Nach dem Gewinn des nationalen Meistertitels will sich der EHC Eisbären für die Champions League verstärken

Basteln am neuen Team

Klaus Wolf
4 Min

BERLIN. Das Feiern müssen sie noch lernen. Als die Spieler des EHC Eisbären kurz nach Mitternacht siegestrunken am heimischen Wellblechpalast eintrafen, kam das feucht-fröhliche Programm arg ins Stocken. Ein halbes Fass Bier fand sich irgendwo noch im sogenannten Vip-Raum, auch ein paar Bockwürste wurden warm gemacht - auf eine Meisterfeier war man beim Eishockey-Champion schlicht und ergreifend nicht vorbereitet. Und wer von den etwa 1 500 Fans, die sich spontan am Wellblechpalast eingefunden hatten, auf Freibier hoffte, sah sich enttäuscht - es gab lediglich Musik, obwohl der EHC ja einen Sponsor aus der Brauereibranche besitzt.Schon in Köln, bei der Siegerehrung auf dem Eis, waren die gewohnten Sektfontänen ausgeblieben. "Auch Wasser schmeckt", bemerkte Routinier Stefan Ustorf etwas süffisant. Der Alkoholspiegel soll dann erst in der Diskothek "AM to PM" am Hackeschen Mark gestiegen sein, wohin die Mannschaft per weiblichem Anhang dann in den frühen Morgenstunden umsiedelte.Die Feierlichkeiten werden in dieser Woche auf sicherlich gehobenerem Niveau weitergehen: Am Mittwoch bittet der Hauptsponsor Gasag, am Donnerstag der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zum Empfang, anschließend gibt es einen Autokorso und die Saisonabschluss-Fete am Wellblechpalast.Nicht für alle Eisbären ist damit aber die Saison beendet. Wenn Bundestrainer Uwe Krupp in dieser Woche sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft im Mai bekannt gibt, gehören einige Berliner dazu. Als gesetzt gelten die Stürmer André Rankel und Sven Felski, als weitere Kandidaten Frank Hördler, Jens Baxmann, Tobias Draxinger und Constantin Braun. Ihren WM-Platz sicher hätten eigentlich auch Stefan Ustorf, der sein Comeback im Nationaltrikot geben wollte, und Florian Busch. Doch ob der arg lädierte Knöchel, mit dem der 34-jährige Ustorf die Finalserie durchhielt, auch ein WM-Turnier übersteht, ist sehr fraglich. Und bei Busch ist Krupp inzwischen von seiner Aussage abgerückt, er werde den 23-Jährigen auf jeden Fall nominieren. Denn die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) will das milde Urteil des Deutschen Eishockey-Bundes nicht akzeptieren, hat am Montag die Weltagentur Wada eingeschaltet und will notfalls eine Sperre vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne erwirken. Unter diesen Umständen den Stürmer mitzunehmen, birgt ein ziemliches Risiko.Beendet ist auch noch nicht die Saison für Manager Peter John Lee. Der steckt derzeit in Vertragsgesprächen, um das Meisterteam zu verstärken. Schließlich soll die neue O2World mit attraktivem Eishockey gefüllt werden, zudem gilt es, international in der neuen Champions Hockey League (CHL) zu bestehen. "Keine Frage, wir müssen uns verstärken", sagt Lee. "Sonst haben wir gegen die Klubs aus Russland oder Tschechien keine Chance." Als einziger Neuzugang steht Verteidiger Richie Regehr (Frankfurt/25) fest; als Abgänge gelten Richard Mueller (Hamburg) und Tobias Draxinger (Nürnberg). Einen neuen Jahreskontrakt erhielt Verteidiger Brandon Smith (35). Auch mit Keeper Rob Zepp wurde verlängert - kein Wunder, er belastet nicht mehr das Ausländerkontingent. Der 26-jährige gebürtige Kanadier soll inzwischen einen deutschen Pass erhalten haben, weil seine Mutter und sein Großvater noch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.Bei der CHL-Auslosung am Freitagmittag in Zürich (vier Gruppen a drei Teams) befindet sich illustre Konkurrenz im Topf: Slavia Prag, HC Ceske Budejovice (Tschechien), Kärpät Oulu, Espoo Blues (Finnland), Metallurg Magnitogorsk, Salawat Juljajew Ufa (Russland), HV 71 Jönköping, Linköpings HC (Schweden), Slovan Bratislava (Slowakei) und ZSC Lions Zürich. Der zwölfte Teilnehmer wird in einer Qualifikation zwischen Nürnberg, HC Kosice (Slowakei) und dem SC Bern ermittelt. Mal sehen, ob es für den EHC etwas zu feiern gibt.------------------------------EHC-Abschneiden1990/91: 12. Platz (Abstieg)1991/92: 1. Platz/2. BL (Aufstieg)1992/93: 12. Platz (Playdown)1993/94: 11. Platz (Playdown)1994/95: 17. Platz1995/96: 17. Platz1996/97: Halbfinale (1:3 gg. Kassel)1997/98: Finale (1:3 gg. Mannheim)1998/99: Halbfinale (1:3 gg. Mannheim)1999/00: 13. Platz2000/01: 13. Platz2001/02: Viertelfinale (1:3 gg. Mannheim)2002/03: Halbfinale (1:3 gg. Krefeld)2003/04: Finale (1:3 gg. Frankfurt)2004/05: Meister (3:0 gg. Mannheim)2005/06: Meister (3:0 gg. Düsseldorf)2006/07: 9. Platz (Pre-Play. gg. Frankfurt)2007/08: Meister (3:1 gg. Köln)------------------------------Foto: Das Objekt der Begierde gehört wieder dem EHC Eisbären: Kapitän Steve Walker schwenkt in der Kölnarena die silberne Meistertrophäe.

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