Barbara Schöneberger also. Weil die 28-jährige TV-Moderatorin für "Frische und neue Inhalte" steht, hat sie sich als Covergirl der allerersten Ausgabe von "Woman" gegen hochkarätige Konkurrentinnen wie Madonna oder Jennifer Lopez durchgesetzt. Sagt jedenfalls "Woman"-Chefredakteur Karsten Flohr. Dass die neue Frauenzeitschrift des Hamburger Verlagshauses Gruner+Jahr wohl auch kein Exklusiv-Interview mit Lopez in der Schublade hatte, sagt er nicht.Aber darum geht es ja auch gar nicht. Ob "Woman" mit der Schöneberger nun über Mozzarella, Vanilleschaumsoße, Cellulite natürlich, Kinderkriegen usw. plaudert oder nicht, ist in Zeiten wie diesen eher nebensächlich. Wichtiger ist, dass der Verlag mitten in die schlechten Zeiten hinein ab heute alle zwei Wochen eine neue Frauenzeitschrift zu den anderen "Lauras" "Lenas", "Lisas" "Leas", "Tinas" und "Sabrinas" in die Kioskregale stopft. Über 60 Frauenzeitschriften gibt es in Deutschland, die meisten erscheinen wöchentlich oder monatlich. Alle 14 Tage hingegen gibt es nur eine neue "Freundin", eine neue "Für Sie", das "Journal für die Frau" und die G+J-eigene "Brigitte". 2,3-millionenfach verkauften sich die vier im 3. Quartal - und damit um mehr als 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Ihre monatlichen Schwestern haben indes im gleichen Zeitraum um 10 Prozent zugelegt. Nicht wirklich schönUnd so reden die "Woman"-Macher denn auch gerne davon, dass ihre Zeitschrift sich wie ein Monatsblatt anfühle, jedenfalls dann, wenn sie gerade nicht die Aktualität der Themen betonen oder mit Blick auf die Medienkrise davon reden, dass man nun eben mutig sein und "antizyklisch denken" müsse. Schließlich dürfe man, so der G+J-Vorstand Rolf Wickmann, in wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht bloß an die Restrukturierung des Verlages denken. Man weiß nicht genau, ob da verlegerischer Mut aus ihm spricht oder Tollkühnheit. Ganz so kühn ist man in Hamburg dann allerdings doch nicht: Zum einen ist "Woman" keine G+J-Schöpfung. Die Zeitschrift wurde in Österreich von der Verlagsgruppe News erfunden, an der Gruner+Jahr mit 56,03 Prozent beteiligt ist. Zum anderen ist die Zeitschrift selbst keine Offenbarung. Anders gesagt: Sie ist nicht wirklich schön. Alles wirkt gedrängt und erinnert optisch immer wieder eher an "Focus" als an "Allegra" oder "Glamour", die im Vorfeld schon mal als Vorbilder herhalten durften. Und die Aufteilung in insgesamt 13 Rubriken (Mode, Beauty, Fitness, Essen, Living, Reise..., man kennt das) macht die Sache nicht besser. Wer blättert - und was soll man sonst mit so einer Zeitschrift machen, als darin blättern, bis es interessant wird - hat nach einiger Zeit lauter Déjà-vus, weil sich die das jeweilige "Ressort" einleitenden Seiten so ähneln. Dennoch glaubt man bei Gruner+Jahr durchschnittlich eine Viertelmillion Exemplare verkaufen zu können. Diese Auflage hat der Verlag den Werbekunden jedenfalls garantiert. Und damit das Heft tatsächlich auch möglichst viel gekauft wird, kostet es "in der Startphase", so Flohr, auch bloß einen Euro. Wie lange die Startphase dauern und wie hoch der Preis schließlich sein soll, sei "noch nicht entschieden". In Österreich kostet "Woman" 1,80 Euro. Dass unter den 250 000 neuen Käuferinnen für "Woman" auch eine Menge Frauen sein könnten, die ihre gute, alte "Brigitte" liegen lassen könnten, will G+J-Zeitschriftenvorstand Rolf Wickmann nicht sehen: Die beiden Blätter liegen seiner Ansicht nach "meilenweit auseinander". Und vielleicht liegt ja sogar genau da das Problem von "Woman": Während "Brigitte" offenbar immerhin für "Brigitte"-Leserinnen interessant ist (verkaufte Auflage: knapp 835 000), lässt der Blick ins Heftdebüt von "Woman" offen, wen die 39 Frauen und 9 Männer unter Chefredakteur Flohr eigentlich erreichen wollen. Madonna und Clements TochterDer Verlag wünscht sich die Leserin zwischen 25 und 45 Jahre alt, gebildet natürlich und liquide, mit Interesse an Beruf und Familie, mit anderen Worten: Frauen, die sich dann vielleicht doch lieber "Spiegel" und "Cosmopolitan" kaufen, als mäßig interessante Neuigkeiten über Martina Gedeck, Tori Amos, Sandra Bullock oder Wolfgang Clements Tochter Babette nachzulesen - oder zu erfahren, dass Madonna immer einen Kajalstift dabei hat, wenn sie aus dem Haus geht. Das jedenfalls steht auf Seite 92 und wäre als Titelstory wohl wirklich etwas dünn gewesen. Vorableserinnen, so Chefredakteur Flohr, hätten sich gewundert, "dass es das Blatt nicht schon lange gibt", es käme ihnen "so bekannt vor" - man kann das für ein zweifelhaftes Kompliment für ein neues Produkt halten. Vielleicht waren die "Woman"-Testerinnen aber auch bloß stutzig geworden, weil in Deutschland doch schon seit letztem Jahr tatsächlich ein Magazin mit "Woman"-Schriftzug auf dem Cover gibt. Das erscheint vierteljährlich und stammt ebenfalls aus dem Hause Gruner+Jahr. Und wer genauer hinschaut, sieht, dass dort außerdem "Brigitte" auf dem Titel steht. Doch auch damit haben die mutigen Männer von Gruner+Jahr kein Problem: Demnächst wird auf dem Titel von "Brigitte Woman" "Brigitte" größer und "Woman" einfach kleiner geschrieben. Ein Omen sei das nicht.Import aus Österreich // Mit einer Auflage von 650 000 Heften bringt Gruner + Jahr heute ein weiteres Frauenmagazin auf den Markt. Es soll alle 14 Tage dienstags erscheinen. Die Erstausgabe von "Woman" kostet einen Euro.Zielgruppe sind Frauen im Alter von 25 bis 45 Jahren. Chefredakteur Karsten Flohr (52) hat zuletzt "TV Today" geleitet. Vorbild ist eine österreichische Zeitschrift mit dem gleichen Namen, die im November 2001 in Österreich gestartet ist.
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