Der Iran erweitert offenbar seinen Güterverkehr nach China, um die seit Mitte April geltende US-Blockade iranischer Häfen zu umgehen. Die Zahl der Güterzüge, die von Xi'an in Zentralchina über Kasachstan und Turkmenistan in die iranische Hauptstadt Teheran fahren, sei seit Beginn der Blockade am 13. April von rund einem Zug pro Woche auf einen Transport alle drei bis vier Tage gestiegen, sagten Branchenkenner gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg.
Transportiert werden derzeit überwiegend Industrie- und Konsumgüter Richtung Iran, darunter Autoteile, Generatoren und Elektronik, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Insider. Iranische Stellen prüfen dem Bericht zufolge, künftig auch petrochemische Erzeugnisse und Treibstoff per Bahn zu exportieren.
Schiene kann nur Teil des Seehandels ersetzen
„Früher fuhren diese Züge wochenlang gar nicht, jetzt sind sie für Mai komplett ausgebucht“, sagte Altan Dursun, Geschäftsführer des in der Türkei ansässigen und auf Handel mit China spezialisierten Unternehmens Silkroad-Avrasya Multimodal Logistics, laut Bloomberg. Laut Dursun gibt es Pläne, die Kapazität im Juni weiter auszubauen.
Das Wall Street Journal hatte Ende April berichtet, dass der Iran daran arbeite, einen Teil seines Öls nach China per Zug zu transportieren und Lebensmittel, etwa aus Pakistan, ebenfalls auf dem Landweg zu importieren. Die iranische Schifffahrtsvereinigung erklärte dem Bericht zufolge, dass rund 40 Prozent des iranischen Handels von den blockierten Häfen umgeleitet werden könne.
Jeder Zug aus Xi'an transportiert rund 50 Standard-40-Fuß-Container, während während ein Langstrecken-Containerschiff Tausende aufnehmen könne, sagte Dursun weiter. Branchenquellen sagten laut Bloomberg, dass die Frachtkosten auf der Route stark gestiegen seien. Für einen 40-Fuß-Standardcontainer würden derzeit bis zu 7000 US-Dollar verlangt – rund 40 Prozent mehr als üblich.
Ein Tanker soll US-Blockade durchbrochen haben
Die seit rund drei Wochen laufende Seeblockade verhindert nach Bloomberg-Angaben den Großteil iranischer Ölausfuhren sowie wichtige Getreideimporte. Der Wechselkurs des Rial gegen den Dollar sei auf neue Tiefstände gefallen. Auch die Nachfrage nach Lkw-Transporten aus der Türkei sei gestiegen, vor allem für Lebensmittel und Sonnenblumenöl, teilte ein Istanbuler Transportunternehmen dem Bericht zufolge mit.
Das Unternehmen TankerTrackers.com, das Schiffsbewegungen mithilfe von Satellitenbildern überwacht, teilte Anfang Mai mit, dass ein iranischer Öltanker die US-Blockade möglicherweise durchbrochen habe. Der Tanker Huge habe sich am vergangenen Woche vor der Küste Balis befunden, nachdem er wochenlang nicht mehr in digitalen Schiffsverfolgungssystemen aufgetaucht war, wie Bloomberg berichtet.
TankerTrackers-Mitgründer Samir Madani sagte dem Bericht zufolge, wenige Stunden vor Beginn der Blockade am 13. April habe das Schiff noch im iranischen Hafen Chabahar gelegen. Madani erklärte weiter, der Tanker sei nach seiner Beobachtung bislang das einzige Schiff, dem die Umgehung gelungen sei – laut Bloomberg ein Hinweis darauf, dass die Sperre den Export iranischen Öls weitgehend wirksam unterbinde.
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