Fünf Tage lang drehte sich in Berlin alles um Mode, das Spektrum reichte von Jeans und Streetwear auf der Messe Bread & Butter im Flughafen Tempelhof über Ökomode und Dessous in kleinen Showrooms bis hin zur Haute Couture auf dem Laufsteg am Bebelplatz. Mit 22 000 Besuchern kamen so viele wie noch nie zu den Modenschauen. Ein Rückblick von A bis Z.----A wie AccessoiresDas Berliner Label Starstyling, das mit einer sehr originellen Show am Sonnabend seine Premiere auf dem Catwalk feierte, hat auf viele seiner Kreationen Klettbänder aufgenäht, auf die man Accessoires wie Schulterpolster, Brokatbroschen, Taschen oder Klunker einfach aufkletten kann. Danach zeigte Schmuckdesignerin Sabrina Dehoff überlange Ohrringe mit pastellfarbigen Federn sowie große, aus Metall ausgestanzte und mit glitzernden Steinen verzierte Flamingos und Seerosen, die an dicken Kordeln um den Hals getragen werden.B wie Bread & Butter"Es war sensationell", sagte Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller über seine nach Berlin zurückgekehrte Messe, ohne genaue Besucherzahlen zu nennen. Dank der Bread & Butter waren mehr und internationalere Fachbesucher in der Stadt als zuvor. Müller kündigte an, die nächste Bread & Butter solle vom 20. bis zum 22. Januar stattfinden. Ob die anderen Veranstalter diesem Termin folgen, ist noch offen, aber sehr wahrscheinlich.C wie CoutureDas Meiste, was auf dem Laufsteg gezeigt wurde, war sehr tragbar. Eine Ausnahme bildeten die Couture-Roben, die Scherer Gonzalez präsentierte: Die waren so ausladend, dass die Models kaum ohne Hilfe wenden konnten.D wie Designer34 Labels präsentierten sich auf der Fashion Week, 14 davon aus Berlin. Einige Designer schauten sich auch an, was die Konkurrenz so macht: Guido Maria Kretschmer besuchte die Show von Scherer Gonzalez, Wolfgang Joop war wie Joop!-Chefdesigner Dirk Schönberger zu Gast bei Michalsky.E wie elegantAuf Berliner Straßen mag es schluffig zugehen, die Mode der Nachwuchsdesigner hat damit nichts zu tun. Ob Scherer Gonzalez, Frida Weyer, die mit romantischen Kleidern begeisterte, oder Penkov: Alle verwenden edle Materialien und zeigten Elegantes.F wie Front RowDie meisten Promis saßen mal wieder bei Boss in der ersten Reihe: Sienna Miller, Jade Jagger und Adrien Brody sorgten für Hollywood-Glanz, Nora Tschirner, Jessica Schwarz und Jana Pallaske repräsentierten die deutsche Schauspiel-Riege, auch Klaus Wowereit war da. Bei Guido Maria Kretschmer war die Front Row mit Anna Thalbach, Detlev Buck, Simone Thomalla, Stefan und Claudia Effenberg sowie Thomas Hermanns am applausfreudigsten. Boris und Lilly Becker beehrten Kaviar Gauche. Der wichtigste Gast in der ersten Reihe war allerdings Suzy Menkes (siehe S).G wie Goody BagTüten mit kleinen Präsenten - fast immer von den Sponsoren der Designer - gibt's entweder für die Gäste der ersten Reihen oder für alle beim Verlassen der After Show Party. Sehr unfein: Gäste hinterer Reihen, die schamlos die Taschen klauten und dann jammerten, sie hätten so viel zu schleppen. Am praktischsten: Blasenpflaster in der Tasche, die's für alle akkreditierten Journalisten der Fashion Week gab.H wie HochwasserhoseWarum Michalsky Männer immer wieder mit über dem Knöchel endenden Hosen auf den Laufsteg schickt, bleibt sein Geheimnis, ist aber immer kontrovers diskutiertes Thema bei der Party nach der Show.I wie Inszenierung25 Designer nutzten den Laufsteg am Bebelplatz. Marken wie Hugo Boss und Michalsky inszenieren ihre Kollektion dagegen immer an besonderen Orten. Boss zeigte die Casual-Linie Boss Orange zwischen Containern und Holzkisten in den Rathenauhallen, Michalsky lud in den Friedrichstadtpalast, vor einer Kulisse, die von der aktuellen Wirtschaftskrise und dem Börsenkrach der 20er-Jahre inspiriert war - mit Wasserbecken, crashenden Flugzeugen und Aktien auf dem Boden.J wie JacksonDer Tod von Michael Jackson ging auch an der Fashion Week nicht spurlos vorbei. Das Berliner Label Sisi Wasabi schickte als erstes Model Luca Gadjus mit schwarzer Perücke, blass geschminktem Gesicht und großer Sonnenbrille auf den Catwalk - als Hommage an den verstorbenen Sänger. Bei Starstyling gab es dann T-Shirts mit der Aufschrift "Forever, Michael" zu sehen.K wie KerleZum Leidwesen vieler Besucherinnen sind auf den Laufstegen oft nur Bubis zu sehen, keine echten