Lettlands Verteidigungsminister Andris Sprūds hat nach Drohnenvorfällen im lettischen Luftraum seinen Rücktritt bekannt gegeben. So wolle er die lettische Armee davor schützen, „in eine politische Kampagne hineingezogen zu werden“, erklärte er in einem Beitrag auf X.
In der Nacht zum 7. Mai gelangten zwei mutmaßlich ukrainische Drohnen aus Richtung Russland in den lettischen Luftraum und stürzten auf lettischem Gebiet ab, wie Reuters berichtet. Eine von ihnen explodierte nach Angaben des öffentlich-rechtlichen lettischen Senders LSM an einem Öllager. Die Tanks waren leer, Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet.
Premierministerin forderte Rücktritt von Sprūds
Die lettische Premierministerin Evika Siliņa forderte am Sonntag auf X den Rücktritt von Sprūds. Dieser habe ihr „Vertrauen und das der Öffentlichkeit verloren“. Der Drohnenvorfall habe gezeigt, „dass die politische Führung des Verteidigungssektors ihr Versprechen, für einen sicheren Luftraum über unserem Land zu sorgen, nicht eingehalten hat“, schrieb Siliņa weiter.
Laut LSM kritisierte die Premierministerin zudem, dass praktische Erfahrungen der Ukraine bei der Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen nach früheren Vorfällen nicht schnell genug umgesetzt worden seien. Sie erklärte, dass sie dem Oberst Raivis Melnis angeboten habe, das Amt des Verteidigungsministers zu übernehmen. Dieser habe zugestimmt.
Sprūds wirft Siliņa „politische Spiele“ vor
Sprūds warf Siliņa vor, ihn nicht über ihre Entscheidung informiert zu haben. Für Montag sei ein Treffen vereinbart gewesen, bei dem die Probleme besprochen werden sollten, sagte er laut LSM. Die Premierministerin spiele „politische Spiele“, schrieb er in einem weiteren X-Beitrag.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf X, es habe sich um ukrainische Drohnen gehandelt, die aufgrund „russischer elektronischer Kriegsführung“ von ihren Zielen in Russland abgelenkt worden seien. Er habe die Bereitschaft seines Landes bekräftigt, „mit den baltischen Staaten und Finnland zusammenzuarbeiten, um solche Vorfälle zu verhindern“.
Estland ebenfalls besorgt über Drohnenvorfälle
Auch die estnische Regierung hatte sich zuvor besorgt über Luftraumverletzungen an den Grenzen der baltischen Staaten durch Drohnen gezeigt. Ukrainische Streitkräfte greifen seit Januar wiederholt russische Ölumschlaganlagen an der Ostseeküste an. Mehrere Drohnen gerieten dabei womöglich infolge russischer Störsignale auf das Gebiet baltischer Staaten und Finnlands, wie der estnischen öffentlich-rechtliche Rundfunk ERR berichtete.
Verteidigungsminister Hanno Pevkur sagte dem Medium zufolge: „Der einfachste Weg für die Ukrainer, ihre Drohnen von unserem Territorium fernzuhalten, wäre sicherlich, ihre Aktivitäten besser zu kontrollieren.“ Zu den möglichen Maßnahmen zählten eine Korrektur der Flugbahn sowie sogenannte Kill-Switches, die eine ferngesteuerte oder automatische Zerstörung abweichender Drohnen ermöglichten, sagte Pevkur.
Außenminister Margus Tsahkna betonte laut ERR das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung, äußerte sich jedoch besorgt über mögliche schwerwiegende Zwischenfälle. Es bestehe die Gefahr, dass Russland ukrainische Drohnen unter Kontrolle bringe und in Richtung baltischer Staaten lenke, wo es auch zivile Opfer geben könnte, sagte Tsahkna.
Russland wirft den baltischen Staaten laut ERR vor, ihren Luftraum für ukrainische Angriffe zur Verfügung zu stellen, was die Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius zurückweisen. Die Ukraine beschuldigt ihrerseits Russland, Drohnen gezielt in baltisches Gebiet umzuleiten.
„Aktivitäten besser kontrollieren“: Estland ermahnt Ukraine nach Drohnen-Vorfällen
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