Der aus dem offenen Vollzug in Berlin geflohene Windkraftbetrüger Hendrik Holt ist in Dubai festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte die Festnahme am Mittwoch gegenüber dem NDR und der Welt. Demnach wurde der 36-Jährige bereits am Dienstag, 22. September, in dem Emirat gefasst.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die Festnahme das Ergebnis einer gemeinsamen Fahndung der Behörde und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück. Nach Holt war seit mehreren Wochen international gesucht worden. Weitere Einzelheiten zu den Umständen des Zugriffs wurden zunächst nicht bekannt.
Hendrik Holt kehrte von Ausgang in Berlin nicht zurück
Holt war am 25. August aus dem offenen Vollzug verschwunden. Er hatte am Morgen die Haftanstalt für einen genehmigten, unbegleiteten Ausgang verlassen und kehrte nicht zurück. Zuvor hatte er bereits mehr als 500 Mal Freigang gehabt.
Einen Tag später ging bei der Justiz ein Schreiben ein, wonach Holt Deutschland verlassen habe und nicht in die Berliner Haftanstalt zurückkehren werde. Daraufhin wurde mit einem Europäischen Haftbefehl weltweit nach ihm gefahndet.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein Instagram-Account, hinter dem offenbar Holt steckte. Dort erschienen nach seinem Verschwinden „Liebesgrüße aus Moskau“. Ob sich Holt tatsächlich in Russland aufgehalten hatte, konnten die Ermittler damals nicht bestätigen. Seine Spur führte nun jedenfalls nach Dubai.
Hendrik Holt links und sein und sein Verteidiger Maximilian Pancic warten am 07. März 2023 auf die Aussage von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
© David Ebener/imago
Millionenbetrug mit erfundenen Windparks
Holt war bereits 2020 im Berliner Hotel Adlon festgenommen worden. Gemeinsam mit Familienmitgliedern hatte er internationalen Energiekonzernen Windparkprojekte angeboten, die teilweise frei erfunden waren. Mit gefälschten Unterlagen und Dokumenten verlangten die Beteiligten dafür Millionenbeträge.
2022 wurde Holt vor dem Landgericht Osnabrück in mehreren Verfahren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von rund neun Jahren verurteilt. Dabei ging es unter anderem um bandenmäßigen Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung. Nach Angaben des NDR hatte Holt zudem ausländische Diplomaten bestochen, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger abzuschirmen. Der Fall beschäftigt die Justiz auch finanziell weiter. Im laufenden Kriminalinsolvenzverfahren gegen Holt haben Gläubiger inzwischen Forderungen von mehr als 40 Millionen Euro angemeldet.
Wann und unter welchen Bedingungen Holt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Deutschland zurückgebracht werden könnte, war zunächst offen.
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