Als Antonio M. am Abend des 12. Februar in den "Goldenen Anker" in Caputh ging, hatte er seine Koffer schon gepackt. Der Italiener wollte Abschied nehmen von dem kleinen Dorf bei Werder, um nach Berlin zurückzukehren, wo er zuvor gelebt hatte. Es sollte die letzte Nacht seines Lebens werden. Antonio M. wurde zusammengeschlagen und umgebracht. Erst Wochen später entdeckte ein Fischer die Leiche des 37jährigen in der Havel. Für seinen Tod müssen sich seit gestern zwei junge Männer vor dem Landgericht Potsdam verantworten.Andreas M., ein 25 Jahre alter Aushilfsarbeiter aus Geltow, gibt die Tat zu. Auch er sei in der Nacht im Februar im "Goldenen Anker" gewesen, habe mit Freunden gewürfelt und den Schnaps getrunken, den Antonio M. spendierte. Doch der Italiener, den er aus der Pizzeria gekannt habe, wo er gearbeitet hatte, sei ausfällig geworden. Beschimpft haben soll ihn Antonio M. Der Wirt habe schließlich gegen 1.30 Uhr alle hinausgeworfen. Vor der Tür sei Antonio M. mit Holger H. in Streit geraten. Der 18jährige Glaser aus Caputh sitzt mit auf der Anklagebank. Andreas M. belastet ihn schwer. Doch H. will sich an nichts erinnern können. Er habe einen "Filmriß", weil er "stockbetrunken" gewesen sei. So erzählt Andreas M., was in dieser Nacht geschah: "Holger und Antonio haben sich geprügelt. Als Antonio am Boden lag, habe ich zugetreten." Andreas M. trug schwere Arbeitsschuhe mit Stahlkappen. Immer wieder habe er dem Wehrlosen ins Gesicht und den Rücken getreten. Als er sich nicht mehr rührte, habe er mit Holger beschlossen, den Verletzten zur Pizzeria zu bringen und dort liegen zu lassen. An den Armen packten sie ihr Opfer und schleiften es durch die Straßen. Wenn Antonio zu Bewußtsein kam, schrie er um Hilfe. Andreas M. gibt zu, immer wieder auf den Mann eingetreten zu haben. Aus "Frust", wie er sagt, schließlich habe Antonio sie in der Gaststätte angepöbelt. Ausländerfeindliche Motive habe er nicht gehabt, sagt er auf die Fragen des Richters und des Staatsanwalts. Diese ließen das Thema auf sich beruhen. "Ich wollte ihm einfach einen Denkzettel verpassen." Als die beiden Männer mit dem Schwerverletzten an der Havel angekommen seien, so Andreas M. weiter, hätten sie ihn auf die Füße gestellt. Der 37jährige sei zum Ufer gelaufen und in den Fluß gesprungen. Holger sei hinterher und habe ihn herausgezogen. Plötzlich habe Holger ein Messer in der Hand gehabt und versucht, auf Antonio M. einzustechen. "Wir müssen ihn totmachen, sonst verpfeift er uns", habe Holger gesagt. Andreas H. gesteht, daß er weiter auf Antonio eintrat, bis der "keinen Ton mehr von sich gab". H. habe den Bewußtlosen dann ins tiefe Wasser gezogen. Die beiden drehten sich nochmal um, um zu kontrollieren, ob Antonio nicht noch einmal auftaucht. Doch er war untergegangen.Niemandem fiel das Verschwinden des Italieners auf. Schließlich hatte der nach Berlin ziehen wollen. Die Polizei ermittelte lediglich wegen der Schlägerei in jener Nacht. Der Wirt hatte Anzeige erstattet. Als die Beamten auch Andreas M. befragten, gestand der die Tat und führte sie zu Holger H. Ob der tatsächlich so betrunken war, wie er angibt, soll ein Gutachter klären. H. drohen bis zu zehn Jahre Jugendstrafe. Andreas M. hingegen muß, da er als erwachsen gilt, mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Das Urteil soll am 3. November gefällt werden.
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