Filmförderung

Wie Netflix den Osten für sich entdeckt: Sechs Film-Ideen sollen Klischees durchbrechen

Netflix und der Produzentenverband PROG begleiten sechs Film- und Serienprojekte, die neue Perspektiven auf Ostdeutschland zeigen sollen.

3 Min
Teilnehmer, Berater und Projektverantwortliche von PROG, Netflix und Tatino Films

Teilnehmer, Berater und Projektverantwortliche von PROG, Netflix und Tatino Films

© Juliane Fezer, PROG, Netflix

Von der Actionkomödie bis zum Thriller: Sechs Film- und Serienprojekte sollen neue Perspektiven auf Ostdeutschland auf die Leinwand bringen. Zwölf Filmschaffende haben dafür nach ihrem Auftakt im Herbst 2026 eine erste intensive Workshopwoche absolviert. Fünf Tage lang arbeiteten sie im Rahmen der Initiative „Ostdeutsche Perspektiven in Film und Serie: Idea to Pitch“ an ihren Ideen. Die Stoffe reichen zeitlich von 1957 bis in die Gegenwart und decken unterschiedliche Genres und Formate ab.

Die Frage, wer eigentlich den Osten erzählt, beschäftigt die deutsche Film- und Fernsehbranche auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung. Zwar sind ostdeutsche Lebenswelten immer wieder Thema von Filmen und Serien. Doch wie vielfältig und authentisch sie dargestellt werden und wer die Geschichten erzählt, steht auf einem anderen Blatt. Eine 2025 veröffentlichte Branchenumfrage des Forschungs- und Beratungsunternehmens Goldmedia zeigt eine deutliche Lücke: Nur zwölf Prozent der Befragten halten ostdeutsche Perspektiven in fiktionalen Produktionen für angemessen repräsentiert. Vier von fünf wünschen sich mehr Sichtbarkeit von Geschichten aus und über Ostdeutschland.

Wer erzählt den Osten?

Auch hinter den Kulissen bestehen nach Einschätzung der Befragten Unterschiede. Filmschaffende mit ostdeutscher Herkunft oder Lebensmittelpunkt in Ostdeutschland erleben strukturelle Hindernisse beim Zugang zur Branche und bei ihren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten häufiger und intensiver als ihre westdeutschen Kollegen. Die Initiative von Netflix und dem Produzentenverband PROG setzt deshalb nicht allein bei den Geschichten an, sondern will auch ostdeutsche Kreative gezielt stärken. Dabei geht es darum, über vertraute Erzählmuster hinauszugehen und Perspektiven zu erschließen, die bislang zu wenig vorkommen.

Zu den ausgewählten Projekten gehören die Actionkomödie „Babsi“ von Paula Thielecke und Christoph Eder sowie die Dramen „Die unsichtbare Insel“ von Claudia Steffen und Tony Vahl und „Ich komme morgen wieder“ von Janis Westphal und Lavinia Florence Moroff. Bei den Serien sind der Thriller „Parsteinsee“ von Kordula Marisa Hildebrandt und Marco Nieschka, die Tragikomödie „Popping Boba“ von Claudia Tuyết Scheffel und Laurian-Luis Schymura sowie die Kinder-Abenteuerserie „Versteckspiel“ von Philipp Zakrzewski und Jannik Büddig dabei. Die sechs Teams wurden aus insgesamt 170 eingereichten Film- und Serienideen ausgewählt.

Internationale Beratung

Bei der Weiterentwicklung ihrer Stoffe werden die Teams von internationalen Beratern begleitet. Edyta Janczak Hiriart und Arne Kohlweyer beraten die Filmteams, Maria Cervera und Leonardo Staglianò die Serienprojekte. Das viermonatige Stoffentwicklungsprogramm wird von Tatino Films unter der Leitung von Matthieu Darras organisiert. Ergänzend erhalten die Teilnehmer Einblicke in die Perspektiven von Fernsehen, Streamingdiensten und Verleih.

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Bis zum 10. Februar 2027 sollen die Ideen so weit ausgearbeitet sein, dass die Teams sie zum Auftakt der Berlinale einem Branchenpublikum vorstellen können. Ziel ist es, Partner für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Ob aus den sechs Stoffen tatsächlich Filme oder Serien entstehen, ist damit noch offen.

Netflix und der Produzentenverband PROG hatten die Initiative nach einer ersten Kurzstudie im Jahr 2025 auf den Weg gebracht. Nach einem Branchenworkshop in Zeitz und der Projektauswahl im Herbst 2026 geht es nun darum, aus dieser Bestandsaufnahme konkrete Geschichten zu entwickeln.

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