Rußlands Rüstungsindustrie erobert verlorene Positionen zurück: Im Verlaufe des letzten Jahres hat Moskau seine Waffenexporte um rund sechzig Prozent gesteigert. 1994 hatte das Land noch für 1,6 Milliarden Dollar Rüstungsgüter ins Ausland verkauft, 1995 waren es über 2,5 Milliarden Dollar. Für die nächste Zukunft muß mit noch größeren Steigerungsraten gerechnet werden, nach Angaben der zuständigen Außenhandelsfirma Roswoorushenije liegen bereits Vertragsabschlüsse für 6,5 Milliarden Dollar vor.Die frühere UdSSR hatte zuletzt Rüstungsgüter für etwa 14 Milliarden Dollar jährlich ausgeführt, was international - nach den USA - Rang zwei unter den Waffenexporteuren bedeutete. Ein Großteil der traditionellen sowjetischen Märkte wurde nach dem Zusammenbruch der Union im Jahre 1991 jedoch von westlichen Rüstungslieferanten besetzt. Bei diesem Verdrängungskampf taten sich insbesondere deutsche Unternehmen hervor, zudem trat der deutsche Staat als Waffengroßhändler auf: Rüstungsgüter aus den Beständen der NVA gingen in verschiedendste Regionen der Welt. 1994 wurde Deutschland mit einem Exportvolumen von rund 1,9 Milliarden Dollar schließlich sogar zum zweitgrößten Waffenverkäufer der Welt.Auf diese Position ist nunmehr Moskau zurückgekehrt, auch wenn der Handelsumfang noch deutlich niedriger ist als zu Sowjetzeiten. In Rechnung zu stellen ist dabei, daß wichtige Rüstungsbetriebe der alten Sowjetunion außerhalb des heutigen Rußland liegen, in der Ukraine etwa und in Belorußland.Alles deutet darauf hin, daß sich die Lage der russischen Rüstungsindustrie insgesamt stabilisiert hat. Dem zuständigen Moskauer Parlamentsausschuß - in der Vergangenheit immer wieder ein Ort des Wehklagens über den Niedergang der heimischen Waffenproduktion - liegt derzeit ein entsprechender Expertenbericht vor. Rußland, so heißt es darin, sei es gelungen, den Sektor Militärtechnik weiter zu ordnen. Die jüngsten Exporterfolge werden in diesem Zusammenhang ausdrücklich als Ergebnis einer übergreifenden Konsolidierung der Handelsbeziehungen gewertet.Entscheidendes Zielgebiet für die russischen Waffenexporte ist eindeutig Asien. Der Anteil der Region an den Welt-Rüstungsimport beträgt derzeit 35 Prozent. 1995 lieferte Moskau 20 Mig-Kampfjets an Malaysia und zehn nach Indien. Sechs SU-27-Kampfbomber erhielt Vietnam. Mit Birma, Indien und Usbekistan laufen Verhandlungen über die Lieferung von Kampfflugzeugen. Experten rechnen mit einem Gesamt-"Bedarf" von 1 500 Maschinen allein im Südosten des asiatischen Kontinents. In Thailand, Indonesien und auf den Phillippinen werden russische Kampfjets als mögliche Alternative zu US-Flugzeugen betrachtet.Von besonderer Bedeutung für das russische Comeback auf dem internationalen Waffenmarkt ist jedoch China. Im Sommer 1995 unterzeichneten die Präsidenten beider Länder einen Vertrag über umfangreiche Rüstungskooperation. Peking hat sein Militärbudget seit Ende der achtziger Jahre fast verdoppelt. Erst vor wenigen Tagen bestätigte Moskau eine umfangreiche Lieferung von SU-27-Flugzeugen an den einstigen Feind im Osten. Außerdem verkaufte Rußland eine Lizenz zum Bau dieser Maschinen mit einem Schätzwert von rund zwei Milliarden Dollar. +++
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]