Rettungsteams in Nepal haben am Freitag – neun Tage nach der Himalaya-Sturzflut – zwei Männer lebend aus einem Tunnel des Wasserkraftwerks Trishuli 3A geborgen. Das teilten die Ministerien für Energie und Inneres in Kathmandu mit. Bei den Geretteten handelt es sich nach Angaben des Büros von Energieminister Biraj Bhakta Shrestha um den mechanischen Vorarbeiter Sanjay Sah und den Techniker Kabir Maharjan.
Die Bergung gelang, nachdem Sicherheitskräfte am frühen Morgen Stimmen aus dem Inneren des Tunnels gehört hätten, sagte der nepalesische Abgeordnete Shri Ram Neupane, der als Ingenieur an dem Einsatz beteiligt war, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Ein gemeinsames Team der nepalesischen Armee und der bewaffneten Polizei habe die beiden Männer aus den überfluteten unterirdischen Anlagen geborgen.
Videoaufnahmen des Energieministeriums zeigen laut Nachrichtenagentur AFP, wie einer der Arbeiter aus dem Schlamm gezogen und zu einem Hubschrauber gebracht wurde. Nach Angaben der Armee wurden beide Männer medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus in Kathmandu geflogen. Ein Armee-Offizier sagte laut Nachrichtenagentur Reuters, die Vitalwerte von Sah seien normal. Maharjan könne jedoch seine Arme und Beine nicht bewegen, teilte ein Mitarbeiter des Energieministers mit.
Hunderte Arbeiter weiter vermisst
Nach Angaben des nepalesischen Verbands unabhängiger Stromerzeuger (Independent Power Producers Association of Nepal) werden allein am Projekt Trishuli 3A mindestens 557 Arbeiter vermisst, rund 115 davon sollen im Tunnel eingeschlossen sein. Insgesamt gelten nach Behördenangaben etwa 900 Arbeiter an zwölf Wasserkraftprojekten als vermisst, rund 500 davon in Tunneln.
Kommunikationsminister Bikram Timilsina zeigte sich auf Facebook zuversichtlich, weitere Arbeiter retten zu können. Auch Abgeordneter Neupane äußerte laut Newpal News die Erwartung, dass weitere Eingeschlossene lebend geborgen werden könnten.
Mehr als 1.280 Tote
Bei der Sturzflut vom 26. August im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet kamen nach Angaben der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde mindestens 1259 Menschen ums Leben. Chinesische Staatsmedien meldeten 21 Todesopfer in Tibet, 541 Menschen würden dort noch vermisst. In Nepal gelten laut Behörden mehr als 5000 Menschen als vermisst.
Als Ursache der Katastrophe vermuten Fachleute aus China und den USA laut AFP einen Gletscherabbruch am mehr als 7000 Meter hohen Langtang Lirung. Die dadurch ausgelöste Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Geröll zerstörte Ortschaften, Straßen und Wasserkraftwerke auf beiden Seiten der Grenze.
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