Zum ersten Mal seit der politischen Wende sowie nach der staatlichen Trennung voneinander können die Tschechische und die Slowakische Republik Im auslaufenden uhr auf ein real Wachstum Ihrer Brutto-Inlandsprodukte verweisen.Die entsprechenden Raten werden In Tschechien geschätzt bei 2,5 bis drei und in der Slowakei bei knapp vier Prozent liegen.Bemerkenswert Ist besonders die Entwicklung in der Slowakei, die nach der Teilung der CSFR auf die bis dahin üblichen Finanzspritzen aus Prag In Höhe von jährlich umgerechnet 700 Millionen US-Dollar verzichten mußte. Im Vergleich zu Tschechien waren und sind hier auch weitaus größere Strukturprobleme zu bewältigen. Im schwierigsten Bereich, der einstmals aufgeblähten Rüstungsindustrie, ist der Wandel bisher auch am wenigsten gelungen. Beim Absatz neuer Produkte aus den früheren Waffenschmieden wie Traktoren oder Baumaschinen geht es nur schleppend voran. In der Folge liegt die Arbeitslosenrate dort mit teilweise bis zu 40 Prozent weit über den 14 Prozent im Landesdurchschnitt. Fortschritte macht der Privatisierungsprozeß, wenngleich der neue Premier Meciar den Beginn einer weiteren Weile der sogenannten Kupon-Privatisierung, In der die Bürger zu Kleinaktionären werden können, erst einmal verschoben hat. Im Oktober lag der Anteil der Privatwirtschaft Im industriellen Bereich bei 56, im Bauwesen bei 77 und im Einzelhandel bei fast 90 Prozent. Die slowakische Krone ist seit ihrer 10prozentigen Abwertung Mitte des Jahres stabil.Der monatliche Durchschnittsverdienst bewegt sich bei etwa 6 500 Kronen (reichlich 340 Mark). Die Inflationsrate soli 1995 einstellig werden. Die Devisenreserven haben sich in der Zelt der staatlichen Selbstständigkeit auf etwa 3,4 Milliarden USDollar vervierfacht. Unter den Er-, wartungen blieb der Zustrom von Auslandskapital, was von Experten mit der politischen Instabilität in Zusammenhang gebracht wird.Mit letzteren Problemen hat Tschechien nicht zu kämpfen. Allein deutsche Investoren haben hier ihr wertmäßiges Engagement in den ersten drei Quartalen 1994 im Verleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. Nach Angaben des Prager Wirtschaftsministeriums wollen von 100 deutschen Managern, die über Auslandsinvestitionen nachdenken, 45 in Böhmen und Mähren aktiv werden. Tschechien ist damit klarer Favorit unter den Reformländern. Anders als in der Slowakei hat in Böhmen und Mähren die Kupon-Privatisierung im wesentlichen schon Ihren Abschluß gefunden. Danach befinden sich reichlich 80 Prozent der Betriebe in Privathand. An der Brutto-Inlands-Produktion sind sie mit 65 Prozent beteiligt. Die tschechischen Durchschnittslöhne haben sich seit Dezember 1990 mehr als verdoppelt und liegen derzeit bel 7000 Kronen (reichlich 410 Mark). Real wachsen sie schneller als die Arbeitsproduktivität. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte auf Dauer die extrem niedrige Arbeitslosenrate von nur etwas mehr als drei Prozent nicht zu halten sein. Gefährdet wäre zudem auch der Kostenvorteil tschechischer Exporteure, die zusätzlich noch von der erheblich unterbewerteten tschechischen Krone profitieren.Obwohl dem tschechischen Marktwirtschaftskurs im Ausland überwiegend Beifall gezollt wird, rechnen manche Fachleute mit einem weitaus längeren Anpassungszeitraum an westliches Niveau, als etwa Premier Klaus. Der Prager US. Botschafter beispielsweise meinte dieser Tage, "trotz bisher ansehnlicher Ergebnisse werde die völlige ökonomische Transformation des Landes noch zehn, vielleicht sogar 20 Jahre dauern."Der tägliche Schluck Budweiser gehört für Braumeister Vladimir Krejci zur täglichen Arbeit. Die Brauerei in Mähren ist eine der bekanntesten in Europa. Das Geschäft läuft entsprechend gut -- genauso wie das Bier. Foto: Reuter
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