Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat eine integrierte maritime Strategie für Nordeuropa und die Arktis angemahnt. In der am Dienstag veröffentlichten Studie „Baltic and Northern Defence – Towards an Integrated Maritime Strategy“ empfehlen die Autoren Nick Childs und Johannes R. Fischbach, die Ostseeregion, den Hohen Norden, die Arktis sowie angrenzende Gewässer wie den nordöstlichen Atlantik als „integriertes Einsatzgebiet“ zu betrachten. Die Studie erscheint anlässlich der Kieler Sicherheitskonferenz Ende der Woche.
Russland gehe bereits in dieser Weise an die Region heran und kombiniere dabei „konventionelle Militärmacht, nukleare Abschreckung, maritime Aktivitäten und hybride Operationen“, heißt es in dem Papier. Die russische Nordflotte bleibe der Studie zufolge bis in die 2030er Jahre der schlagkräftigste Verband der russischen Marine. In den Jahren 2024 und 2025 seien drei von fünf neu in Dienst gestellten russischen U-Booten der Nordflotte zugewiesen worden, darunter eines der modernsten nuklearbetriebenen Lenkwaffen-U-Boote.
Nato fängt russische Bomber über Ostsee ab
Neue Herausforderung nach Nato-Erweiterung
Mit dem Beitritt Finnlands und Schwedens zur Nato habe sich die strategische Geografie Nordeuropas grundlegend verändert, schreiben die Autoren. Die zentrale Aufgabe für Europas Marinen sei nun, wachsende Fähigkeiten zu einer wirksameren gemeinsamen Streitmacht zu bündeln. Dies sei entscheidend für die Abschreckung Russlands und für die Übernahme eines größeren Teils der Verantwortung für die eigene Sicherheit.
Die Nato hatte im Oktober 2025 eine neue maritime Strategie vorgelegt, die laut Studie deutlich umfassender ausfällt als die Vorgängerversion von 2011. Ende 2025 wurde die Zuständigkeit für Dänemark, Finnland und Schweden dem Joint Forces Command (JFC) Norfolk übertragen, das bereits für Island, Norwegen und Großbritannien zuständig ist. Im Februar 2026 wurde laut der Studie zudem die Nato-Mission „Arctic Sentry“ angekündigt, die an die frühere „Baltic Sentry“-Aktivität anknüpft.
Klare Arbeitsteilung gefordert
Die Autoren plädieren für eine deutlichere Arbeitsteilung zwischen den Verbündeten. Deutschland, Polen und Schweden seien gut positioniert, um in der Ostsee eine Führungsrolle zu übernehmen; die deutsch geführte „Commander Task Force Baltic“ biete dafür einen operativen Rahmen. Die deutschen Ausbaupläne mit neuen Überwasserkampfschiffen, zusätzlichen U-Booten, Aufklärungsschiffen und unbemannten Systemen stärkten die Position Berlins als regionaler maritimer Akteur. Zugleich müsse Deutschland abwägen, wie es seine wachsenden Aufgaben in der Ostsee mit Ambitionen in der Nordsee und im Hohen Norden in Einklang bringe.
Polen werde durch das Fregatten-Programm „Miecznik“ und eine engere Zusammenarbeit mit Schweden bei künftigen U-Boot-Fähigkeiten zu einem leistungsfähigeren maritimen Akteur. Norwegen habe mit Großbritannien im Rahmen des bilateralen Verteidigungspakts „Lunna House“ eine Marineallianz geschlossen, die zu einer integrierten Flotte von bis zu 14 fortschrittlichen U-Jagd-Fregatten führen könne. Das deutsch-norwegische U-Boot-Projekt allein werde zwölf moderne U-Boote hervorbringen.
Lehren aus Iran-Krieg und Hormus-Blockade
Die Autoren verweisen auf die Folgen des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus. Diese hätten gezeigt, dass europäischen Marinen Schiffe und Fähigkeiten für komplexe Bedrohungen in engen Seewegen fehlten. Einige Staaten seien zudem kaum in der Lage, gleichzeitig Nato-Verpflichtungen und weitergehende Verteidigungsaufgaben zu erfüllen. Als Beispiel für „dynamische Lastenteilung“ nennt die Studie den Fall, dass Deutschland mit einer Fregatte als Flaggschiff für eine Nato-Marinegruppe einsprang, nachdem ein britischer Zerstörer in den Nahen Osten verlegt worden war.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]