Luftverkehr

Nach brutaler Prügelattacke am BER: Flughafen rüstet Telefone mit Notfallknopf aus

Ermittlungen wegen versuchten Totschlags: Ein Passagier schlägt einen Swissport-Mitarbeiter krankenhausreif. Jetzt reagiert die Flughafengesellschaft. Sie prüft weitere Maßnahmen.

4 Min
Passagiere am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld

Passagiere am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld

© Olaf Schuelke/imago

Die Staatsanwaltschaft bewertet den Angriff als versuchten Totschlag. Nachdem er von einem Passagier im Flughafen BER attackiert worden war, musste ein Mitarbeiter des Dienstleisters Swissport ins Krankenhaus. Jetzt hat die Flughafengesellschaft FBB reagiert. Die Telefone an den Boarding Gates werden mit Notfalltasten ausgestattet.

„Die neue Funktion dient Ihrem Schutz bei unmittelbaren Notfällen und einer konkreten Gefahr für Leib und Leben.“ Das schrieb das Unternehmen in einer Mitarbeiterinformation, die der Berliner Zeitung vorliegt. Wer eine von zwei bestimmten Tasten am Telefon drückt, löst einen Notfallalarm im Security Operation Center aus, hieß es.

Mit der Direktwahl werde zudem eine Sprechverbindung in die Sicherheitszentrale hergestellt – je nach Wunsch über den Hörer oder über den Lautsprecher. „Wir bitten Sie, die Funktion ausschließlich bei unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben zu nutzen“, so die FBB. Andere Möglichkeiten, mit den Sicherheitskräften der Flughafengesellschaft telefonisch Kontakt aufzunehmen, würden weiterhin bestehen.

Ohne Vorwarnung brutal angegriffen

Wie berichtet hatte sich der Angriff am Abend des 6. September 2026 im neuen Schönefelder Flughafen ereignet. Ein 48 Jahre alter Mitarbeiter von Swissport, der am Gate A34 eingesetzt war, verweigerte zwei Passagieren aus Estland den Zutritt zum Air-Baltic-Flug BT830 nach Tallinn. Sie waren zu spät zum Boarding gekommen, hieß es später.

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Daraufhin begann einer der beiden Männer, ein betrunkener 22-Jähriger, auf den Mitarbeiter einzuschlagen.

Die minutenlange Attacke am Flugsteig begann plötzlich ohne Vorwarnung, berichten Insider. Der Angriff war in dieser Schwere nicht vorhersehbar. Deshalb sei es auch nicht mehr möglich gewesen, den Konflikt mit Worten oder Gesten zu deeskalieren.

Ein Video zeigt den Angriff. „Man sieht, dass der Passagier systematisch auf den Swissport-Mitarbeiter einschlägt. Er weiß offenbar genau, wie sich maximaler Schaden anrichten lässt“, so ein BER-Mitarbeiter. Er habe den Eindruck gewonnen, dass der Angreifer eine Boxer-Ausbildung bekommen haben muss. Sein Begleiter hielt andere Menschen am Gate davon ab, dem Angegriffenen zu helfen.

Steigende Kosten setzen Luftfahrtbranche unter Druck

Die alarmierte Flughafen-Sicherheit und die Bundespolizei konnten die Männer überwältigen. Der Gate-Mitarbeiter wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Jochbeinfraktur und die anderen Knochenbrüche mussten stationär behandelt werden. Ein weiterer Gate-Mitarbeiter der Swissport erlitt ebenfalls Blessuren. Traumalotsen der Berufsgenossenschaft boten den Mitarbeitern später ihre Hilfe an.

Der gewalttätige Angriff löste eine neue Diskussion über die Sicherheit am Flughafen BER aus. Steigende Kerosinkosten und andere Faktoren setzen die Unternehmen im Luftverkehr unter Druck. Die von den Airlines beauftragten Bodendienstleister sähen sich dazu gezwungen zu sparen, sagte Enrico Rümker, Sekretär der Gewerkschaft Verdi.

„Immer mehr Arbeitsplätze werden abgebaut“, berichtete Rümker. Das wirke sich nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Sicherheit aus. Gate-Mitarbeiter sollten die Möglichkeit bekommen, die Bundespolizei direkt verständigen zu können, forderte Verdi.

Seit Januar 2025 rund 190 Berichte über Vorfälle am BER

Aber auch die Stimmung unter den Passagieren habe sich verändert, berichten BER-Mitarbeiter. Viele Maschinen seien fast voll ausgebucht, oft überbucht. Das erzeuge Stress. Fluggäste rasten schon mal aus, wenn sie ihre Reise nicht antreten können. Ärger gebe es auch, wenn mitgebrachtes Handgepäck größer ist als von der Airline zugelassen, oder wenn Fluggäste zu spät zum Flugsteig kommen.

Nach Informationen der Berliner Zeitung haben Swissport-Mitarbeiter am Flughafen BER im vergangenen und in diesem Jahr bislang mehr als 190 interne Berichte über solche Vorfälle geschrieben. Die Fachbegriffe lauten „Unruly Reports“ und „Security-Reports“. In rund 35 Fällen sei ein körperlicher Übergriff gemeldet worden. Fast 90-mal ging es um verbale Angriffe, also etwa um Beleidigungen oder Verleumdungen.

Ein Gate im Flughafen BER: An Flugsteigen kommt es immer wieder zu Konflikten.

Ein Gate im Flughafen BER: An Flugsteigen kommt es immer wieder zu Konflikten.

© Framed/imago

Dem Vernehmen nach wollen die Dienstleister und die Flughafengesellschaft eine gemeinsame Arbeitsgruppe einrichten, um die Sicherheit am BER weiter zu verbessern. Im Gespräch sind unter anderem eine Anpassung der Videoüberwachung, die Umgestaltung der Arbeitsplätze an den Gates sowie weitere Möglichkeiten, damit Mitarbeiter Sicherheitskräfte alarmieren können.

Auch ein hörbarer Alarm, mit dem Mitarbeiter mit einem lauten Ton auf sich aufmerksam machen können, wird offenbar geprüft.

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