Am Freitag wird in Peenemünde im Landkreis Vorpommern-Greifswald eine neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer des früheren KZ-Arbeitslagers „Karlshagen I“ eröffnet. Das teilte das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) mit. Die Eröffnungs- und Gedenkveranstaltung findet am historischen Ort am Flugplatzring statt.
Nach Angaben des Museums waren die Versuchsanstalten Peenemünde von 1936 bis 1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas. Auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern arbeiteten zeitweise bis zu 12.000 Menschen an neuartigen Waffensystemen, darunter der weltweit erste Marschflugkörper und die erste funktionierende Großrakete. Beide Waffen seien gegen die Zivilbevölkerung konzipiert und überwiegend von Zwangsarbeitern gefertigt worden.
Von Mai 1943 an wurden laut HTM rund 2.000 Häftlinge in das Lager „Karlshagen I“ deportiert. Die Mehrheit seien junge Ausländer gewesen, knapp ein Viertel sei nach damaligem Recht minderjährig gewesen.
Mindestens 253 Tote im Lager
Die Inhaftierten litten unter mangelnder Ernährung, Krankheiten, gefährlicher Arbeit und Gewalt. Bis Kriegsende seien mindestens 253 Häftlinge getötet worden, weitere starben in anderen Lagern oder auf Todesmärschen.
Auf fünf Bild-Text-Tafeln werden nach Angaben des Museums neue Forschungserkenntnisse, die Namen der Inhaftierten und eine Häftlingsbiografie präsentiert. Bereits 2024 hatte das HTM eine Erinnerungsstätte für das ehemalige Lager „Karlshagen II“ eingeweiht.
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Peenemünde war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil das Bremer Unternehmen Polaris auf dem Gelände an Raketenantrieben und Raumflugzeugen forscht, die auch militärisch nutzbar sind. Wie der Nordkurier Ende März berichtete, zählt auch die Bundeswehr zu den Auftraggebern. Ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr erklärte, der Standort eigne sich „aufgrund seiner abgelegenen Lage und der geringen Besiedlung grundsätzlich für damit zusammenhängende Flugversuche“. Details seien „aus Gründen der militärischen Sicherheit“ geheim.
Kritik an militärischer Raketenforschung am Standort
Polaris-Gründer Alexander Kopp bestätigte dem Nordkurier, sein Unternehmen arbeite „im Auftrag der Bundeswehr“ an einem zweistufigen Hyperschallforschungsflugzeug. In Peenemünde fänden „regelmäßig Flugerprobungen“ skalierter Demonstratoren statt. Erstflüge mit Aerospike-Raketenantrieb sind bis Ende 2027 geplant.
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Auch die Landesregierung ist bei dem Projekt mit an Bord: Wie das Wirtschaftsministerium des Bundeslandes mitteilte, unterstütze man das Unternehmen, das viele Arbeitsplätze in der Region schaffen wolle. Man habe auch Kenntnis von der Forschung von Polaris für die Bundeswehr, sei aber „nicht involviert“. Die Rede ist zudem von Technik für Weltraumflugzeuge, die „sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden könne“.
Von der Linken, die Teil der Landesregierung ist, erfolgte scharfe Kritik an den neuen Aufrüstungsplänen. Der Landesvorsitzende der Partei in Mecklenburg-Vorpommern, Hennis Herbst, kritisierte die Aktivitäten: „Vor dem historischen Hintergrund Peenemündes ist es ein falsches und hoch problematisches Signal, den Standort erneut für Raketentests zu nutzen.“ Peenemünde dürfe nicht erneut zu einem Symbol militärischer Aufrüstung werden.
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