Nato

Identitätskrise: Ankara-Gipfel offenbart die tiefen Risse in der Nato

Der Gipfel in der Türkei sollte Stärke demonstrieren. Tatsächlich traten unterschiedliche Interessen, wirtschaftliche Konkurrenz und offene Fragen zur Zukunft des Bündnisses deutlicher denn je zutage.

Dominik Pietzcker Tunç Akkoç
8 Min
Mehr Waffen, weniger Strategie: Die Nato sucht ihren neuen Kurs.

Mehr Waffen, weniger Strategie: Die Nato sucht ihren neuen Kurs.

© Michael Kappeler/dpa

Während des Kalten Krieges ruhte die Nato auf einem klaren strategischen Fundament. Die sowjetische Bedrohung in Europa sollte durch eine kollektive Verteidigung, transatlantische Abschreckung und amerikanische Sicherheitsgarantien eingehegt werden. Das gelang immerhin knapp 50 Jahre lang. Danach verlor die politische und militärische Mission der Nato an Stringenz. Die Militäreinsätze ab den 1990er-Jahren auf dem Balkan, in Afghanistan und Libyen führten weder zu den erhofften stabilen Verhältnissen in den Regionen noch zu politisch überzeugenden Ergebnissen; im Gegenteil. Amerika und seine Verbündeten verloren Einfluss, Vertrauen und Prestige. Zugleich traten die inneren Widersprüche des Bündnisses hervor: divergierende Interessen, unerreichbare operative Ziele und, dies vor allem, die wachsende Kluft zwischen politischer Ankündigung und operativer Intervention. Das Abendland, um einen deutschen Spitzenpolitiker zu zitieren, wurde eben nicht „am Hindukusch verteidigt“. Die Nato-Einsätze der Vergangenheit waren schlicht ein Desaster.

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