Der Pharmakonzern Merz erweitert seinen Standort in Dessau-Roßlau für mehr als 100 Millionen Euro. Bis 2028 sollen dort rund 150 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Grund ist die weltweit steigende Nachfrage nach dem Nervengift Botulinumtoxin (Botox), das in Dessau unter dem Markennamen Xeomin hergestellt wird.
Investiert werde in eine neue Verpackungslinie sowie in Produktion, Verpackung und Logistik, teilte das Unternehmen mit. Standortleiter Björn Niemczak sagte, in Dessau werde inzwischen der gesamte Prozess abgedeckt: „Wir fertigen jetzt wirklich von der Zellbank bis zum finalen Produkt in Dessau.“
Medizinischer Einsatz wächst
Merz-Group-Chef Philip Burchard verwies auf die wachsende Bedeutung des Wirkstoffs in der Medizin. „Der medizinische Bereich wird eigentlich so ein bisschen vergessen. Alle reden nur von der Falte“, sagte er. Botox werde unter anderem gegen chronische Migräne, Muskelkrämpfe, Spastiken nach Schlaganfällen sowie krankhaften Speichelfluss bei Parkinson-Patienten eingesetzt.
Auch Neurologen bestätigen diese Entwicklung. Bei Bewegungsstörungen wie der zervikalen Dystonie oder bei Lidkrämpfen sei der Wirkstoff heute meist Therapie der ersten Wahl, sagte Christopher Weise, Leitender Oberarzt der Universitätsmedizin Halle. Er verwies auf die Wirksamkeit und das günstige Sicherheitsprofil im Vergleich zu anderen Medikamenten.
Die Universitätsmedizin Magdeburg warnt allerdings vor Versorgungslücken. „In Sachsen-Anhalt sehen wir bereits heute eine Unterversorgung“, sagte Neurologin Laura Danielian. Die Zahl der Behandler sei begrenzt, die Kapazitäten stießen an ihre Grenzen.
Ästhetikmarkt und China als Wachstumstreiber
Parallel wächst laut Burchard der Markt für ästhetische Anwendungen. Nach der Corona-Pandemie habe der sogenannte „Zoom-Boom“ die Nachfrage zusätzlich befeuert, weil viele Menschen sich in Videokonferenzen selbst gesehen hätten. In Deutschland ist Botox verschreibungspflichtig und darf nur von approbierten Ärzten angewendet werden.
Zu den wichtigsten Märkten des Konzerns zählen laut Burchard die USA, Brasilien und Südkorea. Besonderes Potenzial sieht er in China, wo Merz Ende vergangenen Jahres die Zulassung für sein Präparat erhielt. Merz wachse jährlich um rund zehn Prozent und damit stärker als der Gesamtmarkt.
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