Spitzbergen

Nach Festsetzung in der Arktis: Naftogaz fordert Zwangsverkauf von russischem Schiff

Der ukrainische Energiekonzern will die auf Spitzbergen festgesetzte „Professor Moltschanow“ versteigern lassen. Russland erhält jedoch zunächst Gelegenheit, gegen die Beschlagnahme vorzugehen.

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Norwegische Behörden setzten die „Professor Moltschanow“ am Mittwoch fest.

Norwegische Behörden setzten die „Professor Moltschanow“ am Mittwoch fest.

© Sergei Malgavko/Tass/imago

Der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz hat den Zwangsverkauf eines in Norwegen beschlagnahmten russischen Schiffes beantragt. Mit dem Erlös aus einer Versteigerung der „Professor Moltschanow“ sollen Forderungen gegen Russland beglichen werden, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht, die AFP und der norwegischen Zeitung Aftenposten vorliegen.

Das Bezirksgericht Nord-Troms und Senja schob den Verkauf jedoch zunächst auf. Russland müsse die Möglichkeit erhalten, die Beschlagnahme und deren Vollstreckung anzufechten. Bis zu einer weiteren Entscheidung darf das Schiff den Hafen von Barentsburg auf Spitzbergen nicht verlassen.

Naftogaz fordert 4,22 Milliarden

Russland war vor der Festsetzung nicht über den Antrag informiert worden. Naftogaz hatte dem Gericht zufolge argumentiert, Moskau könne das Schiff andernfalls aus norwegischen Gewässern bringen und damit eine Beschlagnahme verhindern. Norwegische Behörden setzten die „Professor Moltschanow“ daraufhin am Mittwoch auf Grundlage eines Gerichtsbeschlusses fest.

Naftogaz fordert von Russland 4,22 Milliarden US-Dollar – umgerechnet rund 3,63 Milliarden Euro – zuzüglich Zinsen und Rechtskosten. Ein Schiedsgericht in Den Haag hatte dem Konzern im Jahr 2023 eine Entschädigung für Vermögenswerte zugesprochen, die Russland nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 beschlagnahmt hatte. Der Schiedsspruch wurde inzwischen in Norwegen für vollstreckbar erklärt.

Nach Angaben einer Anwältin der von Naftogaz beauftragten Kanzlei Covington beläuft sich die Forderung einschließlich Zinsen und Kosten mittlerweile auf etwa sechs Milliarden Dollar. Der Wert des Schiffes deckt davon allerdings nur einen kleinen Teil. Vor einer Versteigerung müsse Naftogaz einen weiteren Rechtsstreit gewinnen, sagte die Anwältin der Nachrichtenagentur Reuters.

Russland spricht von Blockade

Das russische Außenministerium forderte derweil die sofortige Freigabe des Schiffes und warf Norwegen am Freitag eine faktische Blockade der russischen Aktivitäten auf Spitzbergen vor. Die Beschlagnahme verstoße gegen das Völkerrecht, erklärte das Ministerium laut Aftenposten auf Telegram.

Die „Professor Moltschanow“ transportiere Forscher, Beschäftigte und notwendige Güter nach Barentsburg, hieß es aus Moskau. Die russische Botschaft bezeichnete das Schiff als einzige Versorgungsmöglichkeit für die russischen Siedlungen auf dem Archipel. Nach norwegischen und ukrainischen Angaben wird das staatseigene Forschungsschiff zugleich für kommerzielle Expeditionskreuzfahrten eingesetzt.

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