Die Staatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat einen geplanten Selbstmordanschlag auf das Passagierterminal des israelischen Ben-Gurion-Flughafens bei Tel Aviv als Ziel des Angriffs auf Flydubai-Flug FZ1073 genannt. Der omanische Copilot habe die Maschine übernehmen und möglichst viele Menschen töten wollen, erklärte Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Schamsi am Freitag über die staatliche Nachrichtenagentur WAM. Vorbild seien die Anschläge vom 11. September 2001 gewesen.
Der 29-Jährige habe zwei frühere Flüge nach Tel Aviv genutzt, um Strecke und Flughafen kennenzulernen. Beim dritten Flug am 30. September habe er seinen Plan umsetzen wollen. Laut Staatsanwaltschaft beeinflusste die Anschlagsabsicht bereits seine Entscheidung, eine Laufbahn in der Luftfahrt einzuschlagen. Er habe sich auch durch Boxunterricht vorbereitet.
In Anwesenheit seines Anwalts habe der Verdächtige ein detailliertes Geständnis abgelegt und erklärt, allein gehandelt zu haben. Ob weitere Personen beteiligt waren, werde weiterhin geprüft. Seit Januar war er bei Flydubai beschäftigt. Die vorgeschriebenen beruflichen und sicherheitsrelevanten Prüfungen hätten keine Hinweise auf extremistische Ansichten oder Anschlagspläne ergeben, erklärte al-Schamsi.
Der israelische Sender Channel 12 berichtete bereits am 5. Oktober, der Copilot habe bei seiner Vernehmung ‚Rache für Gaza‘ als Motiv genannt. Der Sender legte die Quelle dieser Angabe nicht offen. In der aktuellen Erklärung der emiratischen Staatsanwaltschaft wird dieses Motiv nicht genannt.
Ermittlungen führen nach Australien
Erste Anzeichen einer Radikalisierung habe es laut Staatsanwaltschaft im Jahr 2017 während seines Studiums in Australien gegeben. Er habe extremistische Schriften gelesen und online Inhalte verfolgt, die Terrororganisationen und Selbstmordanschläge verherrlichten.
Laut seinem Geständnis besuchte er dort regelmäßig eine Moschee. Dort habe er Personen kennengelernt, die einem Zentrum namens „My Centre“ nahestanden. Dieses sei von einem Libanesen namens Abu Hamza geführt worden und habe angeblich Unterstützung von einer Vereinigung mit Verbindung zur Muslimbruderschaft erhalten.
Die RMIT University in Melbourne bestätigte, dass der mutmaßliche Angreifer dort von 2015 bis 2017 eingeschrieben war, aber keinen Ingenieurabschluss erwarb. Nach Angaben des australischen Senders ABC untersucht ein gemeinsames Antiterrorteam aus Bundespolizei, Polizei des Bundesstaates Victoria und Inlandsgeheimdienst ASIO seine Verbindungen nach Australien.
Bereits am Montag hatten mehrere Medien unter Berufung auf informierte Quellen über Ben Gurion als mutmaßliches Anschlagsziel berichtet. Mit der Erklärung vom Freitag haben die emiratischen Ermittler das Passagierterminal nun erstmals öffentlich als Ziel genannt.
Mitreisende Piloten griffen ein
Der Copilot hatte Kapitän Smit Machchhar auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv mit einer Notfallaxt angegriffen. Wie die israelische Jerusalem Post unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete, bemerkte ein für den Rückflug vorgesehener Pilot ungewöhnliche Bewegungen der Cockpittür und verschaffte sich mit dem Zugangscode Zutritt.
Mit Unterstützung eines Besatzungsmitglieds und mehrerer Passagiere überwältigte er den Angreifer. Die Rückflugcrew landete die Maschine sicher im saudi-arabischen Tabuk.
Offen bleiben Fragen zur früheren Laufbahn des Verdächtigen. Laut einer CNN-Recherche war er bei Oman Air wegen Bedenken über extremistische Ansichten aus der Flugausbildung genommen und auf einen anderen Posten versetzt worden. CNN stützt sich dabei auf mit dem Fall vertraute Quellen.
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