Verkehrspolitik

Neue Einbahnstraßen am Ostkreuz: Das ändert sich für Autofahrer

Gedrehte Fahrtrichtungen, Fahrradbügel, Lieferzonen: In Friedrichshain wird der Verkehr weiter beruhigt. Eine Initiative sammelt Unterschriften dagegen.

4 Min
Beliebte Kneipenmeile: die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain. Auch hier sieht „Xhain beruhigt sich“ Änderungen vor.

Beliebte Kneipenmeile: die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain. Auch hier sieht „Xhain beruhigt sich“ Änderungen vor.

© F. Berger/imago

Autofahrer aufgepasst: Wer im Friedrichshainer Kiez am Ostkreuz künftig Wege abkürzen will, braucht Geduld und gute Ortskenntnis. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg setzt die nächsten Maßnahmen seines Verkehrsberuhigungskonzepts um. Betroffen ist diesmal das Gebiet zwischen Boxhagener und Wühlischstraße. Mitten im Getümmel.

Pollersperren sind dort vorerst nicht vorgesehen. Auch bleibt für Anwohner, Lieferdienste und Handwerksbetriebe jede Adresse erreichbar. Doch für den motorisierten Durchgangsverkehr soll auch das Teilgebiet B von „Xhain beruhigt sich“ zur Zumutung werden.

Einbahnstraßen sind für den Bezirk das Mittel der Wahl. Nun hat der Bezirk seine Planungen für diesen Teil von Friedrichshain vorgestellt.

Verkehrsberuhigung: Was der Bezirk konkret vorhat

Konkret werden die Gabriel-Max-Straße zwischen Boxhagener und Grünberger Straße sowie die gesamte Gärtnerstraße zu Einbahnstraßen. Die Simon-Dach-Straße, beliebte Ausgehmeile in Friedrichshain, ist bereits nur in eine Richtung befahrbar. Doch die dortige Einbahnstraße wird gedreht. Künftig ist sie von Nord nach Süd befahrbar.

Wer die nördlich und südlich angrenzenden Gebiete betrachtet, der erkennt, welches Gesamtkonzept der Bezirk umsetzt. Durchgehende Straßenverbindungen werden unterbrochen, da die Einbahnstraßen in diesem Teil Friedrichshains nicht in dieselbe Richtung weisen.

Ladenbesitzer Tim Johannson lehnt die geplante Fußgängerzone am Boxhagener Platz ab. Doch für dieses Teilprojekt nennt das Bezirksamt noch keinen Zeitplan.

Ladenbesitzer Tim Johannson lehnt die geplante Fußgängerzone am Boxhagener Platz ab. Doch für dieses Teilprojekt nennt das Bezirksamt noch keinen Zeitplan.

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

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Das Teilgebiet A, nördlich der Boxhagener Straße, kann mit dem Auto nur nach Norden durchfahren werden. Im Teilgebiet B ist das künftig fast ausschließlich in Südrichtung möglich. Im Teilgebiet C, südlich der Wühlischstraße, wiederum weisen die Einbahnstraßen nach Norden.

Damit nicht genug: In der Simon-Dach-Straße und der Gabriel-Max-Straße werden Fahrradbügel aufgestellt und Lieferzonen eingerichtet. Ein Angebot an alle, die ihre Räder bisher an Leuchten und Zäune geschlossen haben, und an Paketfahrer, die in zweiter Reihe halten.

An der Einmündung der Gabriel-Max-Straße in die Grünberger Straße werden Gehwegvorstreckungen gebaut, so das Bezirksamt weiter. Das verkürzt die Querung, verbessert die Sicht und nimmt Autos die Möglichkeit, bis in die Kreuzung hinein zu parken.

Noch kein Zeitplan für weitere Maßnahmen

Das Konzept sieht auch eine Pollersperre an der Ecke Krossener/Gryphiusstraße vor. Am Boxhagener Platz soll eine Fußgängerzone entstehen. Doch für die weiteren Maßnahmen nennt der Bezirk noch keinen Zeitplan.

Annika Gerold, Bezirksstadträtin für Verkehr, Grünflächen, Ordnung und Umwelt, verkauft das erste Paket für das Teilgebiet B selbstbewusst.

„Die nächsten Maßnahmen im Ostkreuz-Kiez sorgen für mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität in unserem Bezirk“, so die Grünen-Politikerin. „Mit den neuen Einbahnstraßen, Fahrradbügeln und Gehwegvorstreckungen schaffen wir einen Kiez, in dem Menschen im Mittelpunkt stehen – nicht der Durchgangsverkehr.“

Nachbarschaftsinitiative sammelt Unterschriften

Die Zahlen sprechen für Verkehrsberuhigung, so das Bezirksamt. Wer im Ostkreuz-Kiez ein Auto besitzt, gehört zur Minderheit: Auf tausend Einwohner kommen dort rund 158 zugelassene Pkw. In Friedrichshain-Kreuzberg werden 91,6 Prozent aller Wege ohne Auto zurückgelegt.

Rechtlich sei Verkehrsberuhigung keine Kür, sondern Pflicht, hieß es weiter. Das Berliner Mobilitätsgesetz verlangt in Paragraf 56, Absatz 1, fußverkehrsfreundliche Nebenstraßen.

Die Pollersperre am Knotenpunkt Jung-/Oderstraße gehört ebenfalls zum Verkehrsberuhigungskonzept für Friedrichshain. Die Pfosten wurden mehrmals gestohlen.

Die Pollersperre am Knotenpunkt Jung-/Oderstraße gehört ebenfalls zum Verkehrsberuhigungskonzept für Friedrichshain. Die Pfosten wurden mehrmals gestohlen.

© Peter Neumann/Berliner Zeitung

Das Konzept „Xhain beruhigt sich“ geht auf Initiativen von Bürgern zurück. Entsprechende Einwohneranträge wurden von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen.

Trotzdem gibt es heftige Kritik. Anwohner haben sich in der Nachbarschaftsinitiative „Mitbestimmung Fhain“ zusammengeschlossen. Sie fühlen sich vom grün-regierten Bezirksamt übergangen. Die Gruppe sammelt Unterschriften für einen eigenen Einwohnerantrag. Die Hauptforderung: „Sofortiger Stopp der weiteren Umsetzung des Verkehrsberuhigungskonzepts in der jetzigen Form“.

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