Eigentlich sollte Bob eine Box sein, die am Potsdamer Platz steht oder am Hauptbahnhof oder in Kreuzberg. Bob steht schließlich für "Box off Berlin". Doch seit einigen Wochen ist Bob ein Laden in der Zimmerstraße 11, ganz in der Nähe des Checkpoint Charlie. Warum aus der Box ein Laden wurde, ist eine lange Geschichte. Sie erzählt davon, wie schwer es ist, in Berlin eine gute Idee in die Tat umzusetzen.Torsten Königs und Stephan Schmidt, der eine Filmemacher, der andere Fotodesigner, liefen vor zwei Jahren über den Potsdamer Platz. "Wir haben uns gewundert, warum es dort keinen Ort gab, wo man was Originales aus Berlin bekam", erzählt Königs. Es werde doch immer von Design aus Berlin als Wirtschaftsfaktor geredet. Es entstand die Idee, dort eine Art Kiosk aufzustellen, einen umgebauten Seecontainer, "der natürlich nicht irgendwie aussehen sollte", wie Königs sagt. Würfelförmige Glasvitrinen sollten die Wände durchbrechen, ein riesiges Plakat Berliner Kunst zeigen. Souvenirs mit Designanspruch wollten sie dort verkaufen und Berlin als Unesco-Design-Stadt den Touristen näher bringen.Streit um StandortDie Idee kam an. "Ob Kultur-, Wirtschaftsverwaltung oder Regierender Bürgermeister, alle haben uns Unterstützungsschreiben gegeben, aber keiner wollte das Projekt genehmigen", sagt Königs. Das Problem: Der Container sollte auf öffentlichem Straßenland oder in einer Grünanlage stehen. Schließlich versuchten sie es in Kreuzberg, doch der damalige Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) war entsetzt. Wie könnten sie es wagen, eine Bude in die Grünanlage gegenüber der Oberbaumbrücke zu stellen, da er doch gerade dabei sei, Kreuzberg von hässlichen Buden zu befreien?Nach einem Jahr war Königs und Schmidt klar: Wir müssen auf privaten Grund. Die Vivico, der das Gelände rund um den Hauptbahnhof gehört, war angetan. Die Kreativen besorgten sich einen Kredit von der Bank, beim Land eine Bescheinigung, dass ihr Projekt "hauptstadtkompatibel" und deshalb an diesem Platz genehmigungsfähig sei, ein Mietvertrag lag bereit. Als der kurz nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs unterzeichnet werden sollte, zog die Vivico zurück. "Ohne Begründung", wie sich Schmidt noch heute ärgert. Noch immer nicht völlig desillusioniert, starteten die beiden einen letzten Versuch: Sie fragten bei der Jüdischen Gemeinde wegen eines Grundstücks an der Leipziger Straße an - um nach fünf Monaten eine weitere Absage zu bekommen. Also blieben nur noch zwei Möglichkeiten: aufgeben oder das Projekt entgegen den ursprünglichen Plänen in einem Laden zu verwirklichen. Es wurde der Laden.In den Regalen liegen Dinge, wie man sie auch im Berlinomat oder bei ausberlin bekommt. "Wir sind mehr Souvenirladen", erläutert Schmidt den Unterschied. Was erklärt, warum der Fernsehturm auf den Produkten besonders verbreitet ist. Statt eines Plakats mit Berliner Kunst wurde ein Galerieraum angegliedert, in dem Ausstellungen und Filme mit Berlin-Bezug gezeigt werden. Außerdem gibt es ein kleines Café, mit fair gehandeltem Kaffee und Fritz-Cola. Schmidt und Königs träumen jetzt davon, irgendwann mal mit ihrer Box off Berlin im Container auf Reisen zu gehen. Dann aber als Kulturprojekt.------------------------------Foto: Sind schließlich doch im Laden statt im Container gelandet: Stephan Schmidt (l.) und Torsten Königs, Betreiber des Souvenirladens Bob.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]