Im Streit um die Freilassung des Buckelwals „Timmy“ hat das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns jetzt doch erklärt, rechtliche Schritte gegen die private Rettungsinitiative zu prüfen. Die Initiatoren hätten bislang weder Trackerdaten noch ein tierärztliches Gutachten oder Videobilder der Freisetzung an die Behörde übermittelt, obwohl dies vorab vereinbart worden sei.
Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dem Tagesspiegel, man prüfe derzeit, „inwieweit die im zweiten Rettungskonzept schriftlich fixierten Vereinbarungen als Rechtsgrundlage ausreichen, um die Herausgabe der Daten möglicherweise doch einzuklagen“. Das Ergebnis sei jedoch noch „völlig offen“. Die Initiative sei am Donnerstag erneut schriftlich aufgefordert worden, die Daten vorzulegen oder Gründe für eine Nichtvorlage zu nennen.
Noch am Mittwoch hatte das Ministerium erklärt, man habe „keine rechtliche Handhabe, um etwas einzufordern“, da es sich um eine geduldete private Aktion gehandelt habe. Verbindliche Auflagen seien nicht möglich gewesen, lediglich „Erwartungen“ hätten formuliert werden können.
Kapitän berichtet von Morddrohungen
Der Kapitän des Schleppers „Robin Hood“, Martin Bocklage aus Vorpommern, hatte sich zuvor in der Ostsee-Zeitung zu seinem Einsatz bei der Freilassung des Buckelwals „Timmy“ geäußert. Der 42-Jährige berichtet von Morddrohungen, anonymen nächtlichen Anrufen, Beleidigungen in sozialen Netzwerken und negativen Bewertungen für sein Unternehmen.
„Hätte ich mal lieber nicht geholfen“, sagt Bocklage. Erst seien sie als Helden gefeiert, in den vergangenen Tagen jedoch „als Mörder und Tierquäler hingestellt“ worden.
Geretteter Buckelwal vermutlich tot
Buckelwal in der Ostsee freigesetzt: Sender liefert offenbar keine Daten
Bocklage war seit dem 11. April im Einsatz für die Walrettung. Sein Schlepper zog die Barge, in der das Tier transportiert wurde. Die Rettungsaktion wurde von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Media-Markt-Gründer Walter Gunz finanziert.
Beide hatten sich nach der Freilassung öffentlich von der Vorgehensweise distanziert. In sozialen Netzwerken erhoben sie in einem Schreiben Vorwürfe gegen die Schiffsbesatzungen der „Fortuna B“ und der „Robin Hood“. Etwaige Konsequenzen für „nicht abgestimmte Handlungen“ hätten Eigner, Betreiber und Crew zu tragen, hieß es darin.
Rettungsaktion für Wal Timmy: Kritik an den Geldgebern
Bocklage zeigt sich darüber verärgert: „Erst wedeln sie mit Geld und dann droht man uns mit Anzeigen.“ Den Vorwurf, die Schiffscrew habe über die Freilassung entschieden, wies er zurück. „Wir haben einfach nur unsere Anweisungen ausgeführt“, sagt er.
In den Medien sei jedoch der Eindruck entstanden, die Besatzung habe selbst entschieden, wann der Wal freigelassen werde. Zu den genauen Umständen der Freilassung am Samstagmorgen wollte er sich nicht äußern, da alles Öffentliche gegen ihn verwendet werden könne.
Bocklage betreibt eine Reederei, mit der er normalerweise ab April Urlauber über das Stettiner Haff fährt sowie Seebestattungen und Gedenkfahrten anbietet. Während der Walrettung habe diese Arbeit geruht. Zum Schutz seiner Familie erwäge er nun, seine Accounts in sozialen Netzwerken zu löschen. Ab Mittwoch wolle er seine reguläre Arbeit wieder aufnehmen. Er befürchtet zudem Folgen für künftige Einsätze: „Wenn noch mal ein Wal am Strand liegt, hilft niemand mehr.“
Land Mecklenburg-Vorpommern fordert Daten zum Wal
Das Landesumweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern wartet weiter auf belastbare Informationen zu dem aus der Ostsee gebrachten Buckelwal. Die verantwortliche Privatinitiative habe entgegen ausdrücklicher Vereinbarungen bisher keine Daten zu Ortungen oder Gesundheitszustand bereitgestellt, teilte Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin mit.
Der Minister kritisierte das Verhalten der von den Behörden geduldeten Initiative scharf: „Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht.“ Er wolle sich aber auch weiterhin nicht an „Spekulationen“ über einen etwaigen Tod des Meeressäugers beteiligen, fügte er hinzu. Bereits am Dienstag erklärten Experten des Deutschen Meeresmuseums, sie gingen vom Tod des Meeressäugers aus. Demnach dürfte der in die Nordsee freigesetzte Wal wohl aufgrund extremer Entkräftung zu schwach für längeres Schwimmen gewesen sein.
Laut Initiative liefert ein angeblich an dem Buckelwal angebrachter Peilsender keine Positionsdaten. Zugleich war die Rede von Vitalwerten des Tiers, die übermittelt worden seien. Unter Experten sorgt diese Darstellung unter anderem deshalb für Skepsis, weil GPS-Peilsender üblicherweise keine Gesundheitsdaten wie Herzschlag oder Atmung messen können. Das Meeresmuseum forderte die Initiative auf, nachprüfbare Informationen zu dem Sender und dem Datenfluss zu teilen.
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