Indien

Nach Massenfestnahmen: Indiens „Kakerlaken“-Bewegung ruft zu neuen Protesten auf

Drei führende Köpfe der indischen Jugendbewegung sind wieder frei. Doch der Streit um gestrichene Wählereinträge treibt ihre Anhänger weiter auf die Straße.

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Eine Anhängerin der „Kakerlaken-Bewegung“. Sie fordert wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten in den Wählerverzeichnissen den Rücktritt von Wahlkommissionschef Gyanesh Kumar.

Eine Anhängerin der „Kakerlaken-Bewegung“. Sie fordert wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten in den Wählerverzeichnissen den Rücktritt von Wahlkommissionschef Gyanesh Kumar.

© Idrees Mohammed/AFP

Die Behörden in Indien haben drei führende Mitglieder der Jugendbewegung Cockroach Janta Party (CJP) nach rund einem Tag in Gewahrsam freigelassen. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf die Anwältin Ratna Singh berichtete, ordnete ein zuständiger Magistrat die Freilassung von Gründer Abhijeet Dipke und zwei Mitstreitern an. Die Bewegung rief zugleich zu weiteren Protesten gegen den Chef der indischen Wahlkommission auf.

Dipke, Ashutosh Ranka und Saurav Das waren am Samstag nach ihrer Ankunft aus Mumbai am Flughafen von Neu-Delhi festgesetzt worden. Sie wollten an einer Demonstration auf dem Protestplatz Jantar Mantar teilnehmen. Nach einem Bericht des indischen Justizportals Bar and Bench wurden sie bereits kurz nach der Landung ihres Flugzeugs in Gewahrsam genommen.

Die Freilassung ist laut Singh an die Bedingung geknüpft, ein Jahr lang „den Frieden zu wahren“. AFP-Reporter beobachteten, wie Dipke nach dem Verlassen des Gerichts in einem schwarzen Fahrzeug davonfuhr. Auch der festgesetzte Aktivist und Influencer Dhruv Rathee kam wieder frei.

Tausende Menschen an Protesten gehindert

Die Behörden hatten am Samstag große Teile des Zentrums von Neu-Delhi abgeriegelt, um die angekündigte Demonstration zu verhindern. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurden mehr als 2000 Menschen festgesetzt. Die meisten kamen demnach bereits am Samstagabend wieder frei. Auch am Sonntag blieben zahlreiche Polizisten und paramilitärische Kräfte im Einsatz. Metrostationen wurden wieder geöffnet, das mobile Internet funktionierte wieder.

Indien, Neu-Delhi: Die Polizei nimmt am Samstag einen Demonstranten während einer Kundgebung der „Cockroach Janta Party“ fest.

Indien, Neu-Delhi: Die Polizei nimmt am Samstag einen Demonstranten während einer Kundgebung der „Cockroach Janta Party“ fest.

© Subhash Paul/AP

Die Polizei hatte die Demonstration laut Times of India wegen befürchteter Sicherheits- und Ordnungsprobleme nicht genehmigt. Die Bewegung wirft der Regierung dagegen vor, friedliche Versammlungen gezielt zu unterbinden.

CJP-Organisator Ajinkya Shinde rief für Sonntag erneut zum Marsch nach Jantar Mantar auf, wie der Indian Express berichtete. Straßenproteste und ziviler Ungehorsam würden fortgesetzt, erklärte die Bewegung. Am Protestplatz war nach Beobachtungen von AFP zunächst jedoch keine größere Versammlung zu sehen.

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Streit um Millionen gestrichene Wählereinträge

Die Protestierenden verlangen den Rücktritt von Wahlkommissionschef Gyanesh Kumar. Hintergrund ist eine landesweite Überarbeitung der Wählerverzeichnisse, bei der nach Medienberichten mehr als 130 Millionen Namen gestrichen wurden. Kritiker werfen den Behörden vor, Minderheiten und insbesondere Muslime überproportional zu treffen und damit die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi zu begünstigen.

Die Wahlkommission weist die Vorwürfe zurück. Nach ihrer Darstellung sollen doppelte Einträge, Verstorbene und unrechtmäßig registrierte Personen aus den Verzeichnissen entfernt werden. Wie viele Menschen zu Unrecht gestrichen wurden, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.

Die „Kakerlaken“-Bewegung entstand im Mai zunächst als satirische Onlineinitiative. Aus Protest gegen Missstände im Bildungssystem entwickelte sie sich zu einer landesweiten Kampagne. Im Juli trugen ihre Demonstrationen zum Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan bei. Nun richtet sich ihr Druck gegen die Wahlbehörden.

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