Nach dem Erreichen der Champions League muss sich der FC Bayern um die Klärung dringlicher Personalfragen kümmern

Prominente Fragezeichen

Michael Neudecker
4 Min

MÜNCHEN. Man macht das immer so, wenn eine Saison vorüber ist: Man zieht Bilanz, denkt über Gutes und Schlechtes nach, und wendet sich dann aber flugs der Zukunft zu. Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern, hat das auch so gemacht, schon am Samstagabend um kurz nach sechs Uhr und dann noch mal am Sonntagvormittag in der DSF-Sendung "Doppelpass". Und weil in der abgelaufenen Saison beim FC Bayern das Schlechte dem Guten ein wenig die Show gestohlen hat, kam Uli Hoeneß nicht umhin, vor allem über Jürgen Klinsmann zu sprechen.Ja, einen Versuch sei das mit Klinsmann schon wert gewesen, sagte Hoeneß, aber das Verhältnis des Trainers zur Mannschaft habe nicht gestimmt; der Auftritt bei "Gefälligkeitsjournalist" Günther Jauch hat ihn zudem geärgert, Klinsmanns Berater Roland Eitel "hat die Fragen aufgeschrieben und Herr Jauch hat sie vorgelesen, das Spiel kennen wir ja"; und überhaupt, Jauchs Aussage, Klinsmann sei der Barack Obama des deutschen Fußballs: "Dann bin ich Mutter Teresa", sagte Hoeneß. Es war eine ereignisreiche Saison beim FC Bayern, eine aufwühlende Saison.Am Ende aber steht mit dem 2:1 gegen den VfB Stuttgart die direkte Qualifikation für die Champions League, weshalb Hoeneß und seine Vorstandskollegen dann doch die Vergangenheit schnell hinter sich lassen können und sich um die Zukunft kümmern. Die Zukunft des FC Bayern hat viele Fragezeichen.Eines steht schon lange hinter Mario Gomez, dem Stürmer des VfB Stuttgart, es steht da schon so lange, dass Mario Gomez immer wieder dagegenrennt. Auch am Samstag wollten alle von Mario Gomez wieder nur eines wissen: Was ist nun mit dem FC Bayern? Gomez sagte wieder nichts dazu - aber es ist dennoch gut möglich, dass das Fragezeichen schon bald zu einem Ausrufezeichen wird. Uli Hoeneß sagte am Samstag, Gomez sei "ein interessanter Spieler", am Sonntagvormittag erweiterte er seine Aussage: "Heute würde ich sagen, er ist ein sehr interessanter Spieler." Und: "Wir werden nächste Woche Gespräche führen, dann werden wir sehen, was daraus wird. Ich bin da relativ optimistisch." Gomez ist derzeit noch bis 2012 an den VfB gebunden, seine 24 Saisontore erhöhen seinen Marktwert zusätzlich; die Rede ist stets von rund 30 Millionen Euro, die die Bayern für Gomez aufbringen müssten - und könnten, wie Hoeneß bestätigte.Ein weiteres Fragezeichen steht hinter Franck Ribéry: Der Franzose hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den FC Bayern als eine Art Sprungbrett betrachtet. Seine Frau, so wurde zuletzt gemutmaßt, soll bereits in Madrid auf Haussuche sein. Am Samstag verließ Ribéry mit einem riesigen Selbstporträt die Kabine - die Bilder hingen während der Saison über den Spinden, und als man zuerst Luca Toni, dann Lukas Podolski und dann Ribéry mit den Bildern herauskommen sah, beschlich einen schon der Gedanke, nur die Spieler würden ihre Porträts mitnehmen, deren Bilder kommende Saison in München womöglich nicht mehr gebraucht werden. Thesen zum Wechsel oder Verbleib eines Spielers von gemalten Porträts abhängig zu machen, das ginge aber dann doch etwas zu weit. Uli Hoeneß bekräftigte am Sonntag außerdem, der FC Bayern versuche weiterhin, Ribéry zu halten. "Das ist nicht so schwer", findet er, "Ribéry hat noch zwei Jahre Vertrag ohne jegliche Ausstiegsklausel."Dzeko im VisierFranck Ribéry und Mario Gomez, das sind die beiden prominentesten Fragezeichenträger im Umfeld des FC Bayern, aber es gibt natürlich noch zahlreiche weitere, Edin Dzeko zum Beispiel. Den Wolfsburger Stürmer brachte Klubpräsident Franz Beckenbauer persönlich ins Gespräch, über ihn, plauderte Beckenbauer, "wurde schon diskutiert bei uns". Oder Juri Schirkow: Der russische Außenverteidiger von ZSKA Moskau ist weiterhin ein Thema in München.Es wird auch Christian Nerlingers Aufgabe sein, sich mit all diesen Themen zu beschäftigen. Nerlinger wird, das gab der FC Bayern am Samstag bekannt, künftig als sportlicher Leiter die eine Hälfte des Jobs von Uli Hoeneß übernehmen. Die andere, die kaufmännische Seite, wird Hoeneß noch eine Zeit lang selbst ausfüllen, bis auch dafür ein Nachfolger gefunden ist. Christian Nerlinger wird sich Anfang Juni jedenfalls mit dem neuen Trainer Louis van Gaal zusammensetzen; dann wird auch über Hermann Gerland gesprochen, der nach Wunsch des FC Bayern van Gaals Assistent werden soll.Uli Hoeneß selbst wird dann am 12. Juni in Urlaub gehen. Er sagt: "Bis dahin wollen wir die ein oder andere Personalie verkünden." Für den 1. Juli ist schließlich schon der Trainingsauftakt an der Säbener Straße geplant - und zwar möglichst ohne Fragezeichen.------------------------------Foto: Regel Nummer eins: Wer grätscht, verliert. Bayern Münchens Franck Ribéry dreht nach dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart eine Ehrenrunde um das Tor von Jens Lehmann.

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