KAIRO. Der ägyptische Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer hat Routine im Ausrichten politischer Großereignisse. Die heute beginnende Geberkonferenz zu Gaza aber ragt heraus. Allein schon wegen der Gästeliste: Über 70 Außenminister, darunter Hillary Clinton aus Washington, Frank-Walter Steinmeier aus Berlin und Sergej Lavrov aus Moskau haben zugesagt. Sie wollen über die Wiederaufbauhilfen für den während des Krieges zerstörten Gazastreifen beraten. Die Palästinenser bitten um 2,2 Milliarden Euro Hilfen. Die EU hat schon 435 Millionen Euro versprochen, die USA wollen 900 Millionen Dollar, etwa 700 Millionen Euro, zusagen, erklärte ein Sprecher des US-Außenministeriums gestern.Doch mit Geldern für Gaza ist es so eine Sache: Schon häufiger wurden Hilfspakete aufgelegt, es wurden Regierungsgebäude, ein Flughafen und Schulen gebaut. Doch beim nächsten Konflikt lagen sie wieder in Trümmern. Auch ist es derzeit besonders schwer, die Hilfe zu den Menschen zu bringen. Israel lässt nur zögerlich Hilfstransporte durch. Beton und Stahl, die für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser nötig sind, werden oft nicht hineingelassen. Israel fürchtet, dass die Materialien zum Bau von Waffen und Bunkern benutzt werden.Auch stellt sich die Frage: Wem sollen die Geberländer das Geld übergeben? Im Gazastreifen regiert seit 2007 die Hamas. Der Westen aber redet nicht mit ihr. Deshalb werden die Hilfsgelder an UN-Organisationen ausgezahlt. Diese sollen die Hilfen koordinieren. Die Geberländer verstärken auch den Druck auf Hamas und Fatah, eine Gemeinschaftsregierung zu bilden. Darüber wird seit Monaten unter ägyptischer Vermittlung in Kairo verhandelt.In den vergangenen Tagen zeichneten sich erste Kompromisslinien ab. Die Fatah-Leute, die im Westjordanland herrschen, könnten die Regierung nach außen vertreten. Sie sollen sich aber mit der Hamas abstimmen. Steinmeier betonte, man wisse die Gespräche mit der Hamas bei Ägypten in guten Händen. Ägypten verhandelt zudem mit Israel über einen Waffenstillstand für Gaza. Doch die Gespräche gehen stockend voran. Damit stellt Ägypten nicht nur Kulissen aus knallblauem Meer und Badestrand für die Geberkonferenz. Die Regierung bemüht sich auch, politische Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Hilfe der Geberländer in Gaza ankommt und Projekte nicht gleich wieder zerstört werden.
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