Neu in Berlin: die Berlin Music Week

Jens Balzer
2 Min

Es gibt Hoffnung für das Musikleben der Stadt. Gerade hatten wir noch das abrupte Ende der Popkomm beklagt, jener traditionsreichen Popmusikmesse unter dem Funkturm, da flutschten schon ein rundes Dutzend Ersatzveranstaltungen in die Terminlücke, allen voran die "all2gether>>now"-Messe im Radialsystem V, die mit ihren "#camps", "#conferences" und "grassroot-Rapporteuren" zwar eher nicht zur ernsthaften Erörterung der Zukunft der Popmusik taugt, aber immerhin als kurzweilige Parodie auf den vorletzten New-Economy-Boom.Damit gleichwohl nicht genug; es bleibt nicht dabei, dass an Stelle der Popkomm etwas anderes tritt. Im kommenden Jahr kommt die Popkomm nun tatsächlich zurück; im September 2010 soll sie sich mit "all2gether>>now" und anderen Veranstaltungen vereinen und zu einer "Berlin Music Week" ausdehnen. Das jedenfalls gab gestern der Berliner Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Harald Wolf, bekannt. Geplant sei ein Musikfestival, "das stadtweit die ganze Bandbreite moderner populärer Musik abdeckt, ein Musikkongress mit Barcamp, ein Messeformat, Einzelevents wie Branchenmeetings und Veranstaltungen von Verbänden und Netzwerken sowie Publikumsveranstaltungen".Die Einrichtung eines solchen Quadrupel-Crossover-Musikkongresses ist unbedingt zu begrüßen, gerade auch als soziokulturelles Experiment: Wer wissen will, was passiert, wenn der Business-Talk der Musikmanager auf das rasende Gefasel der Web-2.0-Blogger trifft, ist hier ohne Frage am rechten Ort. Ein "stadtweites Musikfestival mit der ganzen Bandbreite populärer Musik" haben wir in Berlin allerdings ohnehin jeden Tag. Wenn hier noch etwas obendrauf gesetzt werden soll, geht das nur unter einer Bedingung: Harald Wolf hat Geld für die Popmusik übrig. Sehr viel Geld. Und er will jetzt wirklich ein Festival mit internationalen Top-Künstlern finanzieren, das dem Ruf unserer "Musikhauptstadt" (H. Wolf) gerecht werden kann - im Gegensatz zu den günstig zusammengewürfelten Gigs, die die Popkomm sonst zu präsentieren pflegte. Viel frisches Geld für die Popmusik: Das wäre einmal eine gute Nachricht! Mit allem anderen würde sich der Senat nach den großen Worten von gestern bis auf die Knochen blamieren.

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