Ende dieser Woche findet in Bagdad die zweite große Auktion statt, auf der Förderlizenzen für die Öl- und Gasvorkommen versteigert werden. Zehn Felder werden aufgerufen, mitbieten kann jede Firma, ob aus China oder Russland, Großbritannien oder den USA - sie muss nur risikofreudig genug sein. Risiken aber gibt es einige, und sie sind groß.Die Sicherheit scheint zurzeit das kleinste Problem. Die bewaffnete Opposition greift, anders als früher, vorwiegend exponierte und zudem irakische Ziele an, wie im Oktober die Regierungsgebäude im Zentrum von Bagdad. Die Zahl der Anschläge insgesamt und die der dabei getöteten Iraker aber ist gesunken. Nicht Terroristen oder Aufständische gefährden also derzeit die Arbeit und die Geschäfte ausländischer Ölfirmen im Irak. Es sind drei große ungelöste Probleme, die die Stabilität und sogar Existenz des Irak als Einheitsstaat infrage stellen. Sie alle haben mit den Ölreserven des Landes zu tun.Das Hauptproblem ist die Zukunft der Provinz Kirkuk sowie weiterer Gebiete, die zu den rohstoffreichsten Regionen gehören. Die irakischen Kurden erheben darauf Anspruch, sie sollen Teil ihrer Autonomiegebiete werden. Einst hätten sie dort die Mehrheit der Bevölkerung gestellt, so ihre Begründung. Aber durch Umsiedlung und Ermordung von Kurden habe Saddam Hussein die demografischen Verhältnisse verändert. Die irakischen Araber, Sunniten wie Schiiten, weisen dieses Ansinnen in seltener Eintracht zurück. Ein Referendum, das laut Verfassung bis Ende 2007 abgehalten werden sollte, fand nicht statt.Das zweite Problem, Ursache vieler Spannungen, resultiert daraus, dass es noch immer kein nationales Öl-Gesetz gibt. Es müsste die Lizenzvergabe, die Ausbeutung und den Verkauf von Öl und Gas sowie die Verteilung des Profits unter den Regionen regeln. Streit darüber gibt es nicht nur zwischen irakischen Kurden und Arabern, sondern auch zwischen Schiiten und Sunniten. Die kurdische Autonomieregierung gab sich schließlich 2007 ein eigenes Öl-Gesetz, ging Verträge mit selbst gewählten Partnern ein und das auch noch auf der Basis sogenannter Production-Sharing-Agreements: Dabei übernehmen die ausländischen Ölkonzerne alle Kosten, aber auch die Regie, und sie bestimmen, was der Lizenzgeber pro Barrel von ihnen erhält. Das sei ein neokoloniales Arrangement, opponiert die Zentralregierung. Sie favorisiert Service-Verträge, die festlegen, dass die Iraker den Ölfirmen pro Barrel eine Summe zahlen, deren Höhe Bagdad selbst bestimmt. Bisher fanden die Kurden in Erbil und die Zentralregierung stets einen Kompromiss. Das Problem ist nicht aus der Welt.Ungeregelt ist auch, was aus dem Gebilde Irak insgesamt werden soll. Bleibt er ein Einheitsstaat, was die Sunniten sowie einige Schiiten um Premier Maliki möchten? Oder wird der Irak ein föderal organisierter Staat, in dem jedes Bundesland weitgehende Kompetenzen erhält, zum Beispiel das Recht, über das Öl selbst zu verfügen?Die Lösung der Probleme wurde auf die Zeit nach den Parlamentswahlen vertagt. Die sind für Januar angesetzt. Es heißt, dass Kurden, Schiiten und Sunniten noch auf den Abzug der US-Truppen warten. Danach aber wollen sie mit ganzer Kraft und unter Einsatz aller Mittel um eine ihnen genehme Lösung streiten. Die Ölkonzerne und Lizenzgewinner können nur hoffen, dass dieser Streit kurz und glimpflich abläuft.
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