Ukraine-Krieg

„Neue Geschichte des Krieges“: Fedorow bietet USA Drohnenhilfe im Tausch gegen Patriots an

Der frühere ukrainische Verteidigungsminister sucht US-Geld für neue Waffentechnik. Washington macht er ein ungewöhnliches Angebot.

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Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow

Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow

© Volodymyr Tarasov/imago

Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow will amerikanische Investoren für einen neuen Fonds zur Entwicklung von Militärtechnik gewinnen. Zugleich bietet er den USA Unterstützung beim Aufbau einer „Armee von Drohnen“ an – im Gegenzug für Patriot-Abfangraketen für die Ukraine. Das sagte Fedorow der Financial Times in einem Interview.

„Ich wäre sehr froh, Amerika beim Aufbau einer Drohnenarmee zu helfen – insbesondere im Austausch für Patriot-Abfangraketen, damit wir diesen Winter überleben“, erklärte der 35-Jährige. Er sei zu einem solchen Geschäft bereit. Ob er während seines Aufenthalts Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump treffen will, ließ er offen.

Bei dem Vorstoß handelt es sich nicht um ein bekanntes offizielles Angebot der ukrainischen Regierung. Fedorow wurde im Juli nach nur sechs Monaten als Verteidigungsminister von Präsident Wolodymyr Selenskyj entlassen.

Fonds soll auch neue Firmen gründen

Fedorow führt nach eigenen Angaben Gespräche mit Risikokapitalgebern, privaten Investoren und US-Technologieunternehmen. Eine „große Zahl“ möglicher Geldgeber interessiere sich für ukrainische Entwicklungen.

Der geplante Fonds soll sich von klassischen Risikokapitalfonds unterscheiden: Er soll nicht nur Geld in bestehende ukrainische Rüstungsunternehmen investieren, sondern auch selbst Firmen gründen und leiten können. Einzelheiten zu seiner eigenen Rolle oder einem möglichen persönlichen finanziellen Nutzen nannte Fedorow nicht.

Fedorow kündigt „neue Geschichte des Krieges“ an

„Wir schreiben eine neue Geschichte des Krieges“, sagte er. Falls Russland den Konflikt weitere zwei oder drei Jahre hinauszögere, solle der Fonds moderne Lösungen für das Schlachtfeld entwickeln. Investoren könnten zugleich von den Erfahrungen profitieren, die ukrainische Entwickler seit Beginn der russischen Invasion gesammelt haben.

Als erste Schwerpunkte nannte Fedorow Roboter für das Schlachtfeld, um weniger Soldaten an der Front einsetzen zu müssen, preiswerte Hochgeschwindigkeitsdrohnen zum Abfangen neuer russischer Angriffsdrohnen mit Strahlantrieb sowie kostengünstige, mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Raketen.

Ukraine fehlen Patriot-Abfangraketen

Die Ukraine leidet angesichts verstärkter russischer Luftangriffe unter einem Mangel an Patriot-Abfangraketen. Das in den USA entwickelte System gehört zu den wenigen Waffen, die russische ballistische Raketen bekämpfen können.

Fedorow zufolge wurden in der Ukraine bereits schnelle Abfangdrohnen gegen strahlgetriebene Drohnen getestet. Mit zusätzlichem Kapital könnten sie in größerer Stückzahl produziert werden.

Zur Durchsetzung ukrainischer Interessen setzt der frühere Minister außerdem auf mehr weitreichende Angriffe gegen Ziele in Russland. Dafür benötige sein Land zusätzliche Strahldrohnen, billige Raketen und KI-gesteuerte Flugkörper. Mit Kremlchef Wladimir Putin könne man nicht anders verhandeln, sagte Fedorow: „Er versteht nur Stärke.“

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Neue Beraterrolle löst Kritik aus

Vor seiner Reise in die USA hatte Fedorow in Rom eine unbezahlte Tätigkeit als Berater des italienischen Verteidigungsministers Guido Crosetto angenommen. Er soll Italien bei Drohnen, autonomen Systemen, Luftverteidigung und anderen modernen Militärtechnologien unterstützen. Vergleichbare Aufgaben kann er sich auch in Frankreich und den USA vorstellen.

In der Ukraine stieß das Vorhaben auf Kritik. Der oppositionelle Abgeordnete Oleksij Hontscharenko warnte davor, dass Wissen über fortschrittliche ukrainische Militärtechnik ins Ausland gelangen könne.

Fedorow argumentierte dagegen, die Zusammenarbeit könne der Ukraine Zugang zu Luftverteidigungsfähigkeiten verschaffen, über die sie selbst nicht verfüge. Sein Schwerpunkt bleibe auf ukrainischen Projekten und der Beschaffung internationaler Mittel für die Verteidigung des Landes.

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