Bahnverkehr

Nachtzug von Berlin nach Stockholm fährt weiter – aber viel seltener

Ab Freitag nur noch zweimal pro Woche ab Berlin: Der EuroNight nach Schweden fährt jetzt ohne Millionenförderung des Staates. Dafür sind mehr Schlafwagen geplant.

5 Min
Vor der Abfahrt in Stockholm: Am 1. September fuhr der EuroNight EN 345 erstmals ohne Zuschuss von Schweden nach Deutschland.

Vor der Abfahrt in Stockholm: Am 1. September fuhr der EuroNight EN 345 erstmals ohne Zuschuss von Schweden nach Deutschland.

© RDC Deutschland

Geld vom Staat gibt es jetzt nicht mehr. Doch der bisher von Schweden subventionierte Nachtzug zwischen Berlin und Stockholm fährt weiter. Das Unternehmen RDC Deutschland, das ihn bisher im Auftrag betrieb, hält die internationale Verbindung auf eigene Rechnung aufrecht. Allerdings gibt es eine wichtige Änderung für Berlin.

Konnte man bisher meist täglich in den blauen Wagen von der deutschen in die schwedische Hauptstadt reisen, fährt dieser EuroNight ab sofort nur noch zweimal wöchentlich. Das bestätigte Nicole Pizzuti, Sprecherin des privaten Zugbetreibers, auf Anfrage. Zwischen Hamburg und Stockholm werden drei Fahrten pro Woche angeboten.

Es gibt aber auch Verbesserungen. So soll es in der höchsten Komfortstufe mehr Plätze geben, kündigte RDC Deutschland an. „Vorgesehen sind mehr Schlafwagen mit Abteilen der ersten Klasse mit eigener Dusche und WC sowie Schlafwagenabteile der zweiten Klasse“, so Pizzuti. Eine weitere Neuerung: Interrail-Tickets werden anerkannt.

Nachtzug nach Stockholm: Das ist der aktuelle Fahrplan

An diesem Freitag ist Premiere an Gleis 21 in Lichtenberg. Von dem einst wichtigsten Fernbahnhof im Osten Berlins soll der einst bezuschusste EN 344 um 19.01 Uhr zu seiner ersten eigenwirtschaftlichen Fahrt aufbrechen. Äußerlich ändert er sich nicht: Wie bisher stellt RDC Deutschland die blauen Sitz-, Liege- und Schlafwagen.

Abfahrt im Hamburger Hauptbahnhof ist um 21.53 Uhr. Den Kopenhagener Flughafen soll der Zug laut Fahrplan wie bisher zu nachtschlafener Zeit erreichen: um 3.23 Uhr. Die Universitätsstadt Lund ist um 4.35 Uhr der erste Halt in Schweden. Nach Stopps in Hässleholm, Alvesta, Nässjö, Linköping und Norrköping soll der EuroNight Stockholm Central am Sonnabend um 9.45 Uhr erreichen.

Das Wagenmaterial ändert sich nicht: Ein Liegewagen im Nachtzug nach Stockholm.

Das Wagenmaterial ändert sich nicht: Ein Liegewagen im Nachtzug nach Stockholm.

© RDC Deutschland

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Von nun an soll der Nachtzug montags und freitags in Berlin starten. Die Reise am Mittwoch beginnt erst in Hamburg. Dieses Schema gilt auch für die Touren von Schweden und Dänemark nach Deutschland. Dienstags und sonnabends fährt der Zug von Stockholm (17.29 Uhr) nach Berlin Gesundbrunnen, wo er um 8.56 beziehungsweise 11.10 Uhr ankommen soll. Am Donnerstag endet die Reise bereits in Hamburg.

Berlin ist ein wichtiger Start- und Zielbahnhof der Verbindung, heißt es bei RDC. Je nach Zug liegt der Anteil der Reisenden, die in Berlin ein- oder aussteigen, bisher bei rund 30 bis 50 Prozent. Das entspricht im Durchschnitt etwa 70 bis 120 Fahrgästen je Zug, so das Unternehmen.

