Bei einem Schusswaffenangriff nahe der Stadt Hebron im besetzten Westjordanland sind fünf Israelis verletzt worden, zwei davon lebensgefährlich. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte eine „vollständige Abriegelung“ des gesamten Palästinensergebiets an.
Netanjahu erklärte am Freitag, Israel habe einen „schweren Terroranschlag“ verhindert. Er sprach den „heldenhaften Kämpfern“ seine Anerkennung aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung. Er habe das Militär angewiesen, einen Sperrgürtel um Hebron zu errichten und sich ab Freitag auf eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vorzubereiten. In Telegram-Gruppen hieß es, in der Region seien bereits viele Kontrollpunkte geschlossen.
Zwei mutmaßliche Angreifer getötet
Die israelische Armee teilte mit, sie habe nach dem Vorfall Anti-Terror-Einsätze gestartet und Wohnungen von Verdächtigen im Westjordanland durchsucht. Das Gebiet um Hebron sei abgeriegelt worden. Soldaten hätten „zwei Terroristen eliminiert“. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden fünf Menschen verletzt, zwei davon schweben in Lebensgefahr.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP wurde Augenzeuge des Vorfalls. Nach seinen Beobachtungen waren die beiden Palästinenser mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr bewaffnet. An einem Kontrollpunkt nahe Hebron sei es zu Schusswechseln mit israelischen Streitkräften gekommen, die die Angreifer schließlich erschossen hätten.
Zuspitzung seit dem 7. Oktober 2023
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat deutlich zugenommen.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach Völkerrecht illegal sind.
Palästinenser-Konflikt prägt den Wahlkampf
Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein zentrales Thema vor der Parlamentswahl am 27. Oktober. Rechte Politiker versuchen, mit dem Versprechen eines harten Vorgehens gegen palästinensische Gewalt Stimmen zu gewinnen. Die zunehmenden Übergriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser sprechen sie dagegen kaum an. Umfragen zufolge könnte es sowohl für das Lager Netanjahus als auch für die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern. (mit AFP)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]