In knapp drei Monaten, am 2. Januar 2027, soll der Personalausweis aufs Smartphone wandern. Dann startet d-you, die staatliche Ausweis-App des Bundes. Einrichten lässt sie sich nur mit der PIN des Online-Ausweises – und genau die haben viele Deutsche nicht mehr.
Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem April haben nur 18 Prozent der Befragten die Online-Funktion aktiviert und kennen ihre PIN. Weitere 21 Prozent haben sie freigeschaltet, wissen die Nummer aber nicht mehr. Wer so dasteht, stehe am Starttag vor verschlossenen Türen, warnte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Seit Anfang Oktober gibt es dafür wieder einen Weg ohne Bürgeramt. Die PIN lässt sich kostenlos per Brief zurücksetzen, meldete die Deutsche Presse-Agentur.
d-you ab 2. Januar 2027: Was über die Ausweis-App feststeht
Name und Starttermin hat Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) im September in Berlin vorgestellt, wie heise berichtete. Zum Start sollen laut Bundesdigitalministerium rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eigene Anwendungen anbieten.
Grundlage ist die EU-Verordnung eIDAS 2.0. Sie verpflichtet jeden Mitgliedstaat, bis Ende 2026 eine solche digitale Brieftasche bereitzustellen.
Im Mittelpunkt steht zum Start der digitale Personalausweis. Weitere Nachweise sollen nach und nach hinzukommen.
Wird der Handy-Ausweis Pflicht?
Nein. Die Nutzung von d-you ist freiwillig und kostenlos, betont die Verbraucherzentrale. Die Plastikkarte im Portemonnaie bleibt gültig.
Auch der Termin ist nicht in Stein gemeißelt. Kritiker halten den Zeitplan nach demselben heise-Bericht für unrealistisch und warnen vor einem Start ohne ausreichende Tests.
Die PIN lohnt sich trotzdem schon jetzt. Mit ihr funktioniert der Online-Ausweis auch ohne d-you, etwa bei Anträgen an Behörden über die AusweisApp.
Erst prüfen: Brauchen Sie überhaupt einen neuen PIN-Brief?
Nicht jeder muss bestellen. Wer den ursprünglichen PIN-Brief vom Bürgeramt noch findet, kann mit der fünfstelligen Transport-PIN darin in der kostenlosen AusweisApp selbst eine eigene sechsstellige PIN festlegen.
Den Rücksetzbrief brauchen Sie, wenn die eigene PIN vergessen und der alte Brief verschwunden ist. Er hilft auch, wenn die Online-Funktion Ihres Ausweises abgeschaltet ist.
So bestellen Sie den PIN-Rücksetzbrief
Bestellt wird über die Seite pin-ruecksetzbrief-bestellen.de. Am einfachsten klappt das mit einem Smartphone mit NFC-Funktion und der AusweisApp.
Den Ausweis legen Sie zum Einlesen flach an die Rückseite des Handys. Zur Bestätigung fragt die App die CAN ab. Das ist die sechsstellige Nummer unten rechts auf der Vorderseite der Karte.
Der Brief kommt von der Bundesdruckerei, laut Dienst innerhalb von bis zu sieben Werktagen. Im Umschlag liegen die neue PIN und ein Aktivierungscode, der sich per QR-Code einscannen lässt. Danach legen Sie in der AusweisApp eine eigene sechsstellige PIN fest.
Bestellen kann, wer mindestens 16 Jahre alt ist und eine deutsche Meldeadresse hat.
Postident und Fristen: Wo der PIN-Brief scheitern kann
Wer bestellt, macht seine alte PIN sofort ungültig. Stornieren lässt sich die Bestellung nicht, auch wenn der alte PIN-Brief danach doch noch in der Schublade auftaucht.
Zugestellt wird per Postident. Der Brief wird nur persönlich gegen Ausweis übergeben, Nachbarn dürfen ihn nicht annehmen. Wer nicht da ist, muss ihn innerhalb von sieben Werktagen in der Postfiliale abholen. Ein Führerschein reicht dort nicht als Nachweis.
Der Aktivierungscode gilt 90 Tage ab Bestellung. Wer den Brief liegen lässt, muss neu bestellen.
War der Ausweis schon einmal als verloren oder gestohlen gemeldet, scheitert die Bestellung. Dann muss das Bürgeramt die Sperre aufheben.
Neue PIN im Bürgeramt: Warum sich der Brief jetzt lohnt
Die PIN lässt sich weiterhin auch im Bürgeramt neu setzen. Zuständig ist dafür nicht nur das Amt am Wohnort. In Berlin kommt jedes Bürgeramt der Stadt infrage, auch außerhalb des eigenen Bezirks.
Wie lange es den Gratis-Brief noch gibt, hat der Bund nicht festgelegt. Der Bund finanziert den Dienst laut Ministerium nur übergangsweise, berichtete das Fachmagazin c’t. Ende 2023 war er schon einmal aus Kostengründen gestoppt worden.
Der Dienst selbst warnt, dass es bei vielen Bestellungen zu Verzögerungen kommen kann. Die drei Monate bis zum Start reichen für Brief, Postident und Aktivierung locker aus. Wer seine PIN nicht kennt, bestellt deshalb besser jetzt als in der Woche vor dem Start.
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