Etwas nicht zu tun, ist insbesondere im Country-Genre ein viel besungener Topos. Zu den Klassikern zählt „I Never Will Marry“, das Klagelied einer verlassenen Seemannsbraut, die befürchtet, aufgrund der erlittenen Schmach nie in den Ehestand eintreten zu können. Okay, das entspricht jetzt nicht gerade neuesten feministischen Standards – ein schönes Lied ist es trotzdem.
Eine der bewegendsten Versionen des Stücks, das durch die Carter-Family berühmt wurde, hat Linda Ronstadt 1969 gemeinsam mit Johnny Cash in der Fernsehshow vorgetragen, die dessen Namen trug. Eine nicht weniger anrührende Fassung von „I Never Will Marry“ hat Linda Ronstadt zusammen mit Dolly Parton aufgenommen, 1977 für Ronstadts Erfolgsalbum „Simple Dreams“. Als freundliche Unterstützung durch eine gute Freundin gewissermaßen. Als Trio haben Ronstadt und Parton zusammen mit Emmylou Harris später zwei der erfolgreichsten Country-Alben überhaupt eingespielt.
Als sogar Elvis bei ihr abblitzte
Wenn es jetzt als frische Nachricht daherkommt, dass Dolly Parton gar nicht daran denkt, die Rechte an ihren Songs für ein paar Hundert Millionen Dollar zu verkaufen, dann steckt mehr dahinter als nur der schnoddrige Eigensinn einer reichen Frau, die dergleichen nicht nötig hat. Entgegen ihrem Image als üppige Wasserstoffblondine (so nannte man das mal) hat Dolly Parton sehr früh ihre geschäftliche Autonomie zu wahren gewusst. Zusammen mit ihrem Onkel Bill Owens, mit dem Parton die meisten ihrer Songs verfasste, gründete sie bereits 1966 einen Musikverlag, über den die Rechte der gemeinsamen Arbeit verwaltet wurden. Das bekam Anfang der 70er-Jahre auch Elvis Presley zu spüren, der gern „I Will Always Love You“ gecovert hätte, aber darauf bestand, auch geschäftlich an den Songrechten zu partizipieren. Dolly Parton lehnte ab, zu einem herzzerreißenden Welthit wurde der Song schließlich durch Whitney Houston.
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Groß geworden ist Dolly Parton in einer vielköpfigen Familie in den Bergen von Tennessee. Bezüglich des Liedguts der sogenannten Mountain-Music, schwärmten ihre Kolleginnen Ronstadt und Harris, verfüge Parton über unmittelbare Authentizität. Berüchtigt ist Parton für ihre Selbstironie. Auf ihre Schönheitsoperationen angesprochen, sagte sie, es koste nun einmal sehr viel Geld, so billig auszusehen wie sie. Es scheint aber genügend übrig zu sein. Zu Beginn der Corona-Pandemie spendete sie kurzerhand eine Million Euro zur Entwicklung des Moderna-Impfstoffs. Ihre Songs, sagte Parton, gebe sie nicht her. Sie verkaufe ja auch ihre eigenen Kinder nicht.
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