POTSDAM. Gleich an zwei Wochenenden hintereinander soll Brandenburg im November zum Aufmarschgebiet für Neonazis werden. Für den 5. November ist eine Demonstration von 300 Rechtsradikalen durch Potsdam angemeldet. Anmelder ist der Hamburger Rechtsextremist Christian Worch. Eine Woche später erwartet die Polizei beim "Heldengedenken" in Halbe (Dahme-Spreewald) sogar bis zu tausend Teilnehmer. Für beide Aufmärsche sind mehrere Gegenveranstaltungen angekündigt.Vor allem die Potsdamer Demonstration versetzt die Sicherheitskräfte in Unruhe. In der Landeshauptstadt bekämpfen sich Anhänger der linken und rechten Szene seit Jahren verbissen und nicht selten mit blutigem Ausgang. Vor einem Jahr lieferten sich Polizisten und Aktivisten aus der links-alternativen Szene, die gegen einen Marsch von Neonazis durch die Stadt protestierten, eine heftige Straßenschlacht. 21 Beamte wurden zumeist durch Wurfgeschosse leicht verletzt, Wasserwerfer kamen zum Einsatz. "Diese Geschehnisse sollen sich nicht wiederholen", erklärte Rudi Sonntag, der Sprecher des Polizeipräsidiums Potsdam.Sicher ist dies nach den Erfahrungen des Vorjahres freilich nicht. Für den 5. November kündigte der Pressesprecher schon Mal eine "starke Polizeipräsenz" in der ganzen Stadt an. Wie schon im Vorjahr hat Brandenburg dafür Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert, auch die Bundespolizei kommt zum Einsatz. Erstmals sollen auch so genannte Antikonfliktteams unterwegs sein und für eine Deeskalation in der Stadt sorgen. Denn neben der offiziellen Gegendemonstration mit Oberbürgermeister Jann Jacobs (SPD) sind auch diesmal verschiedene Protestaktionen antifaschistischer Initiativen angekündigt. Deren erklärtes Ziel ist es, den Naziaufmarsch "mit allen Mitteln" zu verhindern.Nach Informationen der Berliner Zeitung wollen sich die Neonazis diesmal um 12 Uhr am Bahnhof Charlottenhof treffen. Von dort, so die Vorstellung, könnte es unkomplizierter sein, in die Innenstadt zu gelangen. Vor einem Jahr sollte der Weg vom Hauptbahnhof über die Lange Brücke führen - die von mehr als 1 000, zum Teil militanten Gegendemonstranten besetzt gehalten wurde, umso den Marsch in die Innenstadt zu verhindern. Die Rechten wichen schließlich notgedrungen nach Babelsberg aus.Unangenehmer GedankeSolche Ausweichrouten gibt es in Halbe, wo am 12. November bis zu tausend Neonazis aus ganz Deutschland erwartet werden, kaum. Der Aufmarsch am Vorabend des Volkstrauertages könnte zur wichtigsten Veranstaltung der rechten Szene in diesem Jahr werden, nachdem Behörden den üblichen Gedenkmarsch im August für Hitlers Stellvertreter Heß im oberfränkischen Wunsiedel verboten hatten. Ein Jahr zuvor zählte die Polizei dort noch 4 000 Teilnehmer.Organisatorische Vorarbeit haben die Neonazis schon geleistet. Vor zwei Jahren meldeten sie Märsche zum Volkstrauertag in Halbe an - und das gleich bis zum Jahr 2020. Auch sonst suchen sie den Ort gern heim. In diesem Jahr kommen sie bereits zum dritten Mal.Der Gedanke, dass Halbe, wo 22 000 Kriegstote beigesetzt sind, auf Dauer zur rechten Wallfahrtsstätte wird, beunruhigt die Politiker sehr. Der Landtag in Potsdam will nun erstmals dem braunen Spuk mit einer großen Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof begegnen. Hunderte Gremien und Organisationen, darunter auch das Berliner Abgeordnetenhaus, sollen zur Teilnahme aufgefordert werden.Im Vorjahr fiel der Bürgerprotest schwer. Jeweils 1 600 Neonazis und Polizisten füllten den 1 200 Einwohner großen Ort. Viel Platz blieb den 1 000 Gegendemonstranten, denen die Anreise gelang, nicht.------------------------------"Wir setzen auf Deeskalation." Rudi Sonntag, Polizeipräsidium Potsdam------------------------------Foto: Am Rande des Neonazi-Aufmarsches vor einem Jahr in Potsdam gerieten Polizei und militante Gegendemonstranten aneinander.
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