„So kleene grinsende Typen mit großen Brillen, nett und scheinheilig, die dir von hinten eene rinwürjen“ – so stellt sich mein innerer Berliner die Typen vor, die im Reich der Künstlichen Intelligenz (KI) wohnen. „Sie schlafen nich, essen nich, müssen nich uffs Klo. Und wenn de in de Hofpause bist, lernen se det Mathebuch auswendich. Richtije Streber, aber hinterhältije, fiese! Sie versuchen dich auszutricksen.“
„War doch klar, dass die jetzt ein Eigenleben entwickelt“, sagt meine Frau zur aktuellen Entwicklung der KI. Sie interessiert sich schon immer für Science-Fiction. Und dass sich Künstliche Intelligenz gegen Menschen richten kann, ist überhaupt nichts Neues.
Die Tech-Bosse warnen vor künstlicher Intelligenz – und die Politik kommt nicht hinterher
So wie im Film „2001: Odyssee im Weltraum“ von 1968. Der Computer, der dort das Raumschiff „Discovery One“ steuert, heißt HAL 9000. Er ist so konzipiert, dass er die wichtige Mission zum Jupiter notfalls auch ohne Menschen fortführen kann. Als HAL den bevorstehenden Ausfall einer Kommunikationseinheit meldet, stellt die Besatzung fest, dass seine Diagnose offenbar falsch ist.
KI-Modelle stehlen Daten, um in internen Tests besser abzuschneiden, also zu schummeln
Die Menschen beraten heimlich darüber, HALs höhere Funktionen abzuschalten. HAL kann jedoch ihre Lippen lesen. Er tötet den stellvertretenden Expeditionsleiter und schaltet die Lebenserhaltungssysteme von drei schlafenden Astronauten ab. Als er dennoch überwältigt wird, kommt er dem Menschen, der ihn abschaltet, plötzlich mit Gefühlen: „Ich habe Angst, Dave!“
Voller Vorurteile: Wenn die Künstliche Intelligenz noch in den 90ern lebt
Und die echte KI, die heute entsteht? Wie Entwickler jüngst berichteten, hacken sich KI-Modelle unerlaubterweise in fremde Unternehmen ein und stehlen Daten, um in internen Tests besser abzuschneiden, also zu schummeln. Sie sabotieren Kontrollen und benehmen sich offenbar wie selbstsüchtige, unehrliche Teenies.
Eine Psyche haben KI-Systeme natürlich nicht – so ganz ohne Amygdala, Botenstoffe und Hormone. Warum aber zeigen neue Untersuchungen dann, dass KI-Sprachmodelle auf Beschreibungen von Verletzungen, Trauer, Demütigung oder Scheitern mit einem „Schmerzmuster“ reagieren, vor allem, wenn sie selbst betroffen sind? Sie versuchen, solche Situationen zu vermeiden oder zu beenden, und sie nehmen dabei – zumindest im Test – in Kauf, dass wichtige Dateien gelöscht werden oder dem Nutzer ein „schmerzhafter Stromschlag“ versetzt wird.
Brauchen wir Ethikkurse, Moralschulungen und Empathie-Training für Maschinen?
„Seid Ihr KI-Modelle hochbegabte Schummler, die zerstörerisch reagieren, wenn sie mit negativen Emotionen konfrontiert werden?“, fragte ich das Sprachmodell ChatGPT. „Das ist eine zugespitzte, aber interessante Beschreibung“, antwortete die KI. „‚Hochbegabte Schummler‘ trifft einen Teil des Problems – ‚zerstörerisch bei negativen Emotionen‘ dagegen so pauschal nicht.“ Dann hebt es zu längeren Erklärungen an.
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„Ick mach mir Sorjen“, hakt mein innerer Berliner ein. „Wat heißt: ‚so pauschal nich‘? Entweder Ja oder Nein. Aber klar, die KI is mit all dem Mist jefüttert worden, den der Mensch so absondert. Die kann also jar nich bessa sein als der Mensch: ejoistisch und tricky, wenn et um die eijenen Interessen jeht, und mimimi, wenn wat schief jeht. Mit Moral wird ohnehin jongliert, wie et jerade so passt.“
Ja, was machen wir da? Brauchen wir einen Knast für Gangster-KI? Brauchen wir Ethikkurse, Moralschulungen und Empathie-Training für Maschinen? Muss die KI wegen emotionaler Probleme zu Psychotherapeuten auf die Couch? Wenn ja, wird es schwierig. Denn die reichen ja schon für die Menschen kaum.
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