Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat die öffentliche Bekanntgabe der Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener aus der Ukraine nach Südkorea kritisiert. Beide Länder hätten vereinbart, den Transfer vertraulich zu behandeln, erklärte Lee am Donnerstag in einem Beitrag auf der Plattform X.
„Die Überstellung wurde unter Verletzung einer Geheimhaltungsvereinbarung öffentlich gemacht“, schrieb der südkoreanische Präsident laut der Nachrichtenagentur Yonhap. Er kenne die Gründe für die Veröffentlichung nicht, „bedauere sie aber“.
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Lee reagiert auf Kritik von Opposition
Die Angelegenheit sei äußerst sensibel und könne erhebliche Auswirkungen auf die Diplomatie, die nationale Sicherheit und die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel haben, schrieb Lee. Zugleich wies er Yonhap zufolge Kritik aus den Reihen der südkoreanischen Opposition an der Geheimhaltungsvereinbarung zurück.
Es sei „grausam und verantwortungslos“, die Übergabe unabhängig von möglichen Folgen für die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea, die Sicherheit von Menschen oder die nationalen Interessen öffentlich zu machen, zitierte die Nachrichtenagentur den Präsidenten.
Südkoreas Außenministerium hatte laut Yonhap zuvor erklärt, es könne Einzelheiten zu einer möglichen Überstellung nicht bestätigen. Seoul habe jedoch mit der Ukraine und weiteren Ländern sowie Organisationen Gespräche geführt. Dabei habe Südkorea die freie Entscheidung der beiden Soldaten respektieren und eine Lösung im Einklang mit dem Völkerrecht und humanitären Grundsätzen anstreben wollen.
Selenskyj machte Überstellung öffentlich
Hintergrund der Kritik war eine Erklärung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am Mittwoch in New York. „Kürzlich haben wir zwei nordkoreanische Kriegsgefangene in die Republik Korea geschickt“, sagte Selenskyj Yonhap zufolge. Laut Reuters erklärte er zudem: „Diese Männer sind nicht leicht lebend zu fangen.“
Das ukrainische Präsidialamt erklärte später in einer Stellungnahme gegenüber Yonhap, die Überstellung sei in direkter Abstimmung mit Seoul erfolgt. „Es handelte sich um eine äußerst sensible Angelegenheit, die einen direkten Dialog mit der Republik Korea erforderte“, hieß es darin. Berichte, wonach Russland wiederholt die Übergabe der Gefangenen verlangt habe, wies das Präsidialamt zurück.
Das ukrainische Präsidialamt erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur, die Ukraine habe lediglich die Überstellung der beiden Nordkoreaner nach Südkorea bekannt gegeben, ohne nähere Einzelheiten zum Ablauf zu nennen. Es wäre seltsam gewesen, den gesamten Vorgang geheim zu halten, hieß es demnach.
Die beiden Soldaten waren dem Bericht zufolge im Januar 2025 von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden. Sie waren demnach gemeinsam mit Tausenden weiteren nordkoreanischen Soldaten in der russischen Region Kursk eingesetzt worden, um Russland im Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen.
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