POTSDAM. Das Lausitzer "Netzwerk Gesunde Kinder" will als Konsequenz aus den jüngsten Kindstötungen Besuche in den weiterführenden Schulen der Region organisieren. "Wir werden die Informationen über Anlaufstellen bei ungewollter Schwangerschaft mundgerecht für alle 16-Jährigen aufbereiten", sagte gestern die Mitinitiatorin des Vorzeige-Projektes, Simone Weber. "Dafür fühlen wir uns verantwortlich."Weber ist die Geschäftsführerin des Klinikums Niederlausitz, das das Netzwerk begründet hat. In Brandenburg hat die Idee, ein System ehrenamtlicher Paten aufzubauen und alle mit Kindern befassten Behörden und Institutionen miteinander in Kontakt zu bringen, bislang in drei Regionen Nachahmer gefunden: Im Havelland (Nauen, Rathenow), in Eberswalde und im Landkreis Dahme-Spreewald (Königs Wusterhausen, Lübben). Vier weitere sind im Aufbau. Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) strebt ein flächendeckendes Angebot an. Dafür seien 30 Netzwerke nötig. "Aber das hängt an den Akteuren vor Ort. Das kann man nicht beschließen", so Ziegler. Für 2008 stehen im Haushalt 450 000 Euro für alle Netzwerke zur Verfügung.Simone Weber berichtete gestern von einem Fall, in dem eine junge Mutter von ihrer Freundin zum Arztbesuch gedrängt wurde. "Die Kinderärztin war Mitglied im Netzwerk und hat das Kind wegen Unterernährung sofort ins Klinikum eingewiesen." Vernachlässigungen oder Kindstötungen seien zwar auch mit den Netzwerken nicht auszuschließen. "Aber es muss gesellschaftlich mehr anerkannt werden, dass jeder seine Verantwortung wahrnimmt." In Nauen und Lübben, wo die jüngsten Kindstötungen geschehen sind, haben sich Netzwerke etabliert. Die 22-Jährige, die ihr Neugeborenes in der Badewanne ertränkte, hat ihre Tat gegenüber der Staatsanwaltschaft damit begründet, dass sie sich überfordert fühlte.Das Klinikum Niederlausitz denke seit Langem darüber nach, eine Babyklappe einzurichten und anonyme Geburten zu ermöglichen, sagte Simone Weber. "Weil die Rechtslage so schwierig ist, haben wir uns dagegen entschieden." Auch Ministerin Ziegler betonte erneut, dass sie aus rechtlichen Gründen keine Chance sehe, anonyme Geburten zu legalisieren. Das fordert die CDU. Trotzdem will Ziegler nach Bayern reisen, um sich über ein Modellprojekt zu informieren.
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