Warum nicht mehr alle Fahrten nach Berlin führen

Bislang wurde erwartet, dass auch nach der Fahrplanausdünnung alle Fahrten Berlin erreichen werden. Doch dazu kommt es nun nicht.

„Grund für die Anpassung ist unser weiterentwickeltes Instandhaltungskonzept“, erklärte Nicole Pizzuti. „Künftig bündeln wir einen größeren Teil der Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten in unseren Werkstätten in Niebüll und Lengerich.“

Um die dafür erforderlichen Fahrzeugüberführungen effizienter zu gestalten, endet eine Verbindung pro Woche bereits in Hamburg statt in Berlin. „Dadurch reduziert sich die Frequenz nach Berlin auf zwei Verbindungen pro Woche“, bestätigte sie.

Kein Bistrowagen mehr, dafür mehr Schlafwagen

Was ist sonst noch neu auf dieser internationalen Verbindung? „Künftig werden längere Züge mit einer veränderten Wagenzusammenstellung eingesetzt“, bekräftigte Pizzuti. Mehr Schlafwagen bedeutet: mehr Kapazität. Auf dem schwedischen Streckenabschnitt wird künftig kein Bistrowagen mehr mitgeführt. „Stattdessen wird das Cateringangebot erweitert und stärker direkt am Platz angeboten“, teilt RDC mit.

Wie sieht es mit den Fahrpreisen aus? „Wir orientieren uns grundsätzlich am bisherigen Niveau des SJ EuroNight. Da der RDC EuroNight ohne öffentliche Förderung betrieben wird, ist bei einzelnen Angeboten mit moderaten Preissteigerungen zu rechnen“, so Pizzuti.

Bereit für die Reise durch die Nacht: Ein Liegewagenabteil im Nachtzug von Snälltåget. Dieses Unternehmen betreibt ebenfalls eine Direktverbindung nach Schweden.

Bereit für die Reise durch die Nacht: Ein Liegewagenabteil im Nachtzug von Snälltåget. Dieses Unternehmen betreibt ebenfalls eine Direktverbindung nach Schweden.

© Snälltaget

„Für unsere Fahrgäste zählt vor allem, dass sie auch weiterhin bequem über Nacht zwischen Schweden und Deutschland reisen können. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, diese wichtige internationale Nachtzugverbindung fortzuführen. Jetzt geht es darum, den RDC EuroNight weiterzuentwickeln“, sagt Kathleen Stöckel, Chief Operating Officer von RDC Deutschland.

Das Unternehmen trägt die kommerzielle und operative Gesamtverantwortung für den RDC EuroNight. In Deutschland ist die BTE BahnTouristikExpress GmbH als Teil der RDC Deutschland Gruppe das Eisenbahnverkehrsunternehmen. Für die Abschnitte in Dänemark und Schweden bleibt die schwedische Staatsbahn SJ Betriebspartner.

So viel zahlte der schwedische Staat für diesen Nachtzug

Die Nachtverbindung Stockholm - Hamburg gibt es seit 2022. Seit 2023 fährt der Zug weiter nach Berlin. Laut Fachpresse zahlte Schweden zuletzt jährlich rund 79 Millionen Kronen, umgerechnet 7,1 Millionen Euro, für den Verkehr. Obwohl der Vertrag hätte verlängert werden können, entschied sich die Verkehrsbehörde Trafikverket dagegen.

Im vergangenen Jahr reisten rund 123.000 Menschen mit diesem Nachtzug. Der EuroNight EN 344/345 ist allerdings nicht die einzige Direktverbindung auf dieser Route nach Skandinavien.

Das schwedische Bahnunternehmen Snälltåget betreibt zwischen Berlin, Hamburg und Stockholm ebenfalls eine Nachtverbindung, vier bis sechs Mal pro Woche. Von Anfang an ohne Zuschüsse des Staates. In Malmö hat der Snälltåget-Zug Anschluss nach Oslo. Für den 22. November gibt es eine weitere interessante Anschlussverbindung: von Berlin über den Polarkreis nach Narvik mit nur einmal umsteigen.

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