Kerle. Bei der Show von Gant war das anders: Da begeisterten grauhaarige Männer, deren Waschbrettbäuche heftig beklatscht wurden.L wie LaufstegDen ungewöhnlichsten Laufsteg hatte zweifelsohne Sisi Wasabi: Die Models liefen über das gläserne Dach des Ballsaals im Hotel de Rome. Man konnte ihnen unter den Rock gucken oder die Übertragung auf der Saal-Leinwand anschauen.M wie MusikDie detailverliebten Entwürfe von Kilian Kerner wurden ebenso wie die farbenfrohen Kreationen von Smeilinener zu Musik von live spielenden Bands gezeigt.N wie NormalsterblicheDie Schauen auf dem Bebelplatz sowie sämtliche Messen sind Fachbesuchern vorbehalten. Aber so viel Mode für Normalsterbliche wie dieses Mal gab's noch nie: Die Showroommeile, das Festival Wedding Dress, öffentliche Modenschauen im Umspannwerk Kreuzberg und Publikumstage bei den Ökomessen Green Showroom und Thekey.to.O wie OverallsOb von Lala Berlin, Smeilinener, Gant oder Custo Barcelona: Der Overall wird nächsten Sommer groß in Mode sein: Mal weit und flatternd, mal figurbetont mit Gürtel.P wie PanneBei der Show von Michalsky verlor ein Model einen hochhackigen goldenen Pumps. Den anderen zog sie einfach aus und marschierte barfuß weiter. Bis zum Ende der Show lag nun der verlorene Schuh mitten auf dem Catwalk und alle Zuschauer fragten sich, ob sich jemand bückt und ihn aufhebt oder ob gleich ein Model darüber stolpern wird. Am Ende hob dann Designer Michael Michalsky den goldenen Schuh auf.Q wie QuerbinderSo nennt man im Fachjargon die Halsschleife. Bei Michalsky trugen Männer Fliegen aus der Berliner Manufaktur Edsor Kronen.R wie ReißverschlussReißverschlüsse sind nicht nur dazu da, Hosen und Kleider zu schließen, bei Sisi Wasabi und Lala Berlin sind sie auch dekoratives Element: An Kleidern dienen sie in Bahnen verlegt als Hingucker.S wie Suzy MenkesDrei Tage lang besuchte die Frau mit der Tolle von der International Herald Tribune, eine der einflussreichsten Modekritikerinnen, die Fashion Week. Sie schaute sich Schauen von Berliner Designern an und gratulierte Leyla Piedayesh von Lala Berlin zu ihren Strickkreationen. Wenn das kein Ritterschlag ist.T wie TopmodelSara Nuru, kürzlich von Heidi Klum zum vierten Germany's next Topmodel gekürt, war so gut gebucht wie noch keine ihrer Vorgängerinnen. Sie lief bei fünf Shows mit, zuletzt präsentierte sie am Sonnabend eine spektakuläre Couture-Robe von Scherer Gonzalez - und machte darin eine super Figur.U wie Underground CatwalkDie abgefahrenste Modenschau war der Underground Catwalk in einem U-Bahn-Sonderzug, bei dem Models Rock'n'Roll-, Gothic- sowie Lack- und Ledermode zeigten.V wie vollBei der Show von Lala Berlin war der Andrang so groß, dass dutzende Gäste trotz Eintrittskarte nicht mehr in die Show reinkamen.W wie Wedding DressSo heißt das Modefestival auf der Brunnenstraße, bei dem sich jeder mit Designermode eindecken konnte und wo Street-Styles gezeigt wurden. Junge Brautmode, die nach der Hochzeit nicht im Schrank verschwinden muss, gab's bei Kaviar Gauche zu Rammsteins "Heirate mich" auf dem Bebelplatz zu sehen.X wie XLGanz sicher nicht die Kleidergröße der Models, die über den Catwalk liefen. Extrem mager waren sie meistens allerdings nicht.Y wie YoungstersDer Nachwuchsaward "Designer for Tomorrow" begeisterte am Freitagnachmittag viele Moderedakteurinnen. Für Melissa Drier von der Women's Wear Daily, war die Show des Gewinners Sam Frenzel das Highlight der gesamten Modewoche. Der 29-Jährige studiert noch Modedesign an der HTW.Z wie ZeltZum dritten Mal stand das Laufsteg-Zelt auf dem Bebelplatz, allerdings war es aus finanziellen Gründen (ausgerechnet ein Sekthersteller ist als Sponsor abgesprungen) etwas kleiner als sonst. Gemerkt hat's so gut wie keiner.------------------------------Foto (3): Die Entwürfe von Smeilinener waren sehr bunt, Scherer Gonzalez bezauberten mit ihren Couture-Kleidern, hier getragen von Sara Nuru, und Guido Maria Kretschmer schickte seine Models in rauschenden Roben auf den Catwalk (v. l.).Foto: Gut gebaute Jungs zeigten Michalsky-Entwürfe.Foto (4): Kaviar Gauche zeigte moderne Brautmode, das schwäbische Unternehmen Boss kleidete Männer in Pastell, Starstyling glänzte mit originellen Details und beim Underground-Catwalk gab's nackte Haut in der U-Bahn (v. l.).
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