Neue Länder fühlen sich getäuscht und wollen vom Geschäft zurücktreten

Ultimatum für Käufer des Rundfunk-Geländes

Karin Schmidl
3 Min

Der Ärger um den Verkauf des Grundstücks des einstigen DDR-Rundfunks an der Nalepastraße ist eskaliert: Der Verkäufer, der das 13,5 Hektar große Grundstück im Auftrag aller neuen Bundesländer Anfang November vorigen Jahres an die Bau und Praktik GmbH in Jessen (Sachsen-Anhalt) verkauft hat, will vom Geschäft zurücktreten. Hauptgrund ist die Kündigung sämtlicher Verträge für die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung in dem denkmalgeschützten Sendekomplex zum 1. Februar durch den Käufer. Dieser hat jetzt bis zum 20. Januar Zeit, dafür zu sorgen, dass es wieder gültige Verträge gibt und der Betrieb für die Mieter weitergehen kann. Einen entsprechenden Brief hat gestern Hans-Erich Gerst, der Geschäftsführer des Landesimmobilien-Managements von Sachsen-Anhalt (Limsa) nach Jessen geschickt. Die Limsa hat das ehemalige Rundfunkgelände in Oberschöneweide im Namen aller neuen Länder über Jahre verwaltet und schließlich verkauft. Auf dem Gelände zwischen Rummelsburger Landstraße und Spree im Ortsteil Oberschöneweide arbeiten derzeit etwa 140 Firmen, 25 davon aus der Musik- und Tonstudiobranche, die die Sendesäle und Studios nutzen. Der größte Mieter ist das Deutsche Filmorchester Babelsberg."Wenn die Stromversorgung in den sensiblen Tonstudios und Sendesälen nicht mehr gewährleistet ist, tritt dort der GAU ein, das müssen wir unbedingt verhindern", sagte Hans-Erich Gerst. Für bestimmte Fälle bestehe ein Rücktrittsrecht vom Kaufvertrag. Etwa wenn die vier auf dem Gelände existierenden wertvollen und denkmalgeschützten Sendegebäude nicht wie vertraglich vereinbart gepflegt würden. Der in den 1950er-Jahren errichtete Sendekomplex ist für seine gute Akustik weltweit bekannt.Wird der Strom wirklich abgeschaltet, werden die Mieter Schadensersatz bei der Limsa einklagen: Denn der Käufer steht noch nicht im Grundbuch. Dort gibt es noch eine Vormerkung für einen früheren, von der Limsa als geplatzt bezeichneten Verkauf. Die Grundbuch-Löschung kann Jahre dauern. So lange fungiert die Limsa offiziell noch als Eigentümer des Areals.Beim Käufer, der von der Limsa mit der Verwaltung beauftragt wurde, wird die Kündigung der Versorgungsverträge damit begründet, dass man kostengünstigere Kontrakte erreichen wolle. Eine Zusicherung, dass der Betrieb nach dem 1. Februar weitergeht, konnte der Sprecher des Käufers, der Berliner Projektentwickler Wolf D. Hartmann, nicht geben: "Wir hoffen, dass wir es schaffen", sagte er.Gerst fühlt sich noch aus einem anderen Grund von der Bau und Praktik GmbH getäuscht. Denn diese hat die Gebäudedenkmäler nur drei Wochen nach dem Kauf weiter veräußert. An eine Nalepa Projekt GmbH, die sich bereits seit September 2005 in Gründung befindet. Dazu, wer ihre Gesellschafter sind, wollte sich Projektentwickler Hartmann nicht äußern. Und der Chef der Bau und Praktik GmbH, Frank Thiele, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.Limsa-Chef Gerst: "Das Ganze ist eine üble Sache, und ich fürchte, die wertvollen Gebäude sollen gegen die Wand gefahren werden. Dagegen müssen wir etwas tun."------------------------------"Der Käufer hat jetzt eine allerletzte Chance, die Sache in Ordnung zu bringen."Hans-Erich Gerst, Limsa-Chef

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