Chinas Staatschef Xi Jinping hat dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva Unterstützung bei der Wahrung der Souveränität Brasiliens und im Widerstand gegen Einmischung von außen zugesichert. Das meldete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Montag unter Berufung auf ein Telefonat der beiden Präsidenten in der Nacht zum Montag.
China respektiere Brasiliens internationale Rolle und werde das Land dabei unterstützen, sich äußerer Einmischung zu widersetzen und zu regionaler wie globaler Stabilität beizutragen, wurde Xi von Xinhua zitiert. Beide Länder als wichtige Vertreter des Globalen Südens sollten laut Xi eine größere Rolle bei der Reform der internationalen Ordnung übernehmen.
Nach Angaben des brasilianischen Präsidialamts verständigten sich beide Staatschefs zudem darauf, die Verhandlungen über ein Abkommen zwischen dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur und China zu beschleunigen und die Zusammenarbeit in Bereichen wie künstlicher Intelligenz, Satellitentechnik, der Verarbeitung kritischer Mineralien und dem Düngemittelhandel zu vertiefen.
Lula: US-Zölle sind ein „strategischer Fehler“
Das Telefonat fand vor dem Hintergrund neuer US-Zölle auf brasilianische Produkte statt. In einem am Sonntag in der Washington Post veröffentlichten Beitrag bezeichnete Lula die von US-Präsident Donald Trump verhängten Aufschläge von 12,5 bis 37,5 Prozent als strategischen Fehler, der der US-Wirtschaft ebenso schade wie der Partnerschaft beider Länder.
Die USA verzeichneten seit 15 Jahren einen Überschuss von insgesamt 428 Milliarden US-Dollar im bilateralen Handel mit Brasilien. Mehrere US-Industriezweige seien auf brasilianische Vorprodukte angewiesen. Erzeugnisse wie Lebensmittel, Schuhe, Textilien, Möbel und Autoteile würden für US-Verbraucher aufgrund höherer Zölle teurer.
Brasiliens Exporte in die USA seien auf den niedrigsten Stand seit 1997 gefallen, während der Handel mit der EU im ersten Halbjahr 2026 um 6,1 Prozent und mit China um 15,9 Prozent gewachsen sei.
Lula weist Trumps Vorwürfe zurück
Lula verwies darauf, dass Trumps erstes Schreiben zur Verhängung von Zöllen im Vorjahr auf Ex-Präsident Jair Bolsonaro Bezug genommen habe, der wegen eines Umsturzversuchs zu Gefängnis verurteilt wurde und derzeit unter Hausarrest steht. Damit sei der politische Hintergrund der Maßnahme offen zutage getreten.
Trotz dutzender Gespräche und sachlicher Argumente habe die US-Regierung neue Zölle verhängt. Trumps Vorwürfe gegen Brasilien seien unbegründet, schreibt Lula: Meinungsfreiheit sei „kein Freibrief für kriminelle Aktivitäten“ auf sozialen Plattformen, das brasilianische Zahlungssystem Pix diskriminiere keine US-Unternehmen, und Brasilien bekämpfe Umweltverbrechen und Abholzung entschieden.
Xi und Lula vertiefen Partnerschaft – Rekordhandel zwischen China und Brasilien
Wirtschaftskraft statt Samba: Europa ist in der multipolaren Welt auf Brasilien angewiesen
Lateinamerika und die Karibik bräuchten „weder Flugzeugträger, die in ihren Gewässer patrouillieren, noch Strafzölle“, sondern verlässliche Partner, so Lula. Die Aufteilung der Welt in Einflusssphären und „neokoloniale Vorstöße“ zur Sicherung strategischer Rohstoffe seien aus der Zeit gefallen.
Nie zuvor habe ein US-Außenminister erklärt, Brasilien sei kein Freund der USA. „Niemand wird uns mit Lügen besiegen“, so Lula. Brasilien sei zu einem offenen Dialog bereit, sein Schicksal bestimmten aber allein die Brasilianer.
Sorge über Konflikte und UN-Sicherheitsrat
Lula und Xi äußerten sich in ihrem Telefonat laut Präsidialamt zudem besorgt über die Zunahme internationaler Konflikte und deren Folgen für die weltweite Nahrungsmittel- und Energieversorgung. Sie verwiesen auf die Einschränkungen der Schifffahrt in den Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab und bedauerten die humanitäre Lage im Gazastreifen.
Beide kritisierten, dass der UN-Sicherheitsrat auf internationale Krisen unzureichend reagiere, und hoben die Rolle der 2024 von Brasilien und China initiierten „Gruppe der Freunde des Friedens“ für eine politische Lösung im Ukraine-Krieg hervor.
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