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1. FC Union Berlin: Eta macht Lustrinelli vor, was Union-DNA ist

Nach dem Fehlstart hat Marie-Louise Eta die Union-Frauen in Liga und Pokal stabilisiert. Bei Mauro Lustrinellis Profis wartet Köpenick darauf noch.

Sebastian Schmitt
Sebastian Schmitt
5 Min
Trainerin Marie-Louise Eta hat mit den Frauen des 1. FC Union Berlin erstmals das Pokal-Viertelfinale erreicht.

Trainerin Marie-Louise Eta hat mit den Frauen des 1. FC Union Berlin erstmals das Pokal-Viertelfinale erreicht.

© IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Tonhäuser

Es läuft die 59. Minute im Hamburger Volksparkstadion, als Marie-Louise Eta an der Seitenlinie drei Spielerinnen zu sich winkt. Die Frauen des 1. FC Union Berlin liegen im Achtelfinale des DFB-Pokals 0:2 zurück, und nichts an diesem Nachmittag deutet darauf hin, dass er in die Vereinsgeschichte eingehen wird.

Eine Stunde später ist genau das geschehen. Nach Verlängerung und in Unterzahl gewinnt Union 4:3 und steht erstmals im Viertelfinale. Wie es dazu kam, sagt viel über die Trainerin, und in dieser Woche auch einiges über ihren Verein.

Union Berlin Frauen im DFB-Pokal: Wie Eta das 0:2 drehte

Den Anfang machen Etas Wechsel, und sie zahlen sich unmittelbar aus. Zwei der Eingewechselten sind an den Toren zum 1:2 und 3:2 beteiligt. Selbst als der HSV in der Nachspielzeit ausgleicht und Kapitänin Samantha Steuerwald in der Verlängerung Gelb-Rot sieht, verliert die Mannschaft nicht den Faden.

Zu zehnt trifft Nele Bauereisen in der 113. Minute zum Sieg. Eta selbst nimmt sich danach zurück: „Es war eine unfassbare Teamleistung, die Mädels haben heute alles auf dem Platz gelassen.“ Von ihren Wechseln spricht sie nicht.

Mauro Lustrinelli und die Suche nach der Union-DNA

Wie weit dieser Nachmittag nach Köpenick hineinreicht, zeigt der Blick auf die Männer. Mauro Lustrinelli war im Sommer mit dem Auftrag gekommen, Union fußballerisch weiterzuentwickeln, mit mehr Mut am Ball und schnellerem Spiel nach vorn.

Nach dem 0:5 im Pokal in Köln, bei dem seine Mannschaft nach der Pause kaum noch Gegenwehr leistete, klingt der Schweizer jedoch auffallend anders. Nun fordert er die alte Union-DNA zurück, jene Kompaktheit, mit der der Klub einst bis in die Champions League kam.

Reformer in der Krise: Mauro Lustrinelli will Union weiterentwickeln und sucht nun die alten eisernen Tugenden.

Reformer in der Krise: Mauro Lustrinelli will Union weiterentwickeln und sucht nun die alten eisernen Tugenden.

© IMAGO/Matthias Koch

„Ich sage es mit Wörtern, aber am Schluss müssen wir es auf den Platz bringen“, sagte er vor dem Liga-Rückspiel gegen denselben Gegner. Eine Halbzeit lang gelang das, dann zog sich Union zurück und ließ das 1:1 zu. Die Passivität sei nicht der Plan gewesen, sagte Lustrinelli hinterher, und reichte die Verantwortung damit an seine Spieler weiter.

Die Alte Försterei blieb nach dem Abpfiff still. Die Worte, die man sich dort gewünscht hätte, waren einen Tag zuvor in Hamburg gefallen. „Wir hatten das richtige Mindset und haben nie aufgegeben“, sagte Bauereisen, und Jella Veit fand, ihr Team habe es am Ende vielleicht ein bisschen mehr gewollt.

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Warum ist Marie-Louise Eta in Köpenick so beliebt?

Dass ausgerechnet Eta diesen Kontrast verkörpert, hat eine Vorgeschichte. Die Zuneigung der Fans reicht zurück in den Mai 2024, an das Ende einer verkorksten Saison, in der erst Urs Fischer und dann Nenad Bjelica gehen mussten. Als Co-Trainerin von Interimscoach Marco Grote rettete Eta den Klub am letzten Spieltag vor dem Abstieg.

Im April 2026 übernahm sie nach der Trennung von Steffen Baumgart die Männer schließlich selbst und sicherte in fünf Spielen den Klassenerhalt. In Mainz gewann sie dabei als erste Frau ein Spiel in einer der fünf großen Ligen Europas.

Zum Abschied folgte ein 4:0 gegen Augsburg mit jenem Offensivfußball, den Köpenick lange vermisst hatte. Spätestens seitdem gehört sie für viele Unioner zur Familie.

Union Berlin Frauen: Vom Fehlstart auf Platz acht

Bei den Frauen, die sie im Sommer übernahm, begann es zunächst holprig. Nach vier Spieltagen der Frauen-Bundesliga stand das Team ohne Punkt da, doch Eta reagierte darauf weder mit Alarm noch mit Schuldzuweisungen, sondern mit Geduld.

Die Ruhe hat sich ausgezahlt. Zehn Punkte aus den folgenden vier Spielen, darunter ein 4:0 in Stuttgart, haben Union auf Platz acht von 14 geführt, mit dem Pokal ist die Mannschaft seit sechs Pflichtspielen ungeschlagen.

Auch Lustrinellis Männer haben in der Bundesliga seit vier Spielen nicht verloren, das Pokal-Debakel in Köln ausgenommen. Auf ein 1:0 gegen Elversberg folgten drei Unentschieden.

Die Bilanz schmeichelt allerdings. Fußballerisch gelang wenig, und jene eisernen Tugenden, die die Frauen in Hamburg zeigten, waren bei den Männern nur beim 0:0 gegen Dortmund zu sehen. Den Weg aus der Krise, den Eta mit ihrer Mannschaft schon gegangen ist, hat Lustrinelli noch vor sich.

Union Berlin am Sonntag: Eta und Lustrinelli an einem Tag

Am Sonntag, 8. November, lässt sich der Vergleich im Abstand weniger Stunden beobachten. Um 14 Uhr empfangen Etas Frauen die TSG Hoffenheim an der Alten Försterei und können mit einem Sieg ins obere Tabellendrittel vorstoßen. Um 17.30 Uhr spielen Lustrinellis Männer beim SC Freiburg, derzeit Dritter der Bundesliga.

Für Lustrinelli muss darin keine Kränkung liegen, eher eine Ermutigung. Die Union-DNA, nach der er sucht, ist nicht verloren gegangen. Sie spielt nur gerade woanders, bei der Frau, die seine Mannschaft vor einem halben Jahr gerettet hat.

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