Rund 6,6 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland sind nach Angaben des Deutschen Mieterbunds von ihren Wohnkosten überlastet. Das ist etwa jeder dritte Mieterhaushalt. Das geht aus einer Studie des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Verbands hervor, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Der scheidende Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, spricht von einem „kompletten Wahnsinn.“
Demnach geben rund 3,2 Millionen Haushalte mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen aus. Weitere 3,4 Millionen Haushalte wenden zwischen 30 und 40 Prozent ihres Einkommens für Kaltmiete und Heizkosten auf. Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz sprach von alarmierenden Zahlen. Die Bundesregierung müsse Mieter vor weiteren Belastungen schützen, erklärte sie nach dpa-Angaben.
Van Aken: „Das ist doch kompletter Wahnsinn!“
„Der Mieterbund hat wissenschaftlich belegt, was viele Menschen täglich spüren: Die Miete treibt die Menschen ans Limit,“ sagte der scheidende Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, gegenüber dieser Zeitung. Besonders betroffen seien Menschen mit wenig Geld, die im Schnitt über die Hälfte Einkommens für die Miete aufwenden müssen.
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„Das ist doch kompletter Wahnsinn! Auf der anderen Seite machen große Konzerne wie Vonovia immer dickere Gewinne mit dem Zuhause der Menschen und bedienen sich dabei auch noch schmutziger Tricks,“ erklärt van Aken gegenüber dieser Zeitung. „Wenn bei Vonovia-Mietern was faul ist, können sie sich bei uns melden. So haben wir Vonovia-Abzocke in Leipzig, Offenbach und Berlin aufgedeckt und reale Verbesserungen für die Mieter erstritten. Aber um alle Mieter und ihr Zuhause zu schützen, brauchen wir endlich einen bundesweiten Mietendeckel,“ so van Aken über seine Erfahrungen und Forderungen.
Viele Haushalte im unteren Einkommensdrittel
Von den fast 20 Millionen Mieterhaushalten gehören laut Studie 42 Prozent zum unteren Einkommensdrittel mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 1417 Euro pro Monat. Bei den untersten zehn Prozent der Einkommensverteilung liege die durchschnittliche Wohnkostenbelastung bei 60 Prozent. Die Studie basiert auf Daten des Mikrozensus 2022, die anhand von Angaben des Statistischen Bundesamts auf den Stand von 2024 fortgeschrieben wurden.
Das Statistische Bundesamt selbst kommt zu einer geringeren Zahl: 2025 waren demnach 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland von Wohnkosten überlastet. Die Behörde bezeichnet Haushalte erst dann als überbelastet, wenn sie mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen aufwenden.
Neue Mietverträge deutlich teurer
Besonders hoch sind die Belastungen laut Mieterbund bei kürzlich abgeschlossenen Mietverträgen. Mieten in Verträgen ab 2020 lägen im Schnitt gut ein Fünftel höher als in älteren Verträgen. In Berlin liegen die Mieten neuer Verträge demnach 29 Prozent über dem Durchschnitt, in München 26 und in Frankfurt 25 Prozent. In Metropolen liege die Wohnkostenbelastung bei über 30 Prozent, bei neuen Verträgen über 35 Prozent.
Weber-Moritz forderte, die geplante strengere Ahndung von Mietwucher durchzusetzen und die Mietpreisbremse zu verschärfen. Diese müsse entfristet werden und bundesweit gelten. Zudem solle nach Vorstellungen des Mieterbunds der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens 2 Millionen steigen.
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