Sonnenfinsternis

Nasa verfolgt Mondschatten: Höhenjet und Ballons messen Sonnenfinsternis über Island

Über Teilen Islands und Spaniens verdunkelt sich am Mittwoch die Sonne ganz. Forschungsteams nutzen das für Messungen, die vom Boden aus nicht möglich sind.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die Nasa will ein WB-57-Höhenflugzeug für Beobachtungen der Sonnenkorona einsetzen.

Die Nasa will ein WB-57-Höhenflugzeug für Beobachtungen der Sonnenkorona einsetzen.

© Wirestock/imago

Während der totalen Sonnenfinsternis am Mittwochabend wollen von der Nasa finanzierte Forschungsteams die Korona der Sonne und Veränderungen der Erdatmosphäre mit einem Höhenflugzeug und wissenschaftlichen Ballons untersuchen. Der Mondschatten zieht nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde über Grönland, Island und Spanien.

Ein WB-57-Höhenflugzeug der Nasa soll mit vier Kameras in rund 15.000 Metern Höhe aufsteigen und dem Mondschatten folgen. Nach Angaben der Behörde verlängert der Flug mit rund 740 Stundenkilometern die Beobachtungszeit der Korona auf knapp drei Minuten. Vom Boden aus lässt sich die äußere Sonnenatmosphäre höchstens zwei Minuten und 18 Sekunden am Stück sehen.

Aus der Flughöhe können die Kameras zudem Infrarotwellenlängen erfassen, die in den unteren Luftschichten weitgehend absorbiert werden und laut Nasa bislang nur selten während einer Finsternis erfasst wurden.

Blick in die Millionen Grad heiße Korona

Die Korona ist die äußere Hülle der Sonne und besteht aus extrem heißem Plasma, einem Gemisch aus freien Elektronen und geladenen Atomen, das Temperaturen von rund einer Million Grad Celsius erreicht. Im Vergleich zur Sonnenoberfläche leuchtet sie sehr schwach und ist deshalb sonst nicht sichtbar.

„Die Finsternis lässt uns die Sonne quasi bei Nacht sehen“, erklärte der an der Nasa-Kampagne beteiligte Forscher Amir Caspi laut einem Bericht im Fachmagazin Nature. Die Astronomin Shadia Habbal von der University of Hawaii sagte demnach, keine andere Methode liefere so scharfe und zugleich umfassende Aufnahmen so nah an der Sonne.

Kelly Korreck, Programmleiterin am Nasa-Hauptquartier in Washington, erklärte, die Sonne beeinflusse Alltag, Satelliten und Astronauten im All. Die Aufnahmen sollen helfen, die Entstehung von Protuberanzen – aus der Sonnenoberfläche herausragende Materiebögen – besser zu verstehen und die Aufheizung der Korona sowie den Zusammenhang mit dem Sonnenwind zu klären.

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Ballonstarts in Island und Spanien

Parallel schickt ein von der Nasa unterstütztes Projekt Studenten der Montana State University im US-Bundesstaat Montana Teams nach Island und Spanien. In Island sollen ab 18 Stunden vor der Finsternis bis acht Stunden danach insgesamt 80 Ballons starten. Sie messen Veränderungen in der bodennahen Grenzschicht der Atmosphäre.

Bei Sonnenfinsternissen im Oktober 2023 und April 2024 war diese Schicht laut Projektangaben bei klarem Himmel dünner geworden, bei bewölktem Wetter jedoch nicht. Untersucht werden soll, ob dieser Effekt auch im isländischen Sommer mit langen Tagen und kurzen Nächten auftritt.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA nutzt die Sonnenfinsternis nach eigenen Angaben, um Beobachtungen der Korona mit Daten der Sonde Solar Orbiter und mit Messungen der Mission Proba-3 abzugleichen. Damit sollen Modelle des solaren Magnetfelds überprüft werden.

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