Ursprünglich wollte Wiedenhöfer ausschließlich Fotos der israelischen Mauer zeigen. Von 2003 bis 2006 war er durch Israel gereist. Für seine Bilder wurde er unter anderem mit dem World Press Award ausgezeichnet, sie sind auch als Bildband erschienen (Steidl-Verlag, Göttingen 2007). Die Fotos zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie sehr der bis zu neun Meter hohe Wall, der zum Schutz vor palästinensischen Terrorangriffen quer durch Israel errichtet wird, das Leben der Palästinenser erschwert.Doch dieses Ursprungs-Projekt erntete von vielen Seiten Kritik. Rainer Klemke, der in der Senatskanzlei für das Berliner Mauer-Gedenkkonzept verantwortlich ist, sagte: "Gerade wegen der Ähnlichkeit der Betonteile besteht die Gefahr der Gleichsetzung beider Mauern." Während die DDR-Mauer aber hauptsächlich gegen die eigene Bevölkerung gerichtet gewesen sei, sei die in Israel Instrument einer demokratisch gewählten Regierung. Alltag in Israel seien aber auch Raketen, die von Palästinensern ins Land geschossen würden. Klemke: "Haben wir das Recht, zum 60. Jahrestag des Staates Israel ein solches Kunstprojekt zu zeigen?". Andere Kritiker sprachen gar von Sensationshascherei und Agitprop-Kunst. In Friedrichshain-Kreuzberg fürchteten zudem viele, dass Fotos einer Grenzanlage, die vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als völkerrechtswidrig kritisiert wird, Antisemiten anlocken könnten. Alle Parteien lehnten das Ursprungs-Konzept für "Wall on Wall" ab.Um sein Projekt zu retten, hat es Wiedenhöfer jetzt also auf weitere Grenzwälle erweitert. "Ich habe einen Kompromiss angeboten und hoffe, dass damit alle leben können", sagte er gestern. Auch Berlins ehemalige Kultursenatorin und Kuratorin des Projekts, Adrienne Göhler, will die Ausstellung nicht gefährden: "Mauern, egal wo sie stehen, sind steingewordener Ausdruck von Ohnmacht, das wollen wir zeigen", sagte sie. Parallel zu den Fotos sollen Begleitveranstaltungen stattfinden. Ob diese allerdings von der Mehrheit der Besucher an der East Side Gallery wahrgenommen werden, darf bezweifelt werden: Die meisten kommen mit dem Bus, machen ihre Fotos und verschwinden. Eine offene Frage ist, wo genau die Fotos hängen sollen. Kani Alavi, der jene Künstler vertritt, die die einstige DDR-Hinterlandmauer erst zur East Side Gallery gemacht haben, hat genaue Vorstellungen: "Möglich wäre das nur an der Rückseite der Mauer, also zur Spree." Dort wird aber demnächst ein Park gebaut. Keine leichte Entscheidung also für das Bezirksamt. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne): "Technisch wäre es machbar, mit dem Kompromiss-Vorschlag ist viel vom Konflikt weggenommen."------------------------------Foto: Kai Wiedenhöfer fotografiert Grenz-Mauern in aller Welt.Foto: Fotos wie dieses sollen an der East Side Gallery gezeigt werden: Zu sehen ist, wie die israelische Mauer die Stadt Baqa im Westjordangebiet teilt.
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