Ehemalige Mitarbeiter der von Tech-Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk aufgebauten US-Sparbehörde DOGE haben für neu gegründete oder mitfinanzierte Unternehmen mindestens 500 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingeworben. Das berichtet die Washington Post in einer am Montag veröffentlichten Recherche.
Demnach haben rund zwei Dutzend ehemalige DOGE-Kräfte ihre Zeit in Washington in Gründungen, Chefposten oder Beteiligungen umgemünzt. Mindestens sechs von ihnen sind laut der Zeitung bereits auf dem US-Vergabeportal Sam.gov als mögliche Auftragnehmer der Regierung registriert.
Vom Sparauftrag zum Geschäftsmodell
DOGE war Anfang 2025 unter US-Präsident Donald Trump als „Department of Government Efficiency“ eingerichtet worden. Musk, der Trump im Wahlkampf mit dreistelligen Millionensummen unterstützt hatte, kündigte an, die Bundesausgaben um zwei Billionen Dollar zu senken.
Dieses Ziel wurde laut Washington Post deutlich verfehlt. Dennoch gelte Erfahrung bei DOGE in Teilen der Investorenszene inzwischen als wertvolles Gütesiegel, so die Zeitung.
Milliardenbewertung für Cybersicherheitsfirma
Zu den größten Gründungen zählt das auf Künstliche Intelligenz gestützte Cybersicherheitsunternehmen Cathedral. Es wurde von den früheren DOGE-Mitarbeitern Gavin Kliger und Luke Farritor gegründet und wird nach Angaben der Washington Post von Investoren mit 1,4 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Firma wolle neben Unternehmenskunden auch das US-Verteidigungsministerium beliefern, berichtete eine mit den Geschäften vertraute Person der Zeitung.
Kliger war bis April 2026 selbst Chef-Datenbeauftragter des Pentagons und begann laut Zeitung im Mai mit dem Einwerben von Investorengeldern. Eine Pentagon-Vorschrift aus dem Jahr 2020 untersagt leitenden Mitarbeitern das Einwerben von Regierungsaufträgen für bis zu zwei Jahre nach dem Ausscheiden. Cathedral äußerte sich laut Washington Post nicht, auch das Pentagon antwortete nicht auf eine Anfrage.
Prominente Investoren für KI-Plattform
Ein weiteres Beispiel ist das Start-up Special, gegründet von den früheren DOGE-Mitarbeitern Nate Cavanaugh und Justin Fox. Nach einer Mitteilung der Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, die zu den Geldgebern zählt, sollen mit einer eigenen KI-Plattform namens SpecialOS Dienstleistungsbranchen umgebaut werden, zuerst in der Altenpflege unter der Marke Figure Health. Die Gründer schreiben, sie wollten „den Geist unserer Arbeit bei DOGE in den Privatsektor“ tragen.
Zu den Investoren gehören laut Andreessen Horowitz auch frühere DOGE-Kollegen wie Steve Davis und Antonio Gracias sowie Brian Armstrong, Chef der Kryptobörse Coinbase, und Shyam Sankar, Manager beim Daten- und Softwarekonzern Palantir, der eng mit US-Sicherheitsbehörden zusammenarbeitet.
Netzwerk mit kurzen Wegen zum Staatsauftrag
Nach Darstellung der Washington Post entsteht ein zunehmend verflochtenes Netzwerk ehemaliger DOGE-Leute, die sich gegenseitig finanzieren.
Die ebenfalls von früheren DOGE-Mitarbeitern Adam Ramada und Brooks Morgan gegründete Wagniskapitalgesellschaft Banner VC habe nach Angaben der Datenbank Crunchbase bislang knapp 300 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das Unternehmen Blitz Industries des früheren DOGE-Mitarbeiters Ethan Shaotran sei für Regierungsaufträge auf Sam.gov registriert.
Kurssprünge nach dem Chefwechsel
Auch Wechsel in bestehende Firmen zeigen Wirkung: Nachdem der frühere DOGE-Mitarbeiter Stephen Ehikian im September 2025 Chef des KI-Softwareunternehmens C3 AI wurde, stieg der Aktienkurs laut Washington Post in den folgenden Wochen um rund 20 Prozent. Im Dezember erhielt die Firma einen Auftrag des US-Gesundheitsministeriums.
Tyler Hassen, ebenfalls DOGE-Veteran, übernahm im Juni die Leitung eines Reinigungsmittelherstellers, der inzwischen unter dem Namen Zone Frontier auf Rechenzentren setzt und eine Börsenplatzierung über 100 Millionen US-Dollar angekündigt hat.
Norm Eisen, früherer Anwalt für Ethikfragen im Weißen Haus unter Barack Obama, sagte der Washington Post, die Höhe der eingeworbenen Mittel übertreffe alles, was er bislang beim Übergang von Regierungsmitarbeitern in die Privatwirtschaft gesehen habe.
Jeff Hauser vom Revolving Door Project, einer gemeinnützigen Beobachtungsorganisation, verwies auf die Verbindung aus Silicon-Valley-Wissen und Behördenkontakten als Grund für das große Investoreninteresse.
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