können wir uns dieser Herausforderung stellen.“
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