RHEINSBERG. Die kleine Nancy aus Linow bei Rheinsberg hat sich nicht selbst mit der Jagdwaffe ihres Vaters erschossen. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Neuruppin gestern mit. Die Staatsanwaltschaft hegt stattdessen einen anderen Verdacht. Sie geht davon aus, dass Nancy versehentlich von ihrer 14-jährigen Schwester Franziska erschossen wurde. "Es gibt einen Anfangsverdacht gegen das Mädchen", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer. Seine Behörde ermittelt jetzt gegen die Jugendliche wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Gestern Vormittag habe es eine Vernehmung von Franziska gegeben. "Doch das Mädchen hat von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und zu den Vorkommnissen zum Zeitpunkt des Unglücks geschwiegen", sagte der Oberstaatsanwalt.Schuss traf ArterieAm 10. Januar war Nancy schwer verletzt im Wohnzimmer des elterlichen Einfamilienhauses in Linow (Ostprignitz-Ruppin) aufgefunden worden. Ein alarmierter Notarzt konnte wenig später nur noch den Tod des Kindes feststellen. Ein Schuss hatte die linke Schulter des Mädchens getroffen und dabei eine Arterie zerfetzt. Nancy, so ergab die spätere Obduktion, verblutete.Nancys 39-jähriger Vater Dirk S. ist ein leidenschaftlicher Jäger. Die Ermittler stellten fast, dass er damals sein Jagdgewehr nicht eingeschlossen hatte, als er zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter das Haus verließ. Zunächst gingen die Fahnder davon aus, dass Nancy allein im Wohnzimmer war, das sich im ersten Geschoss befindet. Dort soll das Mädchen mit dem Gewehr gespielt haben. Dabei löste sich der Schuss, hieß es anfangs."Nach den Ergebnissen der Ballistiker und der Gerichtsmediziner sowie einer Rekonstruktion des Unglücks konnte sich das Kind aber den tödlichen Schuss nicht selbst beigebracht haben", sagte Oberstaatsanwalt Schiermeyer. Zum Zeitpunkt des Unglücks befand sich Nancys Großvater in der Einliegerwohnung im Erdgeschoss des Hauses. Auch Franziska war anwesend. Sie will in ihrem ebenfalls im Erdgeschoss gelegenen Zimmer Hausaufgaben gemacht haben, als der Schuss fiel. "Sie war zuerst bei ihrer schwer verletzten Schwester", sagte Schiermeyer. Kurz darauf war auch der Großvater in das Wohnzimmer gestürmt.Nancys Vater hat inzwischen zugegeben, sein Jagdgewehr unverschlossen im Wohnzimmer des Hauses stehen gelassen zu haben. Darum ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn: wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung.
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