Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe rund um die Straße von Hormus am Wochenende und in der Nacht zum Montag deutlich ausgeweitet. Beide Seiten beanspruchen die Kontrolle über die für den weltweiten Energiehandel zentrale Meerenge. Die im Juni geschlossene Waffenruhe droht zu zerbrechen.
Das US-Regionalkommando Centcom teilte am späten Sonntag (Ortszeit Washington) auf der Plattform X mit, amerikanische Streitkräfte hätten eine weitere Angriffswelle gegen iranische Ziele geflogen.
Mit Präzisionsmunition seien Dutzende Stellungen getroffen worden, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenradaranlagen sowie Raketen- und Drohnenkapazitäten. Eingesetzt wurden nach Centcom-Angaben Kampfflugzeuge, Marineeinheiten, Kamikazedrohnen sowie erstmals auch unbemannte Angriffsboote. Ziel sei es, die iranische Fähigkeit zu Angriffen auf die zivile Schifffahrt in der Straße von Hormus zu schwächen.
Es war nach Angaben des Nachrichtenportals Bloomberg der vierte US-Schlag gegen den Iran innerhalb einer Woche. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte Centcom nach eigenen Angaben rund 140 Ziele attackiert. US-Präsident Donald Trump sagte im Interview der NBC-Sendung „Meet the Press“ am Sonntag, die USA hätten den Iran in der vergangenen Nacht „in Grund und Boden bombardiert“.
Iranische Gegenschläge in mehreren Golfstaaten
Bereits am Sonntag richteten sich iranische Angriffe nach Angaben der Nachrichtenagentur AP gegen sechs Länder der Region: Bahrain, Jordanien, Kuwait, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate. Katar sprach von drei Verletzten durch herabfallende Trümmer und erklärte, der Iran trage die „volle rechtliche Verantwortung“. Kuwaits Armee meldete Schäden; ein Arbeiter sei bei einem Angriff auf eine Ölförderplattform verletzt worden. Oman bestellte den iranischen Botschafter ein.
In der Nacht zum Montag setzten die iranischen Revolutionsgarden ihre Vergeltungsangriffe nach eigenen Angaben fort, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Getroffen worden seien der Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan in Jordanien, die Basen Ali Al Salem und Ahmad Al Jaber in Kuwait sowie der bahrainische Stützpunkt Sheikh Isa, auf dem auch US-Militär stationiert ist.
Kuwaits Streitkräfte bestätigten laut Reuters am frühen Montag das Abfangen feindlicher Flugkörper. In Bahrain heulten nach Angaben des Innenministeriums am Montagmorgen erneut die Sirenen.
Iranische Staatsmedien berichteten von einem Toten und vier Verletzten bei US-Angriffen auf eine Wasserpumpstation in der südwestiranischen Stadt Mahschahr.
Streit um Status der Meerenge
Auslöser der jüngsten Eskalation war nach Angaben von Centcom ein iranischer Angriff auf das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff „GFS Galaxy“ am Samstag vor der Küste Omans. Teheran erklärte die Straße von Hormus daraufhin für geschlossen.
Trump und Centcom widersprachen und erklärten, die Meerenge sei weiter für den Schiffsverkehr offen. Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler passierten am Sonntag sechs Schiffe die Wasserstraße – der niedrigste Wert seit fünf Wochen.
Vor Kriegsbeginn Ende Februar wurden rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases durch die Straße von Hormus transportiert. UN-Generalsekretär António Guterres warnte in einer Erklärung, eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte „katastrophale Folgen“.
Ölpreise steigen um mehr als vier Prozent
An den Rohstoffmärkten zogen die Preise am Montag deutlich an. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg nach Angaben von Reuters am Morgen um 4,08 Prozent auf 79,11 US-Dollar. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 4,11 Prozent auf 74,36 Dollar je Barrel.
Analysten der australischen Bank ANZ erklärten, Hoffnungen auf eine rasche Beilegung der Auseinandersetzungen seien nach dem Wochenende in Zweifel geraten.
Warum Israels Krieg gegen die Hisbollah den Libanon nicht befrieden wird
Plötzliches Vakuum in US-Außenpolitik: US-Falke Lindsey Graham ist tot
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]