Italien

Europas Supervulkan: Erdbeben erschüttert Phlegräische Felder bei Neapel

Der Supervulkan nahe Neapel mit einer Ausdehnung von etwa 15 mal zwölf Kilometern wird seit Jahren von Wissenschaftlern beobachtet. Nun kommt es erneut zu einem Erdbebenschwarm.

4 Min
Das Vulkanfeld Solfatara in der Kleinstadt Pozzuoli im Westen der italienischen Millionenmetropole Neapel. Das Gebiet gehört zum Supervulkan der Phlegräischen Felder.

Das Vulkanfeld Solfatara in der Kleinstadt Pozzuoli im Westen der italienischen Millionenmetropole Neapel. Das Gebiet gehört zum Supervulkan der Phlegräischen Felder.

© Christoph Sator/dpa

Ein Erdbeben der Stärke 4,4 hat am Donnerstagmorgen um 5.50 Uhr die Region der Phlegräischen Felder (Campi Flegrei) westlich von Neapel erschüttert. Wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilte, lag das Epizentrum in drei Kilometern Tiefe im Meer zwischen den Küsten von Bacoli und Pozzuoli. Wenige Minuten später folgten weitere Erdstöße: um 5.53 Uhr mit Magnitude 1,2 und um 5.57 Uhr mit Magnitude 2,1.

Ein Erdbebenschwarm dauert nach Angaben des Corriere della Sera am Morgen weiter an. So wird eine Serie von vielen kleineren Erdbeben genannt, die zeitlich und räumlich eng beieinander auftreten – im Gegensatz zu einem klassischen Hauptbeben mit Nachbeben gibt es dabei kein klar dominierendes Einzelereignis.

Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA handelt es sich um eines der stärksten Beben seit dem Wiederaufflammen des Bradyseismus – einer langsamen Hebung oder Senkung des Bodens durch vulkanische Aktivität – in dem Gebiet. Nach Intensität und Dauer erinnere es an das Beben vom 30. Juni des Vorjahres, das mit einer Magnitude von 4,6 das stärkste seit 40 Jahren in der Region gewesen sei. Auch am 13. März 2025 war ein Beben gleicher Stärke registriert worden.

Schulen in mehreren Gemeinden geschlossen

Der Bürgermeister von Bacoli, Josi Della Ragione, ordnete in den sozialen Medien die Schließung aller öffentlichen und privaten Schulen seiner Gemeinde an. „Es war sehr stark“, schrieb er und kündigte die Überprüfung sämtlicher Schulgebäude an. Della Ragione berief das kommunale Einsatzzentrum ein und stehe in Kontakt mit der Präfektur Neapel, dem Zivilschutz der Region Kampanien und dem Vesuv-Observatorium.

Auch in Pozzuoli bleiben die Schulen geschlossen. Bürgermeister Gigi Manzoni teilte auf Facebook mit, das kommunale Einsatzzentrum sei aktiviert und Techniker zu Kontrollen entsandt worden. Ebenso ordneten die Bürgermeister von Quarto und Giugliano vorsorglich die Schließung aller Schulen an. „Die Entscheidung wurde aus Verantwortungsbewusstsein getroffen“, erklärte laut Corriere della Sera der Giuglianer Bürgermeister Diego D'Alterio.

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Erste Schäden in Baia gemeldet

In Baia stürzte nach Berichten des Corriere della Sera infolge des Bebens eine Säule des Bogens am Aussichtspunkt „Belvedere Maurizio Valenzi“ ein, der am Hang des Aragonesischen Schlosses liegt. Größere Schäden oder Verletzte wurden bislang nicht gemeldet.

Die Regionalbeauftragte für den Zivilschutz Kampaniens, Fiorella Zabatta, erklärte, sie stehe in Kontakt mit der Präfektur und allen betroffenen Gemeinden, um Hilfsbedarf zu prüfen und Regionspräsident Roberto Fico auf dem Laufenden zu halten. Bei der Einsatzzentrale des regionalen Zivilschutzes gingen zunächst überwiegend Informationsanfragen von Bürgern ein.

In den sozialen Medien schilderten zahlreiche Anwohner ihre Angst. „Es war endlos“, zitiert der Corriere della Sera Bewohner der Phlegräischen Felder. Viele Menschen seien auf die Straßen gegangen, berichten Zeugen von schwankenden Lampen und knarrenden Wänden.

Phlegräische Felder: Supervulkan unter Dauerbeobachtung

Die Phlegräischen Felder liegen wenige Kilometer von der Millionenstadt Neapel entfernt. Der Supervulkan mit einer Ausdehnung von etwa 15 mal zwölf Kilometern wird seit Jahren von Wissenschaftlern beobachtet, in der dicht besiedelten Region kommt es regelmäßig zu Erdbeben. Ein Ausbruch vor rund 40.000 Jahren hatte Auswirkungen auf das Weltklima.

Die jüngste Zunahme der Aktivität wird mit aus dem Magma aufsteigenden Gasen in Verbindung gebracht, die Druck auf die Oberfläche ausüben und Risse im Boden verursachen können.